Inhaltsbeschreibung
Der Lagerkomplex Auschwitz war aus vielen Gründen einzigartig innerhalb des nationalsozialistischen Lagersystems. Das Stammlager diente als Quarantäne- und Durchgangslager sowie als Konzentrationslager für Strafgefangene und Zwangsarbeiter. Ab 1941 wurden das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und das Arbeitslager Monowitz zur systematischen Ausbeutung von Häftlingen als Zwangsarbeiter durch die I.G. Farben AG und andere Industriebetriebe errichtet. Das Ineinandergreifen von deutscher Herrschaftsentfaltung, Umsetzung des rassenideologischen Vernichtungswillens und wirtschaftspolitischen Interessen der deutschen Industrie zeichnete Auschwitz aus. In der Nachkriegszeit war der Ortsname Auschwitz in Deutschland nahezu unbekannt. Inzwischen ist die komplexe Geschichte von Auschwitz in allen ihren Aspekten sehr gut erforscht.
Ernst Piper legt hier die erste umfassende monografische Studie vor, die einen Überblick über den Forschungsstand gibt. Themen des Buches sind u.a. die imperialistische Eroberung von „Lebensraum im Osten“, die Entstehung des KZ-Systems und die Sonderstellung von Auschwitz, die enge Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie, der Holocaust im Kontext der nationalsozialistischen Massenverbrechen, der Zusammenhang zwischen „Euthanasie“ und Holocaust, die Rolle der Alliierten, die Zeitzeugenliteratur, die Auschwitz einen dominierenden Platz in der Erinnerungskultur sichert, die Strafverfolgung der NS-Kriegsverbrechen nach dem Krieg, die widerstreitenden Opfernarrative, die die Rezeption der Geschichte von Auschwitz stark geprägt haben, und der Umgang mit dem Erinnerungsort Auschwitz nach dem Ende der Zeitzeugenschaft.