Inhaltsbeschreibung
Der Nahostkonflikt ist geprägt von Gewalt, wechselseitigem Misstrauen und immer wieder gescheiterten Bemühungen, ihn beizulegen. Doch warum erweist es sich als so ungeheuer schwierig, einen Kompromiss zu finden, und weshalb scheitern selbst wohlüberlegte Lösungsansätze? Der Wissenschaftshistoriker José Brunner stellt nicht nationale Interessen oder religiös-ideologische Differenzen ins Zentrum seiner Betrachtung, sondern die kollektiven Emotionen, die die israelische wie die palästinensische Gesellschaft prägen. Er zeigt, wie Traumata, Ressentiments und Opfergefühle auf beiden Seiten eine Eskalationsspirale in Gang halten, die durch Verhandlungen kaum zu durchbrechen sei.
Brunner zufolge müssten Israelis und Palästinenser lernen, das Leid des jeweils anderen wahrzunehmen und in ihr eigenes Fühlen einzubeziehen. Ein nachhaltiger Frieden sei nur möglich, wenn sich nicht nur die Art des Denkens, sondern auch die des (Mit-)Fühlens ändere: Misstrauen und Feindbilder müssten sukzessive verlernt werden, um Raum für Dialog und wechselseitige Anerkennung zu schaffen.
Der Autor greift auf Erfahrungen im Kontext seines Engagements in zivilgesellschaftlichen Initiativen zurück. Er entwirft keinen ausgearbeiteten Friedensplan, sondern analysiert die psychischen Mechanismen, die den Konflikt antreiben, ihn potenziell aber auch entschärfen könnten. Brunner macht deutlich: Wer politische Lösungen wolle, müsse auch die emotionalen Realitäten berücksichtigen – und nach Wegen suchen, konstruktiv mit diesen umzugehen.