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Tobias Lenartz am 25.11.2014

Smart Cars - ein Tagebucheintrag

Fliegende Autos mit Raketenantrieb? Nicht ganz. Diese Woche im Tagebuch aus der Zukunft: Smart Cars!

Ein nicht ganz so smartes Car: ein futuristischer Prototyp aus dem Jahr 1962 von General Motors in Seattle.Ein nicht ganz so smartes Car: ein futuristischer Prototyp aus dem Jahr 1962 von General Motors in Seattle. Lizenz: cc by/2.0/de (CC, Seattle Municipal Archives)

Beinahe hätte ich meine Sporttasche vergessen. Mein Auto erinnert mich daran. Es weiß ja aus meinem Terminplaner, dass ich nach dem Büro noch ins Fitnesstudio will. Als ich einsteige, ist der Sitz verstellt. Stimmt, Johanna hat ja gestern die Kinder von der Kita abgeholt. Kein Problem: Automatisch surren Sitz, Seitenspiegel und Lenkrad in die für mich optimale Position. Die schnellste Route zum ersten Termin heute hat das Auto natürlich auch schon rausgesucht.

Stau auf der Brunnenstraße, meldet das Navi - und schlägt automatisch eine Ersatzroute vor. Das wird knapp. Aber den Tritt aufs Gas spare ich mir. Dass Temposünden direkt an die Versicherungen übermittelt werden, wurde zwar per E-Petition verhindert, aber wer weiß, was die heimlich auf ihren Servern sammeln. Mein Auto hat schon mal eine Nachricht mit der ungefähren Verspätungszeit an den Kunden vorbereitet. Nur zwei Blocks weiter finde ich einen Parkplatz. Halb so schlimm. Die Navigation wird auf meiner Smartwatch fortgesetzt, die Parkgebühr automatisch vom Konto abgebucht.

Als ich zwei Stunden später wieder aus dem Meeting komme, habe ich den Parkplatz vergessen. Meine Smartwatch lotst mich zurück. Höchste Zeit, dass die Google Cars endlich aus der Beta-Phase kommen. Nach wie vor verlockend, wenn man mit einem Druck aufs Smartphone vom Auto vor der Tür abgeholt wird. Aber ob sich das durchsetzt? Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten will doch niemand das Steuer aus der Hand geben. Außerdem: Welche Algorithmen den Autos der Zukunft dabei helfen sollen, sich im Zweifelsfall zwischen kaputtem Kotflügel oder toter Katze zu entscheiden, steht immer noch in den Sternen. Und wer kommt dann vor Gericht? Ich oder mein Auto?

Passend zum Thema: ein Massenunfall auf der Kreuzung. Beinahe wäre ich reingerauscht, aber die Ausweichautomatik hat übernommen. Sensoren sehen eben mehr. Offensichtlich hat mal wieder jemand die Steuerung der intelligenten Ampel gehackt. Immerhin: Der Krankenwagen ist schon da, eCall sei Dank. Das System übermittelt automatisch Unfallort und Fahrer-ID an die Rettungsstellen. Ein paar tausend Menschenleben soll das System jedes Jahr in Europa retten. Ich habe bei meinem eCall unlängst auch die Blutgruppen-Übermittlung aktiviert. Lieber ein paar Daten mehr in Umlauf bringen, als dass im Rettungswagen der richtige Blutbeutel fehlt.

Jetzt erst mal Sport gegen düstere Gedanken. Später, auf dem Heimweg, fragt der Autositz, ob ich mal wieder eine Massage möchte. Da sag ich nie Nein.


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