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Kommentar: Russland ist endgültig in der Finanzkrise angekommen | Russland-Analysen | bpb.de

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Kommentar: Russland ist endgültig in der Finanzkrise angekommen

Gunter Deuber

/ 3 Minuten zu lesen

Der Rubel rollt: bergab. Nicht zuletzt durch die Sanktionen im Rahmen der Ukraine-Krise ist die russische Finanzstabilität endgültig ins Wanken geraten. Gunter Deuber erörtert Ursachen, Momente und Folgen.

Herausgeber der Länderanalysen

Die Russland-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Seit Jahresbeginn hat die russische Währung gegen den US-Dollar rund 60 Prozent verloren (© picture-alliance/dpa)

Der Kollateralschaden des außenpolitischen Kurses Russlands ist in den letzten Tagen augenscheinlich an den Finanzmärkten Russlands angekommen. Nach Wochen des Verfalls des Außenwertes des Rubel und einer nochmals schroffen Abwertung am 15. Dezember – dem stärksten Verfall des Rubels an einem Tag seit 1998 – musste die Notenbank Russlands letztlich massiv eingreifen. In einer Übernacht- und Krisensitzung hat sie den Leitzins um 6,5 Prozentpunkte auf nun schwindelerregende 17 Prozent anheben müssen. Damit soll Marktspekulation gegen den Rubel bzw. der Verkauf von Rubeln verteuert werden. Zusätzlich erklärte die Notenbank, russischen Banken mehr Fremdwährungsliquidität bereitstellen zu wollen, was den Verkaufsdruck auf den Rubel ebenfalls etwas abmildern kann.

Der massive Zinsschritt der Notenbank kam, nachdem sie unmissverständlich und öffentlich auf steigende Risiken für das Wirtschaftswachstum und vor allem für die Finanzstabilität hingewiesen hat. Damit ist die Notenbank Russlands offensichtlich im Finanzkrisenmanagement angekommen. Leitzinserhöhungen in einem in dieser Woche erlebten Umfang erinnern an die Lage in Russland 1998 oder an andere Finanzmarktkrisen. Bis Anfang der Woche hatte sich die Notenbank Russlands den Erfordernissen eines Krisenmanagements eher verschlossen, was am Finanzstandort Moskau hinter vorgehaltener Hand durchaus kritisch bewertet wurde. Über die Gründe des lange Zeit zögerlichen Vorgehens der Notenbank kann nur spekuliert werden. Einige Markteilnehmer beurteilten das Notenbankhandeln als zu marktgläubig bzw. als zu stark an Textbüchern verhaftet, andere argwöhnten, die Notenbank wolle – ganz gleich aus welchem Grund – tunlichst lange den Eindruck vermeiden, dass Russland auf eine veritable Finanzkrise zusteuert.

Mit Nominalzinsen im hohen zweistelligen Bereich und Realzinsen (den Zinsen abzüglich der Inflation) im Bereich von 7–8 Prozent hat die Notenbank nun Krisenmanagement und Stabilisierung eindeutig über das Ziel Wirtschaftswachstum gestellt. Die Finanzierungskosten im Bankensektor werden nun noch deutlicher ansteigen, während die Abhängigkeit russischer Banken von der Notenbankfinanzierung 2014 ohnehin stark angewachsen ist. Angesichts hoher Finanzierungskosten und zunehmender Verunsicherung durch die Finanzmarktrisiken werden Investitionen und Konsum noch stärker unter Druck geraten. Dies lässt für 2015 eine noch tiefere Rezession befürchten, als bereits jetzt erwartet wird.

Äußerst prekär ist zudem, dass die Notenbank den Rubel nur vorübergehend stützen konnte. Die Wirkung der Notzinserhöhung verpuffte schnell wieder. Da weitere Zinsanhebungen allein wohl kaum noch Effekte zeitigen werden, dürften voraussichtlich weitere Schritte zur Stützung des Rubels erforderlich sein. Wenn beim Rubel wieder nachhaltig Wechselkursniveaus wie vor dem Zinsschritt erreicht werden, kann sich die Notenbank weiteren Maßnahmen auch nicht mehr verschließen. Denn sonst würde ihre Glaubwürdigkeit noch mehr leiden. Voraussichtlich präferiert die Notenbank kurzfristig noch andere marktorientierte Maßnahmen, etwa groß angelegte Deviseninterventionen im Zusammenspiel mit weiteren Zinsschritten. Allerdings sind bei weiter ausbleibendem Stabilisierungserfolg auch zusätzliche restriktive Maßnahmen – zum Beispiel mögliche administrative Einschränkungen beim internationalen Kapitalverkehr – nun einen Schritt näher gerückt. Zumal es auch Anzeichen gibt, dass die bisherigen marktbasierten Stabilisierungsmaßnahmen generell ineffizient waren. So haben etwa staatsnahe russische Großunternehmen Kreditsummen, die sie von der Notenbank in Rubel erhalten hatten, am Markt gegen Dollar getauscht. Solche offensichtlichen Koordinationsprobleme, die den Rubelverfall beschleunigten, überraschen in einem so staatszentrierten Wirtschaftssystem wie dem in Russland. Zudem verwundert es, dass sich im Wochenverlauf nur gemächlich ein koordiniertes Verhalten relevanter Akteure abzeichnete. Am Mittwoch dem 17. Dezember hat dann das Finanzministerium angekündigt, falls nötig, den Rubel mit Devisenverkäufen ebenfalls zu stützen.

Die diese Woche anschwellende Angst vor einer Wiederholung eines Szenarios von 1998 ist eine erhebliche Belastung für das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Russland, vor Ort und international. Der Umstand, dass Russland aktuell auf eine veritable Finanzkrise zusteuert, kann ironischerweise aber auch einen positiven Effekt haben. So werden die Kosten des derzeitigen außenpolitischen Kurses für die breite Öffentlichkeit immer klarer. Letzteres untergräbt in gewisser Weise die aktuelle offizielle Informationspolitik in Russland, die sehr stark auf Verschwörungsszenarien und Desinformation setzt.

Fussnoten

Gunter Deuber leitet die volkswirtschaftliche Osteuropaanalyse bei der Raiffeisen Bank International AG (RBI), einer der größten in der Ukraine tätigen Auslandsbanken, die in Wien sitzt. Der vorliegende Kommentar repräsentiert die persönliche Auffassung des Autors und nicht notwendigerweise die der Raiffeisen Bank International.