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Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026: CDU ist stärkste Kraft | Hintergrund aktuell | bpb.de

Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026: CDU ist stärkste Kraft

Redaktion

/ 6 Minuten zu lesen

Die CDU hat die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz klar gewonnen. Die SPD, die die Regierung in den vergangenen 35 Jahren anführte, verlor knapp 10 Prozentpunkte im Vergleich zu 2021. Im Landtag sind nun nur noch vier Parteien vertreten.

Wahlplakate im Stadtbild der Landeshauptstadt Mainz zur Landtagswahl 2026 in Rheinland-Pfalz (© picture-alliance, Chris Emil Janßen)

Am 22. März 2026 stimmten die Wählerinnen und Wähler in Rheinland-Pfalz über die Zusammensetzung eines neuen Landtags ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,5 Prozent. Die CDU wurde laut vorläufigem Ergebnis des Externer Link: Statistischen Landesamts mit 31,0 Prozent der gültigen Zweitstimmen stärkste Kraft – erstmals seit dreieinhalb Jahrzehnten. Im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren konnte die Partei 3,3 Prozentpunkte zulegen. Zweitstärkste Kraft wurde die SPD. Sie erlangte nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis 25,9 Prozent der Zweitstimmen. Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 ist dies ein Verlust von 9,8 Prozentpunkten. Die AfD erzielte 19,5 Prozent der Stimmen, konnte ihr vorheriges Ergebnis mehr als verdoppeln und stellt mit 24 Sitzen nun die drittstärkste Fraktion. Die GRÜNEN, die zuletzt der Regierungskoalition in Rheinlandpfalz angehörten, erhielten 7,9 Prozent der Stimmen, 1,4 Prozent weniger als bei der letzten Wahl 2021. Die FDP – bislang ebenfalls Teil der Ampel-Regierung – verpasste den Wiedereinzug in den Landtag und scheiterte mit einem Ergebnis von 2,1 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Bei der Landtagswahl 2021 hatte sie noch 5,5 Prozent erhalten. Auch die FREIEN WÄHLER (4,2 Prozent) werden dem kommenden Landtag nicht angehören. Der Partei Die Linke gelang es mit 4,4 Prozent der Stimmen ebenfalls nicht, in das rheinland-pfälzische Parlament einzuziehen. Mit dem Wahlsieg der CDU steht in Rheinland-Pfalz nun ein Regierungswechsel bevor. Der CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder erklärte, er strebe eine Koalition mit der SPD an.

Das Landesparlament, dem aktuell 101 Abgeordnete angehören, wird alle fünf Jahre gewählt. Seit 1991 regiert in Rheinland-Pfalz ein Ministerpräsident oder eine Ministerpräsidentin aus den Reihen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Derzeitige Regierung

Seit 2016 regiert in Rheinland-Pfalz ein Bündnis aus SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE) und der Freien Demokratischen Partei (FDP). Bis Juli 2024 wurde die Koalition von der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer geführt – diese übergab die Amtsgeschäfte an ihren Parteikollegen Alexander Schweitzer. Bei den Interner Link: Landtagswahlen 2021 erreichte die SPD 35,7 Prozent der Stimmen. Die CDU kam auf 27,7 Prozent, die GRÜNEN auf 9,3 Prozent und die AFD auf 8,3 Prozent. Auch FDP (5,5 Prozent) und FREIE WÄHLER (5,4 Prozent) erreichten den Einzug in das Mainzer Landesparlament. Die Wahlbeteiligung lag mit 64,4 Prozent etwa 6 Prozent niedriger als bei der Wahl 2016.

So wurde gewählt

Wahlberechtigt sind deutsche Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und nicht ausdrücklich vom Stimmrecht ausgeschlossen sind. Sie müssen ihren Wohnsitz seit mindestens drei Monaten in Rheinland-Pfalz haben oder, sofern sie in der Bundesrepublik Deutschland keine Wohnung haben, sich gewöhnlich dort aufhalten. Die Altersgrenze für das passive Wahlrecht, also das Recht, gewählt werden zu können, liegt ebenfalls bei 18 Jahren. Die Wählerinnen und Wähler haben zwei Stimmen. Mit der „Wahlkreisstimme“ wählen sie je einen Wahlkreisabgeordneten oder eine Wahlkreisabgeordnete in den 52 Wahlkreisen. Mit der zweiten Stimme, der „Landesstimme“, wählen sie eine Landes- oder Bezirksliste. Für die Verteilung der Sitze auf die Parteien ist die Zweitstimme maßgeblich. Je mehr Stimmen die Liste einer Partei erhält, umso mehr Sitze bekommt sie. Es gilt eine Fünfprozenthürde. Der Bewerber oder die Bewerberin mit den meisten Wahlkreisstimmen zieht als direkt gewählter Abgeordneter bzw. Abgeordnete in das Parlament ein. Ihre Anzahl wird bei den jeweiligen Parteien der Zahl der gewählten Abgeordneten angerechnet. Die übrigen 49 Abgeordneten ergeben sich aus der Reihenfolge der nicht direkt gewählten Kandidatinnen und Kandidaten auf den Landes- und Bezirkslisten. Erringt eine Partei in den Wahlkreisen mehr Direktmandate als ihr an Sitzen gemäß der Landesstimmen zustehen würden, erhält sie sogenannten Überhangmandate. In diesem Fall erhöht sich die Gesamtzahl der Sitze um so viele sogenannte Ausgleichsmandate, wie erforderlich sind, um die Sitzverteilung nach dem Verhältnis der Landesstimmenzahlen der Parteien zu gewährleisten.

Interner Link: Mehr Informationen zum Wahlrecht in Rheinland-Pfalz finden Sie in unseren Fakten zur Landtagswahl 2026.

Demografie und Wirtschaft in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit rund drei Millionen Wahlberechtigte. Ende 2024 lebten in dem Flächenland 4,13 Menschen. Das sind so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie noch nie zuvor in der Landesgeschichte. Auch 2024 sind – wie in den Jahren davor – deutlich mehr Menschen gestorben als geboren worden. Es gab etwa 17.600 mehr Todesfälle als Geburten. Damit hat das Geburtendefizit den höchsten Wert seit der Gründung des Bundeslandes erreicht. Gleichzeitig sind mehr Menschen nach Rheinland-Pfalz gezogen als weggezogen, insgesamt etwa 22.100. Dieser Zuwanderungsüberschuss lag zwar deutlich unter dem Wert des Vorjahres, konnte das hohe Geburtendefizit aber dennoch ausgleichen. Die Bevölkerung in Rheinland-Pfalz war 2024 durchschnittlich 45,1 Jahre alt. Damit lag das Durchschnittsalter knapp über dem bundesweiten Mittelwert von 44,9 Jahren.

Interner Link: Rheinland-Pfalz ist nach dem Zweiten Weltkrieg als gänzlich neu zusammengefügtes Bundesland entstanden. Ihm gehören neben der einst bayerischen Pfalz unter anderem ehemalige preußische Rheinprovinzen an. Das Bundesland ist für seinen traditionsreichen Weinbau bekannt. In Rheinland-Pfalz befinden sich 63 Prozent der deutschen Rebflächen. Daneben prägen Konzerne mit Tausenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern – etwa das Chemieunternehmen BASF – aber auch kleinere und mittlere Unternehmen die dortige Wirtschaft. Der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung beträgt rund 25 Prozent. Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz ist 2024 das dritte Jahr in Folge geschrumpft.

Wer stand zur Wahl?

Zur Landtagswahl 2026 traten zwölf Parteien an. Einen ausführlichen Überblick finden Sie auf unseren Seiten Interner Link: „Wer steht zur Wahl?“. Vier Parteien gelang der Einzug in den Landtag. 2021 waren es sechs Parteien gewesen.

Die „Sozialdemokratisch Partei Deutschlands“ (SPD) betonte in ihrem Wahlprogramm die Bedeutung von Bildungsgerechtigkeit. Zentral ist aus Sicht der SPD hierfür die Verlässlichkeit der Kita-Betreuung und Lernmittelfreiheit. Die Zahl der sogenannten „Sprach-Kitas“, in denen ein besonderes Augenmerk auf frühkindliche sprachliche Bildung gelegt wird, will die SPD auf gut 1.000 in etwa verdreifachen. Stärkeres Wirtschaftswachstum will die SPD unter anderem durch Bürokratieabbau sowie die Ansiedlung von Innovationstechnologien wie Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz erreichen. Auch der Gesundheitspolitik räumt die SPD in ihrem Programm hohe Priorität ein. Spitzenkandidat der Partei ist Ministerpräsident Alexander Schweitzer.

Die „Christlich Demokratische Union Deutschlands“ (CDU) sprach sich in ihrem Wahlprogramm für ein verbindliches Vorschuljahr an Grundschulen aus. Eine „Grundschulgarantie“ soll Unterricht bis 14 Uhr sichern –mit kostenlosem Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung. Zugleich will die Partei mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen und diese besser bezahlen. Um die Wirtschaft zu stärken, setzen die Christdemokraten in Rheinland-Pfalz auf einen Abbau der Bürokratie und eine Stärkung der Gründungszentren. Die Energiekosten will die Partei über eine Bundesratsinitiative senken. Die CDU will Polizei und Justiz mit mehr Personal ausstatten. Spitzenkandidat ist der Fraktions- und Landesvorsitzende Gordon Schnieder.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE) setzte in ihrem Wahlprogramm auf vier große Themenblöcke: Nachhaltigkeit, Innovation, Gerechtigkeit und ein für alle „lebenswert“ gestaltetes Rheinland-Pfalz. Die Partei fordert, das Land müsse die erneuerbaren Energien weiter konsequent ausbauen. Photovoltaikanlagen sollten vor allem auf bereits versiegelten Flächen entstehen. Die Kommunen sollen laut Parteiprogramm künftig stärker vom Ausbau profitieren. Die Grünen wollen auch die Wärmewende voranbringen. Der Flächenverbrauch soll reduziert, vorhandene Gebäude umgebaut oder aufstockt und Wohnungsleerstand bekämpft werden. Spitzenkandidatin ist die rheinland-pfälzische Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder.

Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) sprach sich gegen Frauenquoten aus und will laut Wahlprogramm Mütter unterstützen, die teilweise oder vollständig zu Hause bleiben wollen. Die Partei plädiert in ihrem Programm für geringere Hürden für Volksentscheide und Bürgerbegehren. Die Polizei soll mehr Personal bekommen, die Außengrenzen durch eine landeseigene Grenzpolizei überwacht werden. Zudem steht die AfD für eine restriktive Asyl- und Migrationspolitik. Der Bundesverfassungsschutz beobachtet die AfD laut seinem Bericht für das Jahr 2024 als rechtsextremistischen „Verdachtsfall“. Auch der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz beobachtet die Partei, deren Volksverständnis „die Gleichheit aller Staatsangehörigen in Frage“ stelle. Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen AfD ist Landeschef Jan Bollinger.

Die „Freie Demokratische Partei“ (FDP) lag bereits in Umfragen seit Monaten stets unter der Fünfprozenthürde. Spitzenkandidatin ist die aktuelle Landeswirtschaftsministerin Daniela Schmitt. Die Partei fordert eine Stärkung des Mittelstands. Neben der Wirtschaft war der Partei laut ihrem Wahlprogramm die Bildung ein zentrales Anliegen. Unter anderem möchte die FDP den Unterricht noch stärker digitalisieren. Verkehrspolitisch zählen etwa die Sanierung und Erweiterung des Straßennetzes, aber auch die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs und der Erhalt des Deutschland-Tickets zu ihren Forderungen.

Die „FREIEN WÄHLER Rheinland-Pfalz“ (FREIE WÄHLER) haben ihren Fraktionsstatus im Laufe der Legislaturperiode nach dem Austritt von zwei Abgeordneten verloren und haben seitdem den Status einer parlamentarischen Gruppe aus vier Abgeordneten. Die Freien Wähler verstehen sich als Stimme der Kommunen. Sie fordern eine finanzielle Entlastung der Städte und Gemeinden. Unternehmensgründungen sollen durch zentrale digitale Strukturen erleichtert werden. Landwirtschaftliche Flächen wollen die FREIEN WÄHLER erhalten und die Weidetierhaltung durch eine Begrenzung des Wolfsbestands schützen.

„Die Linke“ war 2021 mit 2,5 Prozent der Stimmen noch deutlich an der Fünfprozenthürde gescheitert. Sie forderte im Wahlkampf den Bau von mehr Sozialwohnungen und eine größere Unterstützung von kommunalen und genossenschaftlichen Baugesellschaften. Krankenhäuser möchte die Partei entprivatisieren. Zudem fordert Die Linke einen kostenlosen ÖPNV.

Was waren die wichtigsten Themen im Wahlkampf?

Das zentrale Thema im Wahlkampf war Meinungsumfragen zufolge die Bildungspolitik, die von 25 bis 29 Prozent der Wählerinnen und Wähler als wichtigstes Thema im Land benannt wird. Während in der jüngsten Umfrage der Externer Link: Forschungsgruppe Wahlen das Themenfeld „Infrastruktur“ auf zweiter Stelle folgt, lag im Februar in einer Umfrage von Externer Link: Infratest dimap noch der Bereich „Zuwanderung/Flucht“ auf Platz zwei.

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