Inhaltsbeschreibung
Die Ideale, Werte und Lebensstile der westlichen Moderne stoßen – global betrachtet –- mehr denn je auf Ablehnung, teils sogar Feindschaft: Autoritäre werfen dem Westen Dekadenz vor, andere prangern Doppelzüngigkeit, Überheblichkeit oder Verantwortungslosigkeit an. Aber auch innerhalb westlicher Gesellschaften findet sich eine wachsende Zahl Unzufriedener. In einer von Krisen und Kriegen geschüttelten Gegenwart fühlen sich viele in ihren Zukunftserwartungen enttäuscht. Worin gründen solche Haltungen von Zurückweisung der Moderne und teils wütend zum Ausdruck kommender Frustration?
Detlef Pollack verweist auf eine wachsende Kluft zwischen den Erfahrungen und Erwartungen der Einzelnen: Menschen, so Pollack, nähmen die Errungenschaften der Moderne – Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Wohlstand, Frieden und Teilhabe – als selbstverständlich hin und bewerteten die Gegenwart allein nach ihren vermeintlichen oder tatsächlichen Defiziten. Zugleich aber werde die progressive, dynamische Gestaltungskraft der Moderne von vielen bezweifelt oder negiert und die Zukunft in düsteren Farben gezeichnet. Pollack erinnert an die Wurzeln der westlichen Moderne, in deren Errungenschaften und Idealen wegen der Möglichkeit, sie zu missbrauchen, unvermeidlich auch Fehlentwicklungen und Irrwege bis hin zu Exzessen angelegt seien. Doch eben diese Moderne habe das größtmögliche Potenzial, widerstreitende Interessen auszuhalten, Irrtümer zu korrigieren, Konflikte zu moderieren und so als demokratische Gesellschaften zukunftsfähig zu bleiben.