Inhaltsbeschreibung
Wer trägt die größte Last bei der Staatsfinanzierung – und wer profitiert von den Regeln des Steuersystems? Anhand der Besteuerung von Einkommen, Vermögen und Unternehmen zeigt die Wirtschaftswissenschaftlerin und Juristin Julia Jirmann, wie politische Entscheidungen Belastungen verschieben und welche Interessen sich dabei durchsetzen können. Im Zentrum steht die Diagnose eines Systems, das weniger leistungsorientiert ist, als es für sich in Anspruch nehme: Hohe Vermögen und große Unternehmensgewinne würden effektiv oft niedriger belastet als mittlere Arbeitseinkommen – nicht trotz, sondern wegen komplexer, politisch gesetzter Regelungen.
Jirmann legt dar, wie die öffentliche Debatte häufig um einzelne Steuersätze kreise, während die maßgeblichen Verteilungswirkungen im Geflecht aus Ausnahmen, Bewertungsregeln und Sondertatbeständen entstünden. Diese Struktur bestärke bestehende Ungleichheiten, indem sie Kapitalanhäufung begünstige und abhängige Beschäftigung sowie Sorgearbeit benachteilige. Steuerpolitik erscheine damit nicht als rein technische Frage staatlicher Finanzierung, sondern auch als ein wesentlicher Hebel gesellschaftlicher Macht- und Verteilungsordnung.