Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion | Birgit Frost am 06.02.2017

Lernumgebung „Zwangsarbeit 1939 – 1945“

In der neuen Online-Lernumgebung "Lernen mit Interviews: Zwangsarbeit 1939 – 1945" berichten sieben Überlebende in Videointerviews von ihrer Zeit als Zwangsarbeiter in der NS-Zeit. Das Bildungsangebot für Lernende ab 14 Jahren wird durch Hintergrundfilme, Zusatzmaterialien und interaktive Aufgaben ergänzt. Wie bewährt die Plattform sich im Unterricht?

Die neu entwickelte Online-Anwendung "Lernen mit Interviews" ist ein kompetenzorientiertes Unterrichtsangebot für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren.Die neu entwickelte Online-Anwendung "Lernen mit Interviews" ist ein kompetenzorientiertes Unterrichtsangebot für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren. (© Freie Universität Berlin, Center für Digitale Systeme, Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945")

Über 13 Millionen Menschen mussten zwischen 1939 und 1945 für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit leisten. Um die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten und die Funktionsweisen des Systems Zwangsarbeit darzustellen, hat die bpb in Kooperation mit der Freien Universität Berlin ein Dossier zum Thema veröffentlicht und stellt die von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" geförderte neue Lernumgebung "Lernen mit Interviews: Zwangsarbeit 1939 – 1945" vor. Sie ist ein Unterrichtsangebot für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren und beruht auf dem Interview-Archiv "Zwangsarbeit 1939 – 1945. Erinnerungen und Geschichte".

In der Online-Lernumgebung berichten sieben Überlebende in Videointerviews von ihren Erfahrungen in Zwangsarbeitslagern und Fabriken und ihrem Leben vor und nach dieser Zeit. Ein Beispiel ist Helena Bohle-Szacki, die über ihre Erlebnisse als deutsch-jüdische Polin während des Nationalsozialismus, ihre Zeit im Konzentrationslager und ihre spätere Emigration nach Deutschland berichtet. Detailliert und deutlich intensiver als eine rein schriftliche Dokumentation es vermag, schildert sie im Interview die Erlebnisse ihrer Familie – von den dunklen Zeiten wie der Ermordung der Schwester und der Erschöpfung durch die Arbeit im Lager, aber auch über die wenigen hellen Momente wie die intensive Freundschaft, die sie zu einer Mitgefangenen aufbaute.

Über die Videointerviews hinaus stehen zwei Hintergrundfilme über Zwangsarbeit und Entschädigung sowie über Oral History als Quelle zur Verfügung. Zusatzmaterialien und Aufgaben unterstützen ein forschendes Lernen und ermöglichen eine individuelle Auseinandersetzung mit einzelnen Aspekten des Themas. So hält die Lernumgebung weitreichende Informationen in Form einer Zeitleiste und eines eigens angelegten Lexikons mit Begriffen zum Thema Zwangsarbeit bereit. Außerdem beinhaltet sie zahlreiche Dokumente wie beispielsweise Auszüge aus Verordnungen, zeitgenössische Zeitungsartikel oder historische Bilder. Neben den thematischen Inhalten bietet die Plattform auch Methodentipps: Hier können Lernende zum Beispiel erfahren, was bei der Betrachtung eines historischen Bildes zu bedenken ist oder worauf bei der Analyse eines Interviews mit Zeitzeugen geachtet werden muss.

Die Lernumgebung "Zwangsarbeit 1939 – 1945" im Test

Bis zum 12. April 2017 haben Lehrende und pädagogische Fachkräfte die Lernumgebung "Zwangsarbeit 1939 – 1945" der Freien Universität Berlin für "Ausprobiert" getestet. Die Ergebnisse können Sie in Kürze hier nachlesen.


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Kommentare anderer Nutzer

Klaus D. Lubjuhn | 08.02.2017 um 12:24 [Antworten]

Zur didaktischen Reflexion

"Detailliert und deutlich intensiver als eine rein schriftliche Dokumentation es vermag, schildert sie im Interview die Erlebnisse ihrer Familie – von den dunklen Zeiten wie der Ermordung der Schwester und der Erschöpfung durch die Arbeit im Lager, aber auch über die wenigen hellen Momente wie die intensive Freundschaft, die sie zu einer Mitgefangenen aufbaute". ...
"Wir suchen ab sofort Lehrende oder pädagogische Fachkräfte, die die Lernumgebung "Zwangsarbeit 1939 – 1945" der Freien Universität Berlin für "Ausprobiert" testen"".

Die Reflexion darüber, was Jugendlichen von heute an Lernmaterial vorgegeben wird, welche Thematik, welche didaktische Intention, muss einen viel breiteren Raum bei solchen Medien- Angeboten einnehmen.
Gerade eine heterogene Schülerschaft als Lerngruppe fordert zu bes. didaktischer Sorgfalt heraus. Der Sozialisations-Hintergrund, mit dem gerade Schüler aus dem muslimischen Kulturkreis mit frischem Migrationshintergrund über das Thema Holocaust und - wie im vorliegenden Medienangebot - über das Thema Zwangsarbeit reflektieren, ist diamentral anders gelagert als bei Schülern aus der Mitte der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Deshalb sollte in der unterrichtlichen Praxis vor Ort nicht einfach drauf los "getestet" werden. "In der Online-Lernumgebung berichten sieben Überlebende in Videointerviews von ihren Erfahrungen in Zwangsarbeitslagern und Fabriken und ihrem Leben vor und nach dieser Zeit". Ist wirklich eine tiefe emotionale Verinnerlichung: “deutlich intensiver als eine rein schriftliche Dokumentation” mit der Gefahr unbeabsichtigter Nebenfolgen! angemessen, um einer jungen Generation im Deutschland des 21. Jh. Verantwortung für deutsche Geschichte des NS nahe zu bringen, aus ihr zu lernen Vgl. A. und J. Assmann? Vielleicht wird mein Einwand verständlicher nach der Lektüre: Marion Klein; Trauerimperativ: Jugendliche und ihr Umgang mit dem Holocaust -Denkmal, in: APuZ 42-42/2013, 14. Oktober 2013, S. 41 - 46.

Cord Pagenstecher | 09.02.2017 um 12:37 [Antworten]

Lernen mit Interviews - Kompetenzförderung

Mit den Materialien, Aufgabenvorschlägen und didaktischen Kommentaren in der Online-Anwendung "Lernen mit Interviews: Zwangsarbeit 1939-1945" wird gerade nicht auf eine Emotionalisierung gesetzt. Vielmehr geht es um eine quellenkritische und interaktive Auseinandersetzung mit den individuellen, in der Lernumgebung historisch kontextualisierten Erfahrungen der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Lernen mit Interviews hinterfragt individuelle Geschichtserzählungen als subjektive Quellen und fördert die Kompetenz, auch kollektive Erzählungen als Konstruktion zu begreifen.
Ob Schüler mit Migrationshintergrund grundsätzlich anders über nationalsozialistische Zwangsarbeit reflektieren als solche aus "der Mitte" wo ist die eigentlich? der deutschen Mehrheitsgesellschaft, war bei den bisherigen Erprobungen nicht festzustellen. Nicht wenige von ihnen haben Erfahrungen von Zwangsarbeit, Verfolgung, Barackenlagern in der Familiengeschichte. Viele sind interessiert an der Geschichte des Landes, in dem sie leben, reagieren aber empfindlich, wenn sie im Unterricht wiederholt als "Andere" ausgegrenzt werden. Gewiss ist noch mehr Reflektion über diese Fragen nötig. Wenn sich diese nicht auf unbegründeten Vorannahmen beschränken will, ist ein konkretes und reflektiertes Ausprobieren wie bei "werkstatt.bpb.de" unverzichtbar.


 

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