Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen


"Szenarien aus dem alltäglichen Leben"

Wie praxisnah sind die interaktiven Tafelbilder von HanisauLand? Regen sie zu Diskussionen über gesellschaftspolitische Themen im Klassenzimmer an? 18 Lehrende haben das Material getestet. Das Ergebnis haben wir hier zusammengefasst.

Interaktives Tafelbild zum KlimawandelDie interaktiven Tafelbilder von HanisauLand konnten die Lernenden zu Diskussionen anregen. (© Stefan Eling, www.HanisauLand.de, bpb)

Die interaktiven Tafelbilder von HanisauLand.de sollen Kindern und Jugendlichen anschaulich und altersgerecht gesellschaftspolitische Themen vermitteln. Sie sind ein kostenloses Angebot der Kinderseite der Bundeszentrale für politische Bildung, die sich an Nutzerinnen und Nutzer zwischen acht und 14 Jahren richtet. Die Tafelbilder sind für den Einsatz an Whiteboards gedacht und behandeln Themen wie Bundestagswahl, Nachhaltigkeit, Kinderrechte und Mobbing. Testen lassen haben wir drei davon: Cybermobbing, Klimawandel sowie Markt und Wirtschaft. Konzipiert ist das Material für die Klassenstufen 5 bis 8. Pro Thema gibt es zwischen fünf und elf Folien, die zwei bis vier Unterrichtsstunden abdecken sollen.

Vor allem für die Sekundarstufe I geeignet

18 Lehrende aus ganz Deutschland haben die interaktiven Whiteboard-Anwendungen in verschiedenen Lernsettings ausprobiert: an Grundschulen, Gesamtschulen, Realschulen, Förderschulen, Gymnasien sowie in Einrichtungen der außerschulischen Bildung. Beteiligt waren vor allem Lernende der Primarstufe und der Sekundarstufen I und II. Die Mehrheit der Lehrenden (67 Prozent) gab dabei an, das Material in der Sekundarstufe I eingesetzt zu haben. Das entspricht in etwa der Altersgruppe, an die sich das Material richtet. Eingesetzt wurde das Unterrichtsmaterial in diversen Fächern wie Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialkunde, Chemie und Sachunterricht sowie im Rahmen von Projekttagen, Wahlpflichtfächern und Thementagen.



Gute technische Umsetzung und ansprechende Grafik

Die technische Umsetzung des Materials bewertete ein Großteil der Lehrenden (63 Prozent) als gut, 25 Prozent stuften das Material als sehr gut ein. Auch die grafische Gestaltung wurde mehrheitlich positiv bewertet: 94 Prozent der Testenden empfanden die Gestaltung als ansprechend. Vereinzelt wurde kritisiert, dass die Grafiken zu "kleinteilig" und eher für Kinder als für Jugendliche geeignet seien. 82 Prozent der Testenden konnten das Material intuitiv und problemlos nutzen und 63 Prozent fanden die Benutzerfreundlichkeit gut. Einzelne Testende hätten sich jedoch mehr "Übersichtlichkeit" und eine "klare Navigation" gewünscht. Eine Testperson schlug die Verlinkung der altersgerechten Lexikonbeiträge innerhalb der Übungen als Zusatzfunktion vor.

Tafelbilder decken die Themenbereiche gut ab

Die Testenden konnten zwischen den Themen Cybermobbing, Klimawandel sowie Markt und Wirtschaft wählen, oder auch mehrere dieser Themenbereiche ausprobieren. Das populärste Thema war eindeutig Cybermobbing: 75 Prozent der Testerinnen und Tester setzten sich in der Klasse mit Diskriminierung im Netz auseinander. 38 Prozent der Lehrenden behandelten das Thema Markt und Wirtschaft im Unterricht, 25 Prozent beschäftigte sich mit dem Thema Klimawandel. 88 Prozent der Testenden fanden, dass Inhalte und Themen zu den Anforderungen des Lehrplans passen und ebenfalls 88 Prozent gaben an, dass die interaktiven Tafelbilder die Themenbereiche gut abdecken.

Schülerorientiertes und abwechslungsreiches Material

Positiv bewerteten Testende unter anderem, dass die Tafelbilder "umfangreich, materialreich, abwechslungsreich" sowie "schülerorientiert" seien. Andere Stimmen gaben an, dass das Material "einen guten Einstieg" bilde und "eine ausreichende didaktische Reduktion" gelungen sei.

Kritisiert wurde dagegen, dass die Tafelbilder nur einen kleinen Ausschnitt des jeweiligen Themas zeigten, der noch "vertieft" und "weiter aufgearbeitet" werden müsse. Einigen Testerinnen und Testern fehlten zudem unter anderem Hintergrundinformationen, konkrete Übungen, Rollenspielideen und weitere Praxisbeispiele.

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Einsatzbeispiele aus der Praxis – so können die interaktiven Tafelbilder von HanisauLand.de im Unterricht verwendet werden:

  1. In den Unterrichtsfächern Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialkunde sowie Religion

  2. In den Fächern Chemie, BNT (Biologie, Naturphänomene und Technik), Sachkunde

  3. In außerschulischen Lernsettings, bspw. Vereinen, (kirchlichen) Jugendgruppen

  4. Im Rahmen der Themenbereiche Verbraucherbildung, Natur, Technik, Umwelt, soziales Miteinander, Mobbing, Medienkompetenz und Prävention, Ernährung, Tiere und Pflanzen

  5. Als fächerübergreifende Medienerziehung

  6. Im Rahmen einer Olweus-Unterrichtseinheit (Präventionsprogramm gegen Mobbing nach dem norwegischen Psychologen Dan Olweus).

  7. Beim Thema Cybermobbing: Anlassbezogen oder als ergänzendes Angebot zum Beispiel zum Schuljahresschluss

  8. Mit der gesamten Klasse oder in kleinen Gruppen, die selbstständig Inhalte erarbeiten

  9. Als Einstieg in ein größeres Thema

  10. Bezogen auf das Format: im Unterricht, in der Klassenratsstunde, im Rahmen von Projekt- und Thementagen, im Förderunterricht, im Wahlpflichtfach, in der Verfügungsstunde


Aufgaben sind relevant, aber nicht immer differenziert genug

82 Prozent der Testerinnen und Tester waren der Meinung, dass die Aufgaben für ihre Lerngruppe relevant seien und 69 Prozent bewerteten die Aufgaben insgesamt als gut. Eine Person merkte an, dass die Aufgaben Förderschülerinnen und -schülern Probleme bereiten könnten. Die Testpersonen wünschen sich außerdem bisweilen "ausführlichere", "differenziertere" oder "tiefergehende Aufgabenstellungen", mehr Anregungen für "kreative" und "experimentelle" Aufgaben, sowie "mehr Selbstreflexionsaufgaben".

Tafelbilder regen Diskussionen an

Das Lernpotenzial des Unterrichtsmaterials schätzten viele Testpersonen positiv ein: 77 Prozent waren der Auffassung, dass die Tafelbilder Lernmöglichkeiten eröffnen, die durch andere Medien nicht oder nur schwer umsetzbar wären. Als Begründung geben die Testenden zum Beispiel an, dass das Material "interaktiv" und "somit vielseitiger" als andere Medien ist, dass damit eine "hohe Motivation" und "Neugier" generiert werden kann und dass es einen direkten Zugang zu Links und Videos gibt. Eine Mehrheit (92 Prozent) war zudem der Meinung, dass das Material zu Reflexion und Diskussionen zwischen den Lernenden anregt. Gründe dafür sind, dass das Material "ansprechend und leicht verständlich" ist und dass es "Szenarien aus dem alltäglichen Leben der Schüler" aufgreift. Mehr als die Hälfte der Testpersonen (62 Prozent) hatte den Eindruck, dass die interaktiven Tafelbilder die Fähigkeit fördern, eigene Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. 46 Prozent gaben an, dass dies nicht der Fall sei, weil zum Beispiel "erst differenzierte Aufgaben gestellt werden müssen".

Das Urteil der Lernenden

Ein Großteil der Lehrenden (69 Prozent) schätzte, dass die Schülerinnen und Schüler das Material als gut bewerten würden. 15 Prozent gingen davon aus, dass die Lernenden die Tafelbilder immerhin als zufriedenstellend einstufen würden. Gelobt wurden unter anderem die ansprechende Optik, die Filme und die "schöne Umsetzung". Teilweise waren die Lernenden "begeistert" und fanden das Material "interessant" und "amüsant". Kritische Stimmen meinen, dass Schülerinnen und Schüler mit den Aufgaben teilweise unterfordert waren und die Tafelbilder "etwas albern" oder "zu kindlich" fanden.

Das Urteil der Lehrenden

Insgesamt bewerteten 79 Prozent der Testerinnen und Tester die interaktiven Tafelbilder als gut. 93 Prozent gaben an, dass sie das Material wieder im Unterricht einsetzen würden, weil es "anschaulich und leicht verständlich" ist, weil "die Themen wichtig sind" und sich gut für die Sekundarstufe I eignen oder weil allgemein "interaktives Lernen die Motivation der Schüler erhöht". Andere Testpersonen gaben an, dass das Unterrichtsmaterial zwar "ein guter Einstieg" sei und "eine gute Richtung" gäbe, allerdings müsse man selbst viel zusätzliches Material entwerfen.


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