Inhaltsbeschreibung
Die Frage nach der Bedeutung von Nutztieren für Ernährung und Landwirtschaft wird kontrovers diskutiert. Cornelie Jäger, Veterinärmedizinerin und jahrelang Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg, wendet sich nicht gegen vegetarische oder vegane Ernährungsformen. Vielmehr fragt sie nach Auswirkungen der Tierhaltung auf Böden, Biodiversität, Klima und Lebenschancen hierzulande, aber auch im globalen Süden. Dort seien Nutztiere wichtiger Bestandteil der Ernährung, zudem trage vielfach der Verkauf tierischer Produkte zum Lebensunterhalt bäuerlicher Familien bei.
Jäger plädiert für einen deutlich reduzierten Fleischkonsum und für eine an Stoffkreisläufen ausgerichtete Landwirtschaft einschließlich maßvoller Tierhaltung. In einer solchen begünstige die extensive Haltung von Wiederkäuern die Entstehung neuer Biotope, diene damit zugleich der Artenvielfalt und dränge den Einsatz von Kunstdünger zurück. Ein artgerechter, wertschätzender Umgang mit Nutztieren, der industrielle Haltungsformen ausschließe, könne zudem Stoffkreisläufe verbessern und Ressourcen sparen. Mit durchdachten Fruchtfolgen in Kombination mit Beweidung lasse sich – vor allem im ökologischen Landbau – die Bodenregeneration fördern und die Co2-Speicherfähigkeit der Böden verbessern. Nutztiere sollten zudem, so Jäger, dergestalt ernährt werden, dass angesichts der weltweit begrenzten Ressourcen Wasser und Boden der Anbau von Futtermitteln für sie nicht in Konkurrenz zur Erzeugung von Nahrung für Menschen trete.