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Das Schloss Eckartsau fungierte als Tagungsgebäude.

14.11.2018

Diaspora

Das sechste Panel der Tagung rückte das Schlüsseljahr 1938 in einen biographie- und alltagsgeschichtlichen Fokus: Katharina Friedla und auch Magdalena M. Wrobel fragten nach den Umständen und Bedingungen jüdischer Migrationsbewegungen in diesem Jahr und Sheer Ganor blickte auf die Identitätskonstruktionen jüdischer Diaspora-Communities.

Ein in der Forschung bislang selten beachteter Migrations- und Fluchtweg ist der von über 17.000 polnischen Juden im Oktober 1938 von Deutschland nach Polen und schließlich in die Sowjetunion. Katharina Friedla (Gerda Henkel Stiftung, International Institute for Holocaust Research Yad Vashem und Polish Center für Holocaust Research Warschau) näherte sich in ihrem Vortrag den Lebensumständen dieser Gruppe, die Ende Oktober 1938 aus dem nationalsozialistischen Deutschland ausgewiesen wurde und nach mehreren Stationen in Polen während des Krieges schließlich vom sowjetischen Geheimdienst NKWD weit ins Landesinnere der Sowjetunion deportiert wurde. Friedla zeichnete in ihrem Vortrag damit nicht nur die Wege (vielfach erzwungener) Migration nach, sondern steckte auch ein bisher selten beachtetes Feld von jüdischen Diaspora-Räumen in Polen und der Sowjetunion ab.

Panel 6: Magdalena M. Wrobel (Leo Baeck Institute – New York |Berlin) zum Public History-Projekt “1938 – Posts from the Past”

Magdalena M. Wrobel (Leo Baeck Institute New York / Berlin) arbeitete in ihrem Vortrag die Relevanz transnationaler sozialer Netzwerke für die jüdische Migration heraus. Sie griff dabei auf die zahlreichen biografischen Quellen zu, die sie in dem Online-Projekt des Leo Baeck Instituts "1938 – Posts from the Past" aufbereitet hat. Dabei sei sie auf ein wiederkehrendes Muster gestoßen: Erfolgreich waren Emigrationsversuche jüdischer Familien aus Deutschland und Österreich eigentlich nur dann, wenn diese auf ein soziales Netzwerk aus Verwandten und Freunden im Ausland verfügten.

Sheer Ganor (Department of History, UC Berkeley) richtete ihren Blick schließlich auf die Identitätskonstruktionen jüdischer Diasporagemeinden aus Österreich. Dabei stellte Ganor interessante Unterschiede zwischen den Fremd- und Selbstbildern dieser österreichischen Gruppen heraus: Von außen oftmals pauschal als Gruppe der „deutschen Juden“ beschrieben, pflegten viele österreichische Juden in ihrem jeweiligen Exil österreichische Alltagsbräuche wie einen Kaffee mit Schlag in Manhattan, den Besuch eines wienerischen Kabaretts in Shanghai oder dem Spiel in einer österreichischen Fußballmannschaft im britischen Kent.

Von: Lisa Philippen


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