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Tobias Gillen am 20.11.2014

Sicherheit im Smart Home: Abwägen zwischen Nutzen und Risiken

Das Smart Home soll unser Leben leichter und besser machen: Verringerter Stromverbrauch, smarte Geräte, die sich auf unsere Gewohnheiten und unseren Tagesrhythmus einstellen, Sensoren die am Schrittmuster erkennen, wenn jemand einen Schlaganfall hat. Doch was ist mit der Sicherheit unserer Daten? Die bleibt häufig auf der Strecke, mein Tobias Gillen.

Das typische Klischee eines Hackers: ein schwarzer Bildschirm mit grüner Schrift. Doch genau dieser Bildschirm könnte zu einer Schreckensvorstellung bei Smart Home-Nutzern werdenDas typische Klischee eines Hackers: ein schwarzer Bildschirm mit grüner Schrift. Doch genau dieser Bildschirm könnte zu einer Schreckensvorstellung bei Smart Home-Nutzern werden Lizenz: cc by/2.0/de (CC, Jeremy Keith)

Wenn in den Medien die Frage der Sicherheit im Smart Home thematisiert wird, bleibt häufig der Eindruck aus, dass das Thema nun gänzlich in der Gesellschaft angekommen ist. Viel zu naiv und oberflächlich wirkt häufig die Veranschaulichung eines Hacker-Angriffs per Fernsteuerung. Da schaltet ein vermeintlicher Einbrecher – zumeist mit einer Clownsmaske verkleidet – das Licht von außen ein- und aus oder steuert die Rollladen so, dass man meine, es spuke im Haus. Solche Szenarien haben wenig mit der Wirklichkeit und realen Bedrohungen zu tun und zeigen, wie wenig vom gesellschaftlichen Wandel durch die Überall-Vernetzung seitens der Medien an die Nutzer/-innen herangetragen wird - auch die IFA (Internationale Funkausstellung) hat da bislang noch keinen spürbaren Paradigmenwechsel herbeigeführt.

Diverse Sicherheitslücken öffnen Hackern Tür und Tor

Insbesondere die Sicherheit im vernetzten Zuhause ist aber das, was den künftigen Endverbraucher interessiert. Schließlich wird das darüber entscheiden, welche Smart-Home-Elemente er in seinem Zuhause Platz finden lässt. Belässt man es bei der Wohnzimmerlampe, die man nun per App einschaltet, statt sich um den Sessel herum zum Trittschalter zu bewegen, braucht man keine hausinterne Firewall. Sobald man aber elementare Dinge der Privatsphäre - man denke nur an Türen, Fenster oder Kameras - über das Internet der Dinge miteinander verknüpft und verzahnt, sobald man Wasser, Heizung, Herd und Ofen von außerhalb ansteuerbar macht, wird es höchste Zeit für einen umfassenden Schutz der vernetzten vier Wände.

Man sollte meinen, dass es Aufgabe der Hersteller sei, den Endverbraucher mit seinen Geräten nicht im Stich zu lassen, sie so sicher und simpel zu gestalten, dass jeder, der einen Computer anschalten kann, sie auch bedienen kann. Die Realität sieht aber leider anders aus. Diverse Studien belegen, dass die Smart Home-Technologie nicht flächendeckend einsatzfähig ist, ohne sich diverse Sicherheitslücken mit ins Haus zu holen. Am populärsten ist da sicherlich die von Hewlett Packard (HP) in Auftrag gegebene Studie mit den zehn am weitest verbreitetsten Smart Home-Geräten. Im Durchschnitt wurden in jedem der zehn Geräte 25 Schwachstellen gefunden. Die bewegten sich dann irgendwo zwischen ganz elementaren Dingen wie mangelnder Verschlüsselung, dem überflüssigen Sammeln von privaten Daten wie Kreditkarteninformationen und fehlenden Schnittstellen. Oder konkreter: In neun von zehn Geräten mussten überflüssige Daten eingegeben werden, in acht von zehn Geräten wurden zu simple Passwörter akzeptiert, in sieben von zehn Geräten wurde - Obacht! - nicht mal eine Verschlüsselung eingesetzt.

Einbrecher brauchen keine Brechstange mehr

Und damit stellt sich dann schon die Frage, wohin die Entwicklung im Smart Home-Bereich führen soll? Zu mehr Effektivität durch Synergien zwischen den Geräten und der mobilen Interaktion mit ihnen? Oder baut sie nur den gläsernen Menschen aus, der von Unternehmen und bald vom Nachbarn oder gar von einem Teenager jenseits des Atlantiks bis ins kleinste Detail ausgespäht werden kann? Zugegeben: Die Frage ist selbstverständlich rhetorischer Natur, und sicher steht die Branche noch am Anfang dieser Entwicklung. Aber das mindert nicht die Relevanz der Fragestellung.

Schließlich könnte der Einbrecher der Zukunft künftig auch gut ohne Brechstange auskommen. Wichtig wird dann sein, wer gut mit Computern, Firewalls und Verschlüsselungen umgehen kann und die Sicherheitslücken so mancher Smart Home-Geräte auszunutzen weiß. Aber nicht nur die Entwickler sind hier gefragt. Auch die Hauseigentümer müssen sich wichtige Fragen über Sinn und Unsinn mancher Smart Home-Technologien stellen. Brauche ich wirklich ein Türschloss, das ich von unterwegs aus kontrollieren kann und was potenziell auch Einbrechern ein Tor zu meinen Räumlichkeiten öffnet? Oder muss mein Ofen fernsteuerbar vom Bad aus vorgeheizt werden können - nur damit er auf Temperatur für die Pizza ist, wenn ich mit dem Haare föhnen fertig bin? Es wird künftig auf ein Abwägen hinauslaufen zwischen Nutzen und Risiken, zwischen Sinn und Unsinn, zwischen Smart Home oder nicht so smartem Zuhause.

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Tobias Gillen

Tobias Gillen ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist. Er lebt und arbeitet in Köln und schreibt von dort aus u.a. für den Spiegel, golem.de, oder die Netzpiloten. Neben bei leitet er noch die Redaktion von basic-thinkin.de und veröffentlicht fleißig e-books.

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