Inhaltsbeschreibung
In der deutschen Demokratie soll politische Bildung die Identifikation mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung fördern und zur politischen Mitarbeit gleichermaßen einladen wie befähigen. Tim Schanetzky arbeitet die Entwicklungslinien politischer Bildung in Deutschland seit 1945 heraus, die mit Maßnahmen der Re-Education durch die Westalliierten und unter dem Eindruck der Verbrechen des NS-Regimes ihren Anfang nahm. Er zeichnet, insbesondere am Beispiel der 1952 gegründeten Bundeszentrale für politische Bildung, das Ringen zahlreicher Akteure um einen demokratischen Neuanfang nach, schaut auf die Wirkungen personeller Kontinuitäten nach der Gründung der Bundesrepublik und skizziert eine Vielzahl interessegeleiteter politischer Einflussnahmen.
In den folgenden Jahrzehnten prägten die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, die Systemkonkurrenz mit dem Ostblock, der Kalte Krieg, die im Terrorismus gipfelnden gesellschaftspolitischen Spannungen der 1960er- und 1970er-Jahre, der immer wieder auflebende Antisemitismus und die offene deutsche Frage die Konjunkturen politischer Bildung und ihre Ausrichtung. Politische Bildung, so legt Schanetzky nahe, bleibt auch in der Gegenwart im Spannungsfeld politischer Interessen wie neuer gesellschaftlicher Herausforderungen verortet. Dabei seien ihre Bedeutung und ihr Potenzial für die Bewahrung der Demokratie und des Rechtsstaates in Zeiten, in denen autoritäre, extreme, demokratie- und menschenfeindliche Kräfte an Zulauf gewinnen, kaum zu überschätzen.