Sonnenaufgang am Sevansee in Armenien.

19.3.2019 | Von:
Johanna Homann

Genozid an den Armeniern

Besuch des Zizernakaberd-Denkmalkomplex zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern

Der Historiker und Geschichtsprofessor Ashot Hayruni bei einer gemeinsamen DiskussionsrundeDer Historiker und Geschichtsprofessor Ashot Hayruni bei einer gemeinsamen Diskussionsrunde. (© Vera Katzenberger)

Die systematischen Vertreibungen, Todesmärsche und Massaker, denen die armenische Bevölkerung des Osmanischen Reiches ab April 1915 ausgesetzt war, werden vielfach als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts angesehen.

Im Rahmen unserer Studienreise war dieses Geschehnis ein Thema, mit dem wir uns näher beschäftigen wollten.

Viele Armenier*innen tragen das Schicksal des Völkermords in ihrer familiären Erinnerung. Auch die heutige Jugend ist geprägt von den Erzählungen ihrer Vorfahren.

Um diesen sensiblen Teil der armenischen Geschichte aufzuarbeiten, starteten wir an unserem zweiten Tag in Armenien mit einer Führung durch das "Armenian Genocide Museum-Institute".

Anschließend gingen wir zur Gedenkstätte Zizernakaberd. Der Denkmalkomplex Zizernakaberd befindet sich auf einem Hügel mit Blick über Eriwan und auf den Berg Ararat. Der 44 m hohe, gespaltene Obelisk wurde von 1966 bis 1968 gebaut, nachdem im Jahre 1965 zum 50. Jahrestag des Völkermords hunderttausende Menschen für ein solches Denkmal und ein Erinnern an den Völkermord demonstrierten. Zusätzlich zu dem gespalteten Obelisken, der auch die Zerstreutheit des armenischen Volkes symbolisieren soll, gibt es eine ewig brennende Flamme umgeben von 12 Stelen. Diese Flamme soll an die 1,5 Millionen Armenier erinnern, die im Völkermord getötet wurden. Die 12 Stelen repräsentieren die 12 ehemaligen armenischen Provinzen in der heutigen Türkei.

Für unsere weitere Auseinandersetzung mit dem Völkermord haben wir uns mit dem Historiker Ashot Hayruni verabredet.

Herr Hayruni ist Professor am Lehrstuhl für armenische Geschichte an der Staatsuniversität Jerewan und betätigt sich zugleich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an dem von der Staatsuniversität begründeten Institut für armenologische Forschungen. Den Hauptschwerpunkt seiner Forschungsarbeiten bilden das armenische Hilfswerk von Dr. Johannes Lepsius und der Völkermord an den Armeniern im Kontext der deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft sowie die deutsch-armenischen Beziehungen im ausgehenden 19. und im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.

Zu unserer großen Freude nahm sich neben dem Historiker auch Herr Harutyun Marutyan, Direktor des Museums, Zeit für einen kurzen Austausch mit uns. Im Konferenzsaal des Museums konnten wir eine spannende Diskussion führen und unsere Fragen zum armenischen Völkermord stellen.