Meine Merkliste

Aus russischen Blogs: Brexit

Russland-Analysen Memorial (16.12.2021) Von der Redaktion: Frohes Fest! Dokumentation: Friedensnobelpreisrede von Dmitrij Muratow dekoder: Memorial Dokumentation: Anträge der Staatsanwaltschaften Interview: Irina Scherbakowa Interview: Swetlana Gannuschkina Kommentar: Die Büchse der Pandora Dokumentation: Der Menschenrechtsrat ist besorgt Dokumentation: Kommentar von Wladimir Putin zu Memorial Kommentar: Wendejahre Kommentar: Angriff des Kreml auf Memorial Kommentar: "Der Westen" als Gefahr für Russlands innere Sicherheit Kommentar: Déjà-vu Kommentar: Memorial als geschichtswissenschaftlicher Akteur Kommentar: Ein Refugium der Freiheit wird zerstört Kommentar: Die Instrumente des Europarats Kommentar: Memorial im Nordkaukasus Kommentar: Einsatz für Religions- und Gewissensfreiheit Kommentar: Ist das russische "Ausländische-Agenten"-Gesetz reformierbar? dekoder: Schlag gegen Deutschland Notizen aus Moskau: Memorial und die Hoffnung Dokumentation: Fokus Memorial der Zeitschrift OSTEUROPA Dokumentation: Stellungnahmen zur drohenden Auflösung von Memorial Chronik: Covid-19-Chronik, 16. November – 03. Dezember 2021 Chronik: 15. November – 03. Dezember 2021 Erdgashandel (24.11.2021) Analyse: Der deutsch-russische Erdgashandel. Chronik: Covid-19-Chronik, 01. – 13. November 2021 Chronik: 01. – 12. November 2021 Sozialverantwortung und Klima in der Landwirtschaft (10.11.2021) Analyse: Landwirtschaftliche Betriebe in Russland für unternehmerische Sozialverantwortung Analyse: Wird die russische Landwirtschaft vom Klimawandel profitieren? Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Oktober 2021 Chronik: 11. – 29. Oktober 2021 Duma- und Regionalwahlen (01.10.2021) Analyse: Die Dumawahlen 2021 und das zunehmend hegemonial-autoritäre Regime in Russland Analyse: Alexej Nawalnyj, "Smart Voting" und die Wahlen zur russischen Staatsduma 2021 Kommentar: Wahlen in der "Protestregion" Chabarowsk in Online- und sozialen Medien dekoder: Die Evolution der Duma Notizen aus Moskau: Wird (all)es nach den Wahlen wieder besser? Chronik: Covid-19-Chronik, 13. – 26. September 2021 Chronik: 13. – 26. September 2021 Wirtschaftliche Schocks (24.06.2021) Analyse: Die Wirtschaft der "Festung Russland" Analyse: Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Corona-Krise  Chronik: Covid-19-Chronik, 03. – 30. Mai 2021 Chronik: 17. Mai – 10. Juni 2021 Arktis (31.07.2021) Editorial: Sommerpause, на дачу Analyse: Arktische Visionen: Die sowjetische Expansion nach Norden Analyse: Russlands Arktis-Strategie bis 2035 – Große Pläne und ihre Grenzen Analyse: Der russische Vorsitz im Arktischen Rat: Prioritäten und Implikationen für den Hohen Norden Russlands Kommentar: Russlands arktischer Balanceakt Dokumentation: Russland und die Arktis: Eine Auswahl aktueller Publikationen Chronik: Covid-19-Chronik, 14. Juni – 17. Juli 2021 Chronik: 16. Juni – 18. Juli 2021 Duma-Wahlen/Repressionen (08.06.2021) Kommentar: Duma-Wahlen 2021 Kommentar: Informationskriege, Oppositionskoordination und die Dumawahl im Jahr 2021 Kommentar: Wird das Putin-Regime überleben? Kommentar: Vorbereitung auf die Parlamentswahlen 2021 Kommentar: Elektronische Stimmabgabe Kommentar: Bedingungen der Wahlbeobachtung Kommentar: Die wirtschaftlichen Folgen autoritärer Politik Kommentar: Michail Mischustin als ambitionierter "Systemadministrator" des Putinismus Kommentar: Bürger:innen und der starke Mann: Erwachen, soziale Klassen und sozialer Niedergang in Russlands Autokratie Kommentar: Fear and Loathing in Russia: Repressionen als Herrschaftsinstrument des Kremls Kommentar: Ausländische-Agenten-Gesetz vor der Duma-Wahl 2021 ausgeweitet Kommentar: Schrumpfende Freiräume für Russlands Medien Kommentar: Russland drosselte Twitter, um Inhalte zu zensieren dekoder: "Hätten wir eine andere Wahl gehabt? Nein." Dokumentation: Repressive Gesetze, die von Wladimir Putin am 30. Dezember 2020 unterzeichnet wurden Dokumentation: April-Chronik der Repressionen: Der Journalist Ilja Asar hat Buch geführt Umfragen: "Haben Sie Angst vor…?" Umfrageergebnisse des Lewada-Zentrums Dokumentation: Hat der Protest einen Anführer? Wie stehen die Protestierenden zu Nawalnyj? Dokumentation: Russische Online-Zeitung Meduza kämpft ums Überleben Dokumentation: Amnesty International: Die Polizei identifiziert friedliche Demonstrierende mit Gesichtserkennungstechnologie Dokumentation: Human Rights Watch: Der Fall des Menschenrechtsanwalts Iwan Pawlow und neue repressive Gesetze Dokumentation: Stellungnahmen zum Beschluss der russischen Generalstaatsanwaltschaft, deutsche Nichtregierungsorganisationen als in Russland unerwünschte Organisationen zu erklären Chronik: 3. – 14. Mai 2021 Atomenergie / Die Botschaft des Präsidenten (14.05.2021) Analyse: Zum 35. Jahrestag von Tschernobyl Analyse: Russische Reaktoren und russischer Atommüll Analyse: Putins Botschaft an die Föderalversammlung dekoder: Warum Putin dem Volk nichts mehr zu sagen hat Chronik: Covid-19-Chronik, 12. April – 02. Mai 2021 Chronik: 13. April – 01. Mai 2021 60 Jahre Gagarin: Raumfahrt / Das russische Strafvollzugssystem (19.04.2021) dekoder: Juri Gagarin dekoder: Raumfahrtprogramm der UdSSR Analyse: Russland im Weltraum: Die 2020er Jahre Analyse: Russlands internationale Raumfahrtstrategie Analyse: Das Strafvollzugssystem der Russischen Föderation Chronik: Covid-19-Chronik, 15. März – 11. April 2021 Chronik: 17. März – 09. April 2021 Übersterblichkeit (27.03.2021) Analyse: Die Übersterblichkeit macht den wahren Opferzoll deutlich Analyse: Russlands Geografie und die Ausbreitung von Covid-19 Analyse: Die Pandemie in Russlands Föderationssubjekten: Gründe für die unterschiedliche Mortalität dekoder: "Die russische Propaganda hat sich selbst besiegt" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. März 2021 Chronik: 1. – 10. März 2021 Stadtentwicklung/Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen (09.03.2021) Analyse: Ausdehnung des Moskauer Wohnraumsanierungsprogramms Analyse: Urbaner Aktivismus in Russland dekoder: Das Moskau-Experiment Dokumentation: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Chronik: Covid-19-Chronik, 15. – 28. Februar 2021 Chronik: 16. – 27. Februar 2021 Digitale Diplomatie (19.02.2021) Analyse: Russlands digitale Diplomatie Analyse: Mittel und Zweck von Public Diplomacy Kommentar: Zusammenarbeit chinesischer und russischer Medien dekoder: "Schau mich gefälligst an!" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. Februar 2021 Chronik: 1. – 14. Februar 2021 Söldner im Dienst von Russland / Elite-Ranking 2020 / Proteste nach Nawalnyjs Rückkehr (08.02.2021) Söldner im Dienst autoritärer Staaten Analyse: Russische PMCs im Nahen Osten und Afrika Kommentar: Die "Wagner-Affäre" in Belarus und ihre Folgen Kommentar: Geopolitik, Waffen, Erdöl: Was Russlands Präsenz in Venezuela bedingt Karte: Söldner im Dienst von Russland Ranking: Das Elite-Ranking der "Nesawisimaja gaseta" Ranking: Die politische Elite im Jahre 2020: Regierungswechsel, Covid-19-Pandemie und Verfassungsreform dekoder: Russlandweite Proteste – wie nervös macht Nawalny den Kreml? dekoder: Nawalnys Schlusswort: "Einen einsperren, um Millionen einzuschüchtern" Notizen aus Moskau: Von 2011 zu 2021. Zehn Jahre danach. Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Januar 2021 Chronik: 11. – 31. Januar 2021 Visadialog zwischen der EU und Russland (21.01.2021) Analyse: Die Visumpflicht in den EU-Russland Beziehungen Analyse: Perspektiven des Visa-Dialogs zwischen der EU und Russland Kommentar: Visafreiheit für russische Jugendliche Kommentar: Illegale Passportisierungspolitik im Donbas Kommentar: Mit Visafreiheit Brücken in Krisenzeiten schlagen dekoder: Arbeitsmigration in Russland Chronik: Covid-19-Chronik, 30. November 2020 – 10. Januar 2021 Chronik: 3. Dezember 2020 – 9. Januar 2021 Die deutsch-russischen Beziehungen nach den Wahlen (15.10.2021) Analyse: Die Bundestagswahl und die deutsch-russischen Beziehungen Analyse: Chancen für eine neue Russlandpolitik nach der Bundestagswahl Kommentar: Die deutsche Russlandpolitik und das russische Gesetz über "ausländische Agenten" Dokumentation: Ausgewählte Publikationen über die deutsch-russischen Beziehungen Dokumentation: Vorschläge und Empfehlungen zu den EU-Russland-Beziehungen dekoder: Novaya Gazeta dekoder: Muratows Krawatte und der Friedensnobelpreis Chronik: Covid-19-Chronik, 27. September – 09. Oktober 2021 Chronik: 28. September – 08. Oktober 2021 30 Jahre Zerfall der Sowjetunion – Generationen (20.09.2021) Kommentar: Nur ein Menschenleben lang Kommentar: Staatenlosigkeit nach dem Zusammenbruch der UdSSR Kommentar: Der Generationenaspekt beim Zusammenbruch der Sowjetunion Kommentar: Dreißig Jahre Transformation des russischen Hochschulwesens Kommentar: Die Jugend und die Generationen im postsowjetischen Russland: Kommentar: Unternehmerinnen in Russland Notizen aus Moskau: 30 Jahre umsonst? dekoder: Das Licht einer enttäuschten Hoffnung dekoder: Misstrauen auf allen Ebenen Chronik: Covid-19-Chronik, 02. August – 12. September 2021 Chronik: 05. – 12. September 2021 Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Von der Redaktion: Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Kommentar: Die Minsker Vereinbarungen als Chance? Kommentar: (Keine neuen) Erkenntnisse gewonnen Kommentar: Alles auf Status. Russlands riskantes Kriegsspiel mit (in) Europa Kommentar: Russlands Motive Kommentar: Die Gründe für Russlands Vorschläge Kommentar: Würde Putin vom eigenen Volk für eine Invasion in die Ukraine abgestraft werden? Kommentar: Kriegsoptimismus im Russland-Ukraine-Konflikt: Grund zum Pessimismus? Kommentar: Desinformation: ein hoch aktuelles Konzept aus dem letzten Jahrhundert Kommentar: Die Russland-Ukraine Krise: Wo steht Deutschland? Kommentar: Russlands Passportisierung des Donbas: Von einer eingeschränkten zu einer vollwertigen Staatsbürgerschaft? Kommentar: Die OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine: Wunsch und Wirklichkeit Umfragen: Meinungsumfragen zu den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Chronik: 01. – 20. Februar 2022 Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Editorial: Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Die sozialen Sorgen der Bevölkerung in der politischen Rhetorik Kommentar: Das Verhältnis zwischen dem Zentrum und den Regionen in der Rhetorik des russischen Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Nationalitätenpolitik: Russländische Nation versus russisches Volk? Kommentar: Russland entdeckt die Energiewende: Ein Sonderweg zur Dekarbonisierung? Kommentar: Die Ukraine in der Rhetorik russischer Präsidenten und der Staatsduma Chronik: 17. Januar 2022 – 29. Januar 2022 Wirtschaftsbeziehungen im Fernen Osten Analyse: Die Bedeutung des russischen Fernen Ostens für die Asien- und Pazifik-Politik Russlands Chronik: Covid-19-Chronik, 06. – 24. Dezember 2021 Chronik: 06. Dezember 2021 – 15. Januar 2022

Aus russischen Blogs: Brexit

/ 8 Minuten zu lesen

Das überraschende Ergebnis des Referendums in Großbritannien ist auch in Russland ein zentrales Thema. Es gibt weder Panik noch Jubel über einen möglichen Austritt der Briten aus der EU, sondern eine nüchterne Debatte über die Zukunft der EU und deren Verhältnis zu Russland.

Der russische Präsident Putin kurz vor einem Gespräch mit dem englischen Premierminister David Cameron auf dem G20 Gipfel von Antalya. (© picture-alliance/dpa)

Präsident Wladimir Putin reagiert zurückhaltend auf die Nachrichten aus dem Vereinigten Königreich, obgleich er den Journalisten am 24. Juni bei einer Pressekonferenz in der usbekischen Hauptstadt Taschkent versichert, der Kreml würde die Entwicklungen hinsichtlich eines möglichen EU-Austritts Großbritanniens mit Aufmerksamkeit verfolgen. Der Beauftragte des Präsidenten für Unternehmerrechte und Vorsitzende der"Wachstumspartei" Boris Titow äußert die Hoffnung, eine Erklärung Großbritanniens über seine Unabhängigkeit von Brüssel werde zur Loslösung Europas von der angelsächsischen Außenpolitik führen. Der Journalist des "Ersten Kanals" Wladimir Posner ist sich sicher, der EU-Austritt Großbritanniens sei der Anfang des Zerfalls Europas, was Asien, Amerika und Russland ausnutzen würden. Die Politikwissenschaftlerin Lilia Schewzowa bezeichnet den Brexit als "Revolte" gegen das Establishment, die Europa aber mit Sicherheit meistern würde. Der liberale Politiker Grigorij Jawlinskij sieht die EU als das erfolgreichste politische Projekt seit Jahrhunderten und weist darauf hin, dass die britischen EU-Gegner keine positive Agenda hätten, sondern nur die Vorstellung von einem Reich, in dem die Sonne nie untergeht.

Putin: Wir werden den EU-Austritt Großbritanniens aufmerksam verfolgen

"Das ist eine Entscheidung der Bürger Großbritanniens. Wir haben uns nicht eingemischt, mischen uns nicht ein und haben auch nicht vor, uns einzumischen. Allem Anschein nach folgt nun ein formales Prozedere bezüglich der Entscheidung der Briten zum EU-Austritt; wir werden es aufmerksam verfolgen. […]
Dem durchschnittlichen Bürgern Großbritanniens ist meines Erachtens klar, warum es dazu gekommen ist. Niemand möchte schwächere Wirtschaften durchfüttern und subventionieren, ganze Länder und Völker versorgen. Offenbar sind die Menschen auch mit der Lösung von Sicherheitsfragen nicht zufrieden, die sich vor dem Hintergrund gewaltiger Migrationsprozesse drastisch verschärft haben. Die Menschen wollen unabhängiger sein. […]
Was die Sanktionspolitik angeht, denke ich nicht, dass das [der Brexit] in dieser Hinsicht einen Einfluss auf unser Verhältnis zur EU haben wird. Nicht wir haben mit den Sanktionen angefangen, sondern wir reagieren immer nur auf die destruktiven Schritte, die gegen unser Land gerichtet werden. […] Ich möchte noch einmal betonen: Wenn unsere Partner irgendwann dafür reif sind, mit uns einen konstruktiven Dialog über diese Fragen zu führen, sind auch wir dafür bereit; wir wollen das und werden auf Positives positiv reagieren."

Externer Link: Wladimir Putin am 24. Juni bei einer Pressekonferenz in Taschkent

Titow: Das ist keine Unabhängigkeit Großbritanniens von Europa, sondern die Unabhängigkeit Europas von den USA

"Es scheint, es ist passiert – UK out!!! Meiner Meinung nach ist die wichtigste langfristige Folge von all dem die Loslösung Europas von den Angelsachsen, also von den USA. Das bedeutet keine Unabhängigkeit Großbritanniens von Europa, sondern die Unabhängigkeit Europas von den USA. Und dann ist es auch bis zu einem vereinten Eurasien nicht mehr weit – rund 10 Jahre."

Externer Link: Boris Titow am 24. Juni auf Facebook

Posner: Der Brexit wird zum Zerfall der EU führen

"[…] Ich denke, dass der Austritt Großbritanniens zu Folgendem führen wird:

1. Zum Zerfall der EU. Das ist eigentlich schade, weil die Idee der EU, die den brillanten Köpfen Nachkriegseuropas gehörte, zweifellos großartig und fortschrittlich war. Leider sind in der Folgezeit kleine politische Akteure und keine Staatsmänner an die Macht gekommen. Die EU ist aus einer Gemeinschaft Gleichgestellter zu einem Klub geworden, in den man ausschließlich aus politischen Gründen hineinkam. Deshalb erfolgte der Beitritt von Ländern wie Polen, Tschechien, Slowakei, Portugal, Slowenien, Bulgarien, Griechenland, Lettland, Litauen, Estland und so weiter.
Ich erlaube mir einen Vergleich. Die NHL (höchste Eishockey-Liga) bestand einst aus acht Mannschaften. Dementsprechend spielten dort Super-Spieler, jede Mannschaft war brillant. In der Liga durfte nur die Crème de la Crème spielen. Im weiteren Verlauf ist die Zahl der Mannschaften aus kommerziellen Gründen auf ein Vielfaches erhöht worden. Aber so eine große Zahl von Superspielern zusammen zu bekommen war nicht möglich und das Spiel wurde langweiliger.
Die EU bestand zunächst aus "brillanten Spielern". Doch aus zutiefst politischen Ambitionen und Gründen wurde diese "Liga" erweitert. Nun gibt es dort sehr viel Mittelmaß, dem es nur um die eigenen Interessen geht. Einer der Superspieler (Großbritannien) hatte das satt und hat gesagt: "Leute, mir reicht’s, ich spiele nicht mehr mit." Andere werden folgen.
2. Für Europa ist das schlecht. Es hat die Chance verloren, als geschlossenes Ganzes zu agieren; der Traum von den "Vereinigten Staaten Europas" ist beerdigt. Das werden Asien und Amerika mit Sicherheit ausnutzen. Russland wird es mit Sicherheit ausnutzen.
3. Es ist schlecht für Großbritannien. Es wird ohne Zweifel Schottland verlieren, das schon einmal kurz vor dem Austritt stand und nun, wo ganz Schottland für den Verbleib in der EU war, ist sein Austritt aus Großbritannien garantiert. […]"

Externer Link: Wladimir Posner am 24. Juni bei "pozner-online.ru"

Schewzowa: Revolte

"[…] Der Kampf zwischen "Austreten" und "Bleiben" ist zum wichtigsten Ereignis nicht nur der modernen Geschichte Großbritanniens, sondern auch des Westens allgemein geworden. Es geht nicht um Wirtschaft oder um Migration, die bei der Konfrontation der Euroskeptiker und der EU-Befürworter in den Vordergrund gerückt wurden. Die phlegmatischen Briten, die zum letzten Mal 1688 eine Revolution veranstaltet haben, revoltieren jetzt gegen das Establishment – gegen das eigene und das aus Brüssel. Dieser Aufruhr spiegelt die Krise der westlichen Ordnung wider, die nach dem Abgang ihrer Alternative – des Weltkommunismus – entstanden war. Die Welle des rechts-linken Populismus auf dem europäischen Kontinent und in den USA ist ein weiterer Ausdruck dieser Systemkrise. Die liberale Gemeinschaft sieht sich vor die Wahl gestellt: entweder sucht sie nach neuen Formen der Globalisierung und eines Ausbaus der Freiheiten und der Offenheit, oder sie kehrt zu traditionellen Formen der Politik zurück – zur Stärkung der Souveränität, des Protektionismus, der starken Rolle des Staates und zum Misstrauen gegenüber dem Fremden. […]
Ja, es beginnt eine neue Geschichte des europäischen Integrationsprojekts. Im Laufe der nächsten zwei Jahren werden London und Brüssel 80.000 Seiten Verträge revidieren, die sie abgeschlossen haben. Eine der wichtigsten Fragen, die sie sie zu lösen haben, ist die, ob die City of London das führende Finanzzentrum Europas bleiben soll.
Das britische Erdbeben ist aber nur der Anfang. In Deutschland, Frankreich, Niederlanden, Spanien stehen bald Wahlen und Referenden bevor. Der Austritt Großbritanniens ist zum Adrenalin für die dortigen Euroskeptiker und Populisten geworden, die durchaus die Frage über ihre Abtrennung von Brüssel stellen könnten.
[…]
Ja, der BREXIT ist ein Erdbeben für den Westen. Dieses Beben hatte der Westen aber dringend nötig! Es hat ihn geweckt und die fett gewordenen Eliten gezwungen zu denken und Angst zu haben! Es hat sie dazu gezwungen nachzudenken und Wege zu suchen, wie das Vertrauen der Gesellschaft zurückgewonnen werden kann.
Europa wird zum Kartenhaus? Unsinn! Das wird es nicht. Europa wird nach einem neuen Bindegewebe suchen – langsam, gezielt und hartnäckig. Obwohl die Europäer viel Rost werden abkratzen müssen; nicht nur ihre politischen Regulatoren müssen ausgetauscht werden, sondern auch die Gefäße ihrer Konstruktion gereinigt werden.
Was bedeutet dieses Beben aber nun für Russland? Von unserer Peripherie aus sehen wir, wie sich die machtvollste Zivilisation der Welt auf die Suche nach neuen Formen der Existenz begeben hat. Und diese Zivilisation setzt trotz ihres Fiebers weiterhin die Regeln – die Spielregeln und die für den Fortschritt. Deswegen ist es für Russland so wichtig, in welche Richtung der Westen gehen wird.
Es gibt die Illusion, dass das Durcheinander in Europa die Chancen Russlands erhöht, im Trüben zu fischen. Na ja: das ist immer ein Geschäft für die Schwachen. Und es kann Dividenden bringen. Umso mehr, da der europäische Populismus bei seinem Spiel Russland so sehr benutzen will. Aber diese Dividenden könnten für uns nur vorübergehender Art sein. Die Unterstützung des rechts-linken Populismus, der Protektionismus und das Misstrauen gegenüber der Außenwelt predigt, wird für Russland kaum eine günstige Umgebung schaffen.
Westliche Populisten werden uns gegenüber genauso misstrauisch sein, wie gegenüber anderen fremden. Die Unberechenbarkeit und die Konvulsionen des Westens werden Russland nicht die Möglichkeit geben, seine unberechenbare Politik fortzuführen, die auf dem Glauben an die Festigkeit der westlichen Spielregeln beruht!"

Externer Link: Lilia Schewzowa am 24. Juni bei "Echo Moskwy"

Jawlinskij: Die EU ist das erfolgreichste politische Projekt seit Jahrhunderten

"Die Europäische Union, bei all ihren Problemen und Nachteilen, ist das erfolgreichste politische, soziale und wirtschaftliche sowie humanitäre Projekt, das es in den letzten Jahrhunderten in der Welt gegeben hat. Es ist die Errungenschaft einer Zivilisation, deren Wesenskern in der Verhinderung von Kriegen auf einem Kontinent besteht, auf dem zwei der blutigsten Schlachten der Welt ihren Ausgang nahmen. Es geht nicht um ein bürokratisches Gebilde mit dem Zentrum Brüssel, sondern um ihr Wesen. Die Errichtung und Fortentwicklung der EU ist eine neue Qualität von Politik, die auf Achtung und Vertrauen gegenüber den Menschen basiert; wie ein Leuchtturm, der allen die Richtung der Entwicklung weist.
Was die EU-Gegner anbieten, ist keine Rückkehr zu irgendeiner "goldenen Vergangenheit". Was kann man zurückholen? Das Viktorianische England mit Sherlock Holmes? Ein Reich, in dem die Sonne nie untergeht?
Solch eine Entscheidung ist immer eine über die Zukunft. Doch die Befürworter eines Austritts aus der EU schlagen einen Weg vor, bei dem unter einem der schwankende Boden der Ablehnung liegt und vor einem nur Nebel. Abgesehen davon haben die Briten im Wesentlichen dafür gestimmt, sich von einer der stärksten Wirtschaftsmächte der Welt zu trennen. Das Pfund reagierte rasch.
Das Ergebnis des Brexit-Referendums ist die Bestätigung, dass die europäisch orientierte politische Zivilisation auf ernsthafte Probleme stößt, die auf mangelnde Visionen und Perspektiven zurückzuführen sind. Das moderne politische Establishment hat keine Zukunftsvision, die für Millionen von Bürgern hinreichend überzeugend wirkte. Die stets vorhandenen Chaosfaktoren beginnen zu wirken: Eine Vereinfachung und Vergröberung der Politik, eine Zunahme von Gewalt, ein wachsender Einfluss von Nationalisten und Rechten, EXIT, Abschottungsversuche, und in Amerika – Trump…
Die Vernunft obsiegt nicht immer in der modernen Welt. Einfache Lösungen– verlassen, zerreißen, zerschlagen– scheinen attraktiv zu sein. Hinzu kommt, dass diejenigen, die "dagegen" gestimmt haben, von dem Wunsch angetrieben wurden, ihre Unzufriedenheit mit allen möglichen Dingen zu zeigen. All das in der Summe hat das Ergebnis bestimmt.
[…]
Was steht nun Russland bevor? Werden wir uns an der Suche nach einem gemeinsamen Weg beteiligen? Denn das ist eine Frage vor allem unserer Zukunft. Oder bewegen wir uns weiter in Richtung des heutigen antieuropäischen politischen Kurses, auf einem Weg, den es nicht gibt. Treten Leere, Verneinung, aggressives Misstrauen an jene Stelle, wo der lebhafte, moderne, russische Geist sein sollte?"

Externer Link: Grigorij Jawlinskij am 24. Juni bei "yavlinsky.ru"

Ausgewählt und eingeleitet von Sergey Medvedev, Berlin (Die Blogs, auf die verwiesen wird, sind in russischer Sprache verfasst)

Die Russland-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde erstellt. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht sie als Lizenzausgabe.

Fussnoten