Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

"Deutsch-deutsches Bilder-Pingpong" | bpb.de

"Deutsch-deutsches Bilder-Pingpong"

Filmhistoriker Matthias Steinle erläutert die Grundzüge des deutsch-deutschen Kalten Kriegs im Kino. Insbesondere die ostdeutsche Seite bezog sich ab 1947 stets auf die westdeutsche Konkurrenz.

Inhalt

Während die DDR gegen den Wiederaufbau in der Bundesrepublik Deutschland polemisierte, straften die bundesdeutschen Dokumentarfilmer die DDR häufig durch Nichtachtung. Dennoch aber war das jeweils andere Deutschland immer präsent, auch dort, wo es nicht explizit genannt wurde. Einige dieser Bilder überlebten den Kalten Krieg: Die in West-Berlin schlangestehenden Menschen aus der DDR werden in der gleichen Ästhetik abgebildet, wie dies zur Charakterisierung des Mangels in der DDR üblich war. Der Marburger Medienwissenschaftler Steinle skizziert die Elemente dieses "Bilder-Pingpongs".

Das Interview entstand im Rahmen des Berlinale-Workshops „Selling Democracy – Winning the Peace“ vom 14. Februar 2005 bis 17. Februar 2005.

Transkript

"Der Kalte Krieg im Film über die andere Seite lässt sich relativ gut datieren. Und zwar fängt er an bei der DEFA mit Randbemerkungen, kleinen Seitenhieben ab 1947. Auf westlicher Seite ist es schwerer, weil da auch in der Wochenschau zunächst die SBZ und dann die DDR eher ignoriert wurde. Mit Filmen wie "Zwei Städte" über Stuttgart und Dresden, in dem der Wiederaufbau nur in Stuttgart stattfand - da wird dann richtig heftig gefochten. Zunächst mal ist wichtig, dass die Bilder immer auch Gegenbilder waren. Also, ob es die DDR in der Bundesrepublik oder die Bundesrepublik in der DDR war - der andere Teil Deutschlands war immer präsent, ob das jetzt in Parolen war oder in Form von Verwandten, die man nicht mehr besuchen konnte. Die Bilder, die man dann in Filmen gemacht hat, gingen immer mit den Klischees um, ob es jetzt explizit war im Sinne von Gegenpropaganda oder implizit, indem man gezeigt hat, wie der eigene Aufbau funktioniert. Also vielleicht ein Beispiel für die Gegenpropaganda: Wenn man den Film "Der Weg nach oben" nimmt mit der Einstellung, die das Essen an der Würstchenbude als Symbol des Mangels zeigt, was auch nur der Kommentar vermittelt und dazu das Äquivalent von dem Film "Zwei Städte", bei dem die Aufbau-Tombola dann zum Inbegriff des Aufbaus wird. Die Vorwürfe der einen Seite wurden aufgenommen und praktisch zurückgeschickt, also so eine Art "Bilder-Pingpong", das da stattfand.

Es kommt dann zum Teil, was ganz spannend ist, auch zu einer Umwertung. Es gibt einen Film aus dem Jahr 1968 "Potsdam heute". Der zeigt eine Menschenschlange - das typische Klischee für DDR-Mangelwirtschaft. Nur erklärt dieser Film, dass das daran liegt, dass heute Freitag ist und Samstag haben alle frei. Und nach dem Fall der Mauer findet man dann die Klischees aus dem Kalten Krieg wieder. Das heißt Menschenschlangen. Jetzt allerdings nicht mehr in der DDR, sondern vor westdeutschen Läden nach Bananen. Und das Spannende daran ist, dass diese Schlangen auch genau in der Ästhetik des Kalten Krieges gefilmt werden. Also lange Kamerafahrt an den Schlangen entlang und damit praktisch wieder die DDR in der Sicht des Kalten Krieges dargestellt wird."

Mehr Informationen

  • Produktion: 2005

  • Spieldauer: 3 Min.

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung

Lizenzhinweise

Dossier zur Thematik