Inhaltsbeschreibung
Seit dem Beginn des modernen ökonomischen Denkens spielten Annahmen über soziale Ungleichheit darin eine zentrale Rolle. Diese waren, so der Ökonom und Ungleichheitsforscher Branko Milanović, einerseits durch die gesellschaftlichen Umstände ihrer Zeit geprägt, beeinflussten andererseits aber auch die gesellschaftlichen Vorstellungen, mit denen Ungleichheit erklärt und bewertet wurde.
Ausgehend von den Physiokraten im 18. Jahrhundert zeigt der Autor, wie sich das Denken über Klassenverhältnisse und Einkommensverteilung innerhalb der ökonomischen Theorie im Laufe der Jahrhunderte veränderte. Anhand ausgewählter Ökonomen – François Quesnay, Adam Smith, David Ricardo, Karl Marx, Vilfredo Pareto und Simon Kuznets – werden die jeweiligen Deutungen ökonomischer Ungleichheit im Kontext ihrer Zeit nachgezeichnet. Deutlich wird, wie unterschiedlich die Ursachen, Dynamiken und gesellschaftlichen Folgen von Ungleichheit interpretiert wurden: von der Annahme einer natürlichen Verteilungsordnung über die einer Klassengesellschaft, die sich primär über verschiedene Einkommensquellen differenziert, bis hin zu statistischen Modellen, die Ungleichheit zwischen Individuen betrachten und soziale Mobilität in den Fokus rücken.
Der Autor zeigt, dass das Interesse an Ungleichheit historischen Konjunkturen unterliegt. So sei das Thema während des Kalten Krieges weitgehend aus der ökonomischen Diskussion verschwunden, habe in jüngerer Vergangenheit jedoch wieder eine deutliche Aufwertung erfahren.