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Medienkritik: Zwischen Transparenz und Verschwörungstheorien

Medienkritik: Zwischen Transparenz und Verschwörungstheorien

Netzdebatte Redaktion

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Medien beeinflussen wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Darum ist es wichtig, ihre Arbeit kritisch zu hinterfragen. Im Moment scheint jedoch die Grenze zwischen notwendiger Kritik und populistischen Pauschalisierungen oftmals zu verschwimmen. Was also ist "richtige" Medienkritik? Was legitimiert sie? Und was unterscheidet sie von Verschwörungstheorien?

Der Aluhut ist zum Sinnbild aller Verschwörungstheorien geworden. Darunter auch jene, die eine Gleichschaltung der Medien vermuten. Die Grenze zwischen einer kritischen Auseinandersetzung mit medialer Berichterstattung und verschwörungstheoretischen Überzeugungen ist oftmals unscharf. (CC, Aluhut von Piratenmensch Shop ; Externer Link: www.eurotopics.net) Lizenz: cc by-sa/2.0/de

Medienkritik gibt es seit es Medien gibt. Sokrates und sein Lieblingsschüler Platon sinnierten schon vor knapp 2500 Jahren über den Einfluss der Schrift auf unser Gedächtnis. Seitdem ist einiges passiert: Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet können heute theoretisch Menschen in jeder Ecke der Welt erreichen. Indem sie Informationen sortieren, einordnen und verbreiten, prägen Medien mit ihren Erzählungen unser Weltbild. Das macht sie zu mächtigen Akteuren.

Um besser zu verstehen, wie Medien funktionieren, welchen Effekt sie auf unsere Wahrnehmung der Welt und unsere Gesellschaft haben, gibt es Medien- und Kommunikationswisschenschaftler/-innen, die sich kritisch mit ihrer Wirkungsweise auseinandersetzen.

Aber auch außerhalb der Wissenschaft gibt es Akteure, die sich die kritische Beobachtung der Medien zur Aufgabe gemacht haben: Blogger/-innen, Journalist/-innen oder NGOs zum Beispiel. Lange waren das vor allem Profis. Das ist heute anders.

In sozialen Netzwerken, Foren und Blogs hat heute jeder die Möglichkeit, die Erzählungen der traditionellen Medien infrage zu stellen, eigene Narrative zu entwerfen und diese zu verbreiten. So können Menschen, die mit der Berichterstattung der "Mainstream-Medien" unzufrieden sind, mit ihrer Kritik eine breite Öffentlichkeit erreichen. Das hat Konsequenzen: Für die Medien und ihre Funktion in der Gesellschaft und für die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft Themen in der Öffentlichkeit diskutieren.

Mehr als nur eine Öffentlichkeit

"Das "Lagerfeuer", als der Ort wo sich alle zusammenfinden, ist schon lange obsolet", meint die Kommunikationswissenschaftlerin Margreth Lünenborg zu den Umbrüchen der Medienlandschaft. "Wenn die Einheiten immer kleiner werden, ist die Frage: Was macht dann überhaupt noch eine Gemeinschaft aus?" Was passiert, wenn alle nur noch in ihren eigenen Filterblase diskutieren? Gibt es dann überhaupt noch eine Grundlage für einen gemeinsamen Diskurs? Lünenborg erkennt in dieser Entwicklung eine gewisse Ambivalenz. Auf der einen Seite sieht sie eine große Chance darin, dass jenseits von ökonomisch strukturierten Medieninstitutionen Einzelpersonen die Chance haben einem Thema Relevanz zu verleihen, das dann gesellschaftsweit diskutiert wird. Auf der anderen Seite könne diese Entwicklung dazu führen, dass Menschen sich nicht mehr mit Positionen auseinandersetzen müssen, die nicht zu ihrem eigenen Weltbild passen.

Die Presse unter Druck

Besonders lautstark wird gerade Kritik an den so genannten "etablierten Medien" geübt. In Deutschland betrifft das vor allem den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die klassischen Zeitungsverlage. Ihnen werden Einseitigkeit, Arroganz und interessengeleitete Berichterstattung vorgeworfen. Auf politischer Ebene wird diese Kritik vor allem von der Alternative für Deutschland (AfD) artikuliert, die sich von den Medien oftmals ungerecht behandelt fühlt. Auch auf den immer noch regelmäßig stattfindenden PEGIDA-Demonstrationen ist das Misstrauen gegenüber den etablierten Medien eines der zentralen Leitmotive.

Sie haben dazu beigetragen, dass Begriffe wie "Lügenpresse", "Systempresse", "Gleichschaltung" oder "Zensur" wieder in den öffentlichen Diskurs gelangt sind. Das sei gleich auf mehreren Ebenen problematisch, meint der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch: "Die Begriffe sind natürlich historisch aufgeladen, da sie auch in der Nazizeit verwendet wurden. Es wird suggeriert, die Presse sei "von oben" gesteuert und würde mit voller Intention die Unwahrheit berichten. Das ist natürlich nicht der Fall". Problematisch sei diese Denkweise aber vor allem auch für berechtigte Medienkritik, so Stefanowitsch: "Das spielt ja in eine allgemeine medienkritische Stimmung hinein. Das reicht von Linksintellektuellen bis hinzu ganz normalen Bürgern, die berechtigte Bedenken haben. Das ist aber etwas ganz anderes als der "Lügenpresse"-Vorwurf. Es wird immer schwerer noch legitime Medienkritik zu äußern, ohne dass diese von solchen Akteuren gekapert wird". Wie also sieht "gute" Medienkritik aus? Was legitimiert sie? Und wie kann man fundierte Kritik von verschwörungstheoretischen Mutmaßungen unterscheiden?

Vielfalt ja - aber wie?

Eine starke Demokratie braucht eine vielfältige Medienlandschaft. Genauso braucht sie Menschen, die den Journalist/-innen kritisch bei der Arbeit zusehen, die hinterfragen und nachhaken, die transparent machen und berichten. Allerdings ist heute fraglicher denn je, wessen Aufgabe das eigentlich ist.

Fussnoten

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