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Nation und Nationalismus | Das Deutsche Kaiserreich | bpb.de

Deutsches Kaiserreich Einführung Äußere und innere Reichsgründung Industrialisierung und moderne Gesellschaft Obrigkeitsstaat und Basisdemokratisierung Außenpolitik und Imperialismus Nation und Nationalismus Bürgerliche Kultur und ihre Reformbewegungen Sozialdemokratie zwischen Ausnahmegesetzen und Sozialreformen Quiz Teil I Quiz Teil II Quiz Teil III Redaktion

Nation und Nationalismus

Wolfgang Kruse

/ 7 Minuten zu lesen

Ursprünglich eine emanzipative Idee, entwickelte sich der Nationalismus im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr zu einer rechtsorientierten politischen Ideologie. Ein Reichsnationalismus entstand, der Feindbilder beschwor – außen wie innen. Mit dem Alldeutschen Verband schließlich trat der pangermanisch-völkische Nationalismus auf die Bühne, der eindeutig präfaschistische Züge aufwies: Er forderte die Schaffung einer homogenen, national, politisch und rassisch einheitlichen Volksgemeinschaft.

Das Niederwalddenkmal in Rüdesheim am Rhein sollte als Nationaldenkmal an die Einigung Deutschlands 1871 erinnern. Es wurde 1883 eingeweiht. Auf dem Sockel, auf dem die Germania steht, befindet sich die Inschrift: "ZUM ANDENKEN AN DIE EINMUETHIGE SIEGREICHE ERHEBUNG DES DEUTSCHEN VOLKES UND AN DIE WIEDERAUFRICHTUNG DES DEUTSCHEN REICHES 1870–1871" (© picture-alliance, imageBROKER | Michael Weber)

Die Nation war ursprünglich, seit der Französischen Revolution, ein fortschrittliches, gegen Fürstenherrschaft, Aristokratie und feudale Privilegienordnung gerichtetes, bürgerliches Emanzipationskonzept, das auf die nationale Volkssouveränität und die gleichberechtigte Verbindung sich selbst regierender Völker zielte. Zugleich nahm die damit verbundene Ideologie des Nationalismus immer mehr den Charakter einer säkularen Religion an, in der die überkommenen religiösen Sinnstiftungen in weltliche Orientierungen übertragen werden konnten und die überall in Europa eine hohe Massenwirksamkeit entfaltete. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Nationalismus dabei von einer links- zu einer rechtsorientierten politischen Ideologie, deren ursprünglich emanzipatorische Zielsetzungen zunehmend von Herrschaft legitimierenden Tendenzen abgelöst wurden. Gegen Ende des Jahrhunderts verband sie in Form eines „integralen Nationalismus“ die absolute Vorrangstellung der eigenen Nation nach Außen mit exklusiven Charakterisierungen des Nationalen nach Innen. Nationalismus und Patriotismus erschienen nun auch im deutschen Kaiserreich, wie der Liberale Ludwig Bamberger am Ende der Bismarck-Ära kritisch urteilte, zunehmend „im Zeichen des Hasses (…) gegen alles, was sich nicht blind unterwirft, daheim oder draußen“.

QuellentextDer nationalliberale Abgeordnete Hans Viktor von Unruh über seine auf einer Reise durch Baden und Württemberg 1871 gewonnen Eindrücke von der Reichsbegeisterung der Bevölkerung

Es ist bereits erwähnt worden, daß vor 1870 ein sehr großer Teil der konservativen Partei keine Sympathie für Errichtung eines deutschen Kaisertums hatte.

Es ist in meinem Hause passiert, daß ein Offizier sich weigerte, auf den künftigen deutschen Kaiser anzustoßen. Mit den Siegen 1870/71 änderte sich die Stimmung auch in diesen Kreisen. Bei einer Fußreise, die ich 1871 mit meinem ältesten Sohne durch den Schwarzwald und einen Teil von Baden und Württemberg machte, kehrten wir oft kleinen, ländlichen Gasthäusern ein und hatten Gelegenheit, mit Landleuten, Gastwirten, Förstern etc. zu sprechen. Überall herrschte Freude nicht nur über die Siege, sondern namentlich über die Wiedererichtung des deutschen Kaisertums. ‚Das werden wir uns nicht wieder nehmen lassen‘. Wurde oft geäußert. In allen Schenkstuben hingen, wenn auch schlechte, wohlfeile Bildnisse des Kaisers, Bismarck’s, des Kronprinzen und Moltke’s. Allerdings herrschte in diesen Schichten der Bevölkerung der Glaube, daß der Kaiser wirklicher Oberherr über die einzelnen Staaten sei. Mir wurde damals klar, daß die alte Kaisertradition, die in Preußen durch seine selbständige Geschichte verloren gegangen ist, im Süden Deutschlands noch fortlebte.

Wäre es nur zu einem Staatenbunde, mit dem König von Preußen an der Spitze, gekommen, so würde dieser mutmaßlich sehr wenig Sympathie in der süddeutschen Bevölkerung gefunden haben. Kaiser und Reich fanden enthusiastische Zustimmung. Der zähe Partikularismus steckt in den höheren Schichten, hauptsächlich in den Beamten!

Aus: Ritter, Das deutsche Kaiserreich, S. 180.

Der neue Reichsnationalismus

Nach der Reichsgründung war es erst einmal notwendig, die überkommenen partikularstaatlichen Identifikationen durch einen übergreifenden Reichsnationalismus wenn nicht zu ersetzen, so doch zu ergänzen und zu überwölben. Während klassische symbolische Repräsentationsformen wie Nationalhymne und -flagge im Kaiserreich keine offiziellen Ausgestaltungen fanden, bot sich an erster Stelle das Kaisertum als integrativer Bezugspunkt an, ergänzt durch die militärischen Erfolge in den Reichsgründungskriegen und die Identifikation mit dem "Reichsgründer" Otto von Bismarck. Wegen der preußischen Vorrangstellung im Reich erhielt der deutsche Nationalismus nicht nur eine borussische, sondern zugleich auch eine ausgesprochen protestantische Prägung, die dem eigentlich doch höchst säkularen Nationalstaat einen geradezu heiligen Charakter verleihen konnte. Im Zeitalter des Historismus war es allerdings nicht möglich, die Nation, wie in der heutigen Forschung, als eine „imagined community“ (Benedikt Anderson), als eine auf modernen Kommunikationszusammenhängen basierende „gedachte Ordnung“ zu betrachten. Sie bedurfte vielmehr vermeintlich objektivierender historischer Herleitungen und Ideologisierungen, die nicht zuletzt in nationalen Mythen ihren Ausdruck fanden. So wurde etwa Kaiser Wilhelm I. als „Barbablanca/Weißbart“ als Wiedergänger des Stauferkaisers Friedrich I. „Barbarossa/Rotbart“ imaginiert, der im Kyffhäuser-Gebirge nur geruht und auf sein nun neu geschmiedete Reich gewartet habe.

Neben eine Vielzahl von Kriegerdenkmälern zur Erinnerung an die Reichsgründungskriege mit der 1875 in Berlin eingeweihten „Siegessäule“ an der Spitze, traten die ebenfalls ausgesprochen kriegerisch geprägten Nationaldenkmäler des Kaiserreichs. Bereits 1875 wurde nach einer schon länger zurückreichenden Gründungsgeschichte bei Detmold im Teutoburger Wald das sog. Hermannsdenkmal eingeweiht, das der Erinnerung an die vom Fürsten Arminius angeführte germanische Erhebung gegen die römische Herrschaft im Jahre 9 unserer Zeitrechnung gewidmet war und sie zu einer frühen, germanischen Ausdrucksform deutsch-nationaler Identität und Selbstbehauptung im Kampf gegen „welsche“ Bedrohungen stilisierte. 1883 folgte das Niederwalddenkmal bei Rüdesheim am Rhein, auf dem eine bewehrte Germania die „Erbfeindschaft“ gegen Frankreich symbolisierte. Nach der Einweihung des Kyffhäuser-Denkmals in Thüringen 1896 folgte schließlich 1913, zur Erinnerung an die siegreichen „Befreiungskriege“ gegen das napoleonische Frankreich, am 100. Jahrestag das „Völkerschlachtdenkmal“ bei Leipzig, das nun – trotz des internationalen Charakters der antinapoleonischen Koalition – in aller Deutlichkeit die völkischen, auf nationale Geschlossenheit, Macht und Kampf abzielenden Inhalte des deutschen Nationalismus zum Ausdruck brachte.

Im Zeichen der nationalliberalen Mitwirkung an Reichsgründung, Verfassungsstiftung und Ausgestaltung des Kaiserreichs blieb der Reichsnationalismus aber auch weiterhin mit liberalen Vorstellungen von nationaler Freiheit und Selbstbestimmung verbunden, wie sie nicht zuletzt im 1894 eingeweihten Reichstagsgebäude zum Ausdruck kamen. Ein Schwerpunkt der „deutschen Idee von der Freiheit“ (Leonard Krieger) lag dabei allerdings von Anfang an auf der Freiheit von äußerer Fremdbestimmung. Hinzu kam der sinnstiftende Bezug auf die deutsche Kulturnation, wie er in einer Vielzahl von Denkmälern für Schiller und Goethe seinen klassischen Ausdruck fand. Nicht die Staatsbürgerschaft mit ihrem Anspruch auf gleiche Rechte und politische Selbstbestimmung stand im Mittelpunkt des deutschen Verständnisses der Nation, sondern der Zusammenhalt durch gemeinsame Herkunft, Sprache und Kultur. Das nun vielbeschworene Deutschtum erschien als eine höherwertige sittliche Kultur, überlegen nicht nur slawischer „Unkultur“, sondern auch einer als oberflächlich abqualifizierten, spezifisch „westlich“ begriffenen Zivilisation, die in der revolutionären Tradition Frankreichs und im englischen „Händlergeist“ ihren kulturzerstörerischen Ausdruck gefunden habe. Die Idee der Reichsnation verband sich schließlich mit Vorstellungen von einem positiven historisch-politischen Sonderweg Preußen-Deutschlands, wie sie von vielen Historikern propagiert wurden. Dieser deutsche Sonderweg hatte zum einen, anders als in Osteuropa, eine hochmoderne Staats- und Gesellschaftsordnung hervorgebracht, die zum andern aber, anders als im Westen, nicht von revolutionärem Umsturz und demokratischer Selbstregierung geprägt war, sondern von der Führung der Nation durch den starken Staat der preußischen Militärmonarchie.

Nationale Identität und Feindbildbeschwörung

Von Anfang an ging die Entwicklung des Reichsnationalismus auch mit der Beschwörung äußerer und innerer „Reichsfeinde“ einher, gegen die sich die Nation zusammenschließen und als „Volk in Waffen“ verteidigen müsse. Während sich dies nach Außen, von der Einhegung des französischen „Erbfeinds“ abgesehen, erst einmal mit einer defensiven, vor allem auf die Konsolidierung der neuen Großmacht in der Mitte Europas abzielenden Orientierung verband, rief das Bedrohungsgefühl im Innern von Anfang an aggressive Wendungen gegen vermeintliche Reichsfeinde hervor, die dem deutschen Nationalismus einen betont exklusiven Charakter verliehen. Als reichsfeindlich erschienen nicht nur die nationalen, einer kulturellen und wirtschaftlichen Germanisierungspolitik unterworfenen Minderheiten im Kaiserreich (Dänen, Franzosen, Litauer, Masuren, Polen), sondern auch alle politischen Gegner der offiziellen Reichspolitik wie linksliberale Fortschrittler, die im „Kulturkampf“ der 1870er Jahre als „ultramontane“ Kräfte aus der Nation ausgegrenzten Katholiken und vor allem die Sozialdemokraten mit ihren ebenso revolutionären wie internationalistischen Orientierungen. Sie wurden auch über die Verfolgung unter den Sozialistengesetzen (1878-1890) hinaus als „Reichsfeinde“ und „vaterlandslose Gesellen“ (Wilhelm II.) aus der Nation ausgeschlossen. Hinzu kam ein schwelender Antisemitismus, der insbesondere in wirtschaftlichen Krisenzeiten mit wachsender Polemik gegen eine reichsfeindliche „goldene Internationale“ der Juden aufglühte. Judenfeindschaft und Antisemitismus verbanden sich zunehmend auch mit einer völkisch-rassistischen Konzeption des Nationalismus, die auf die biologische Reinheit des deutschen „Herrenvolkes“ abzielte. In einem der meistverkauften Bücher des Kaiserreichs, Julius Langbehns 1890 veröffentlichter Schrift „Rembrandt als Erzieher“, hieß es über die Deutschen: „Sie sind, waren und werden sein Arier. Für diesen ihnen angeborenen Charakter sollen sie leben und streiten und sterben, wenn es sein muß! Denn im Grunde ist nur das Blut wert – das ureigene Blut – dass um seinetwillen ein Blut vergossen wird. (…) Die Deutschen sind bestimmt, den Adel der Welt darzustellen.“

QuellentextDer Historiker Hans Delbrück 1913 über die Germanisierungspolitik in den preußischen Ostprovinzen

(…) Im modernen Nationalstaat ist es eine ganz besonders schwierige Aufgabe, wenn wesentliche Elemente einer fremden Nation eingeschlossen sind.

Wie soll sich ein Staat der Deutschen, der doch ganz und gar auf das lebendige Bewußtsein des deutschen Volkes aufgebaut ist, damit abfingen, daß er nicht weniger als 4 Millionen Polen, und daneben noch Dänen im Norden, Franzosen im Westen, in seinem Reichs- und Staatskörper hat? Eine reine Lösung dieses Problems kann es wohl niemals geben. Man pflegt zu sagen und wird immer mit einem gewissen Recht sagen: die Polen sind schließlich nur Preußen auf Kündigung. Sie leisten den Eid auf die Verfassung, tun ihre Pflicht, arbeiten auch an den positiven augenblicklichen Aufgaben des Staates (…) – und trotzdem, wenn man sich vorstellt, daß die Weltgeschichte, oder, wie die Polen es ausdrücken, "wenn es Gottes Wille ist", einmal die Möglichkeit der Herstellung eines polnischen Nationalstaates zeigt, so werden sie das als ein höhere Gesetz ansehen und sich diesem Staate zuwenden. Wie soll man sich mit einem solchen Teil des Volkes abfinden? Entschlossene meinen, man müßte sie germanisieren. Das wurde dann auch vor 25 Jahren in Angriff genommen. Wir haben ja die Volksschule, den deutschen Schulmeister. Vom sechsten Jahr an lernen die polnischen Kinder das Deutsche, und was sie in der Schule gelernt haben, wird vollendet in der Armee; die polnischen Rekruten werden unter die deutschen Regimenter verteilt. Die ganze Verwaltung ist deutsch, die Amtssprache deutsch, alle höheren Beamten deutsch. Außerdem sind ungeheure Mittel aufgewendet, polnischen Grundbesitz aufzukaufen und stattdessen deutsche Bauern anzusiedeln. (…)

Der Germanisierung der Volksschule parallel ging die allmähliche Germanisierung des ganzen höheren Beamtenstandes. Während früher im höheren Beamtenstand, auch im Offizierskorps, zahlreiche Polen waren, sind sie allmählich so gut wie ganz daraus verschwunden. (…) Nun das Hauptmittel der Germanisierung der Ostmarken, die deutsche Bauernansiedelung. Wir haben da im ganzen über 120.000 deutsche Bauern (Seelenzahl) angesiedelt und dadurch ein wirklich bedeutendes Stück Deutschtum geschaffen. Ja, es ist sogar den Polen durch ein eigenes Gesetz sehr erschwert, sich selber in ihrer Heimat anzusiedeln. Kauft ein Pole ein Stück Land und will ein Haus bauen, so kann es ihm verboten werden. Dieses so tief in das Privateigentum eingreifende Ausnahmegesetz ist wirklich in seiner ganzen Härte sehr oft angewendet worden. (…)

Alle die ungewollten Folgen der schlecht durchdachten Germanisierungs-Maßregeln, der deutschen Volksschule, des deutschen Beamtentums, der deutschen Kolonisationen treffen nun in einem Brennpunkt zusammen: der Aufreizung des polnischen Nationalgefühls. (…)

Aus: Regierung und Volkswille. Eine akademische Vorlesung, Berlin 1914, abgedr. in: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellungen, Bd. 8, S. 186-88.

Wilhelminische Radikalisierung des Reichsnationalismus

In der wilhelminischen Phase des Kaiserreichs kamen zwei neue Faktoren hinzu, die den Reichsnationalismus weiter radikalisierten: Im Zeichen des Hochimperialismus ging die Reichspolitik von Konsolidierung und eher zauderndem Kolonialerwerb nun zu einer aggressiven „Weltpolitik“ über, die den „Kampf der Nationen“ nun im globalen Maßstab betreiben wollte. Und sie wurde dabei zugleich von neuen, bürgerlich geprägten Agitationsverbänden angetrieben, die die monarchische Regierung von rechts propagandistisch unter Druck zu setzen versuchten und dabei einen radikalen Nationalismus gegen äußere und innere „Reichsfeinde“ entwickelten. Bereits 1887 war die Deutsche Kolonialgesellschaft gegründet worden, es folgten der Deutsche Ostmarkenverein (1894), der Deutsche Flottenverein (1898), der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie (1904) und schließlich der Deutsche Wehrverein (1912). Einen besonders radikalen, pangermanisch-völkischen Nationalismus vertrat bereits seit 1891 der Alldeutsche Verband, dessen Vorsitzender Heinrich Class 1912 unter dem Titel „Wenn ich der Kaiser wäre“ eine weite Verbreitung findende programmatische Schrift veröffentlichte, die mit ihren Forderungen nicht nur nach einer expansionistischen Außenpolitik, sondern auch nach der Schaffung einer homogenen, national, politisch und rassisch einheitlichen Volksgemeinschaft eindeutig einen präfaschistischen Charakter aufwies.

Nicht alle Deutschen verstanden die Nation auf eine so aggressive Weise. Insbesondere die vermeintlich vaterlandslosen Sozialdemokraten entwickelten alternative Vorstellungen von einem auf nationale Volkssouveränität und internationale Verständigung zielenden Patriotismus. Sie wollten Deutschland mit den Worten des Parteiführers August Bebel erst „zu einem Land machen, wie es nirgends in der Welt in ähnlicher Vollkommenheit und Schönheit besteht“. Doch der nationalistische Mainstream entwickelte sich in eine andere Richtung. Die Weltpolitik wurde ideologisch begleitet von der Idee einer „deutschen Kulturmission“ in der Welt, am „deutschen Wesen“ sollte mit den nun immer häufiger zitierten Worten Emanuel Geibels für deutsche Kulturkrieger tatsächlich „die Welt genesen“. Und das galt im Zeichen eines verbreiteten Kulturpessimismus auch nach Innen. Neben der zweifelsfrei vorausgesetzten kulturellen und rassischen Unterlegenheit der kolonialisierten Völker, denen die deutschen Kolonialherren Paroli zu bieten hatten, erhielten auch die europäischen Feindbilder mit der kulturpessimistischen Polemik gegen eine vermeintlich das deutsche Volk bedrohende Zersetzung durch „slavische Unkultur“ und die alle traditionellen Bindungen auflösende „westliche Zivilisation“ eine zunehmend abwertende und immer aggressivere Note.

QuellentextDer Nationalökonom Max Weber über Nationalstaat Volkswirtschaftspolitik, 1895

Auch unsre höchsten und letzten irdischen Ideale sind wandelbar und vergänglich. Wir können sie der Zukunft nicht aufzwingen wollen. Aber wir können wollen, daß sie in unserer Art die Art ihrer eigenen Ahnen erkennt. Wir, mit unserer Arbeit und unserem Wesen, wollen die Vorfahren des Zukunftsgeschlechts sein.

Die Volkswirtschaftspolitik eines deutschen Staatswesens, ebenso wie der Wertmaßstab des deutschen volkswirtschaftlichen Theoretikers können deshalb nur deutsche sein.

Ist dem vielleicht anders, seit die ökonomische Entwicklung über die nationalen Grenzen hinaus eine umfassende Wirtschaftsgemeinschaft der Nationen herzustellen begann? Ist jener „nationalistische“ Beurteilungsmaßstab ebenso wie der „Nationalegoismus“ in der Volkswirtschaftspolitik seitdem zum alten Eisen zu werfen? – Ja, – ist denn der Kampf für die ökonomische Selbstbehauptung, für das eigene Weib und Kind überwunden, seit die Familie ihrer einstigen Funktionen als Produktionsgemeinschaft entkleidet und verflochten ist in den Kreis der volkswirtschaftlichen Gemeinschaft? Wir wissen, es ist nicht der Fall: dieser Kampf hat andere Formen angenommen, – Formen, von denen sich noch fragen ließe, ob sie als eine Milderung und nicht vielmehr als eine Verinnerlichung und Verschärfung anzusehen seien. So ist auch die volkswirtschaftliche Gemeinschaft nur eine andere Form des Ringens der Nationen miteinander, und eine solche, welche den Kampf für die Behauptung der eigenen Kultur nicht gemildert, sondern erschwert hat, weil sie materiellen Interessen im eigenen Schoße der Nation als Bundesgenossen gegen deren Zukunft in die Schranken ruft.

Nicht Frieden und Menschenglück haben wir unseren Nachfahren mit auf den Weg zu geben, sondern den ewigen Kampf um die Erhaltung und Emporzüchtung unserer nationalen Art. Und wir dürfen uns nicht der optimistischen Hoffnung hingeben, daß mit der höchstmöglichen Entfaltung wirtschaftlicher Kultur bei uns die Arbeit gethan sei und die Auslese im freien und „friedlichen“ ökonomischen Kampfe dem höher entwickelten Typus alsdann von selbst zum Siege verhelfen werde.

Aus: Max Weber, Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik, Akademische Antrittsrede, Freiburg i. Br. U. Leipzig 1895, S. 18f.

Nationalismus und Sozialdarwinismus

Im Zeitalter des Imperialismus wurde der Nationsbegriff schließlich auch mit sozialdarwinistischen Vorstellungen verbunden. Nationale Stärke und Kampfbereitschaft sollten den nationalen „Volkskörper“ in den Auseinandersetzungen mit anderen Nationen um die Beherrschung der Welt auszeichnen, und als besonders geeignetes Mittel sowohl für den nationalen Konkurrenzkampf als auch für die notwendige innere Ertüchtigung des deutschen Volkes erschien der Krieg. Kein geringerer als der ehemalige Leiter der kriegsgeschichtlichen Abteilung im Preußischen Generalstab, General Friedrich v. Bernhardi, propagierte 1912 beispielsweise in seinem großen Bucherfolg „Deutschland und der nächste Krieg“ nicht nur eine aggressive Kriegspolitik des Kaiserreiches, sondern er bestimmte den Krieg zugleich auch als eine „biologische Notwendigkeit“ für Volk und Nation: „Ohne den Krieg aber“, so argumentierte er, „würden nur allzu leicht minderwertige und verdorbene Rassen durch Masse und Kapitalmacht die gesunden, kernkräftigen Elemente überwuchern, und ein allgemeiner Rückgang müßte die Folge seine. In der Auslese besteht die Schöpferkraft des Krieges.“

QuellentextHeinrich Class, Programm der nationalen Volksgemeinschaft

Die Reichsreform als Ganzes

Die letzten Erörterungen bezüglich der Großbanken und Warenhäuser haben schon in Einzelfragen hineingeführt, die mit den grundsätzlich bei der Reichsreform geforderten Gegenleistungen der Gebildeten und Besitzenden an sich ursächlich nichts zu tun haben, die aber aus Zweckmäßigkeit an dieser Stelle mit erledigt werden konnten; zusammenfassend sei darauf hingewiesen, daß mein Reformvorschlag ein einheitliches Ganzes ist, das dahin umschreiben werden kann: Ersatz des allgemeinen gleichen Wahlrechts durch ein geeignetes Klassen- oder Mehrstimmenwahlrecht bei gleichzeitigem Übergang zum parlamentarischen System unter persönlichen Gegenleistungen der Gebildeten und Besitzenden auf dem Gebiete der politischen Arbeit.

Mit scheint es nicht zweifelhaft, daß durch eine solche Reform die Grundlage für ein gesundes politisches Leben der Nation geschaffen werden kann; der Ekel, der ihm die ernstesten und wertvollsten Kräfte entfremdet hat, wird verschwinden, und wir werden es wieder erleben, daß Männer von großer Auffassung und tiefer Kenntnis des deutschen Volkes und seiner Bedürfnisse sich dem Vaterlande für die politische Arbeit zur Verfügung stellen. Während die vorgeschlagenen Maßnahmen eingeführt und gesichert werden, läßt die politische Mitarbeit sich nicht gesetzlich erzwingen, aber man wird darauf bauen dürfen, daß sie gerne geleistet wird, wenn erst die Möglichkeit ersprießlichen Schaffens sich wieder zeigt.

Kampf gegen den Umsturz

Damit wäre also das politische Leben gesundet – aber, wie man sofort bemerken wird, nur soweit es sich parlamentarisch abspielt; das öffentliche Leben außerhalb des Parlamentes würde sich kaum ändern, vielleicht sogar noch mehr verwildern, indem die Sozialdemokratie durch das Schlagwort von der Entrechtung des Volkes die Massen weiter verhetzen würde; wer denkt nicht an die Möglichkeit revolutionärer Erhebungen? Deshalb ist es unter allen Umständen nötig, gesetzgeberisch Maßnahmen zu treffen, die den volks- und staatverräterischen Hetzern das Handwerk gründlich legen. (…) Man greife zurück auf den Entwurf des Sozialistengesetzes, den Bismarck im Jahre 1878 dem Reichstag vorgelegt hat und lasse ihn Gesetz werden ohne die Verwässerungen, die damals vom Parlament beliebt wurden. Danach wäre zu verbieten alles, was Bestrebungen dient, die darauf ausgehen, die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung zu untergraben oder solches befürchten lassen; also Versammlungen, Vereine, Zeitungen, Zeitschriften solcher Tendenz werden nicht geduldet, im übrigen müssen alle die Vorbeugungsmaßregeln eingeführt werden, die der Entwurf vom September 1878 vorsah. Aber man muß einen Schritt weitergehen.

Eine radikale Arbeiterpartei, die auf dem Boden des Staates, der Nation, der Monarchie steht, kann unser öffentliches Leben verdauen, vielleicht sogar ganz gut gebrauchen, um die Gewissen gegenüber jeder Hinneigung zu einer "Bourgeoispolitik" nötigenfalls zu wecken – nicht aber eine dem Anarchismus zutreibende Vertretung der Massen, die dem eigenen Volke, dem eigenen Vaterlande die Absage erteilt hat. Eine Mauserung der Sozialdemokratie unter jüdischer Führung ist ausgeschlossen, auch eine langsame Abwendung vom Internationalismus. Es heißt deshalb, der Masse die Gelegenheit zur Umkehr oder zum Haltmachen dadurch zu bereiten, daß man sie von der jetzigen Führerschaft befreit, indem alle Reichstags- und Landtagsabgeordneten, alle Parteibeamten, alle Herausgeber, Verleger, Redakteure sozialistischer Zeitungen und Zeitschriften, alle sozialistischen Gewerkschaftsführer – kurz alle im Dienste der sozialistischen Propaganda Stehenden aus dem Deutschen Reiche ausgewiesen werden; dasselbe gilt natürlich auch für alle Anarchisten.

Man wird nicht sentimental sein dürfen (…) Der Kampf ist aufgenommen und beginnt, und der Staat muß entschlossen sein, von den Verteidigungsmitteln Gebrauch zu machen, die das neue "Umsturzgesetz" ihm verleiht; jeder neu auftretende Führer muß sofort des Landes verwiesen werden, wenn er revolutionär wirkt; jede parteilos gegründete Zeitung, die Miene macht, sozialistisch im Sinne der Staatsfeindlichkeit zu werden, muß unterdrückt werden; jede Versammlung ist aufzulösen, die im Sinne der sozialistischen Propaganda mißbraucht zu werden droht. Man muß auch mit bewaffnetem Widerstande rechnen, der unbedingt niederzuschlagen wäre, indem man daran denkt, daß entschlossenes und rasches Eingreifen im Ergebnis viel weniger grausam ist, als das zaghafte und zögernde, das den Übermut der Gesetzlosen nur reizt. (…) steht ein Streik bevor, so soll der dadurch betroffene Arbeitgeber – bei mehreren alle zusammen und jeder einzelne – befugt sein, den geographischen Bezirk, in dem sein Betrieb liegt, unter Streikschutz zu stellen; die Verwaltungsbehörde würde dann den Befehl erlassen, daß im Umkreis von soundsoviel Kilometern (dessen Umfang nach dem Schutzzwecke im einzelnen Falle festzusetzen sein wird) von dem oder den betroffenen Betrieben jede Ansammlung von Personen, jedes Aufstellen von sog. Streikposten, jedes Anreden Arbeitswilliger durch Angehörig der Streikpartei an sich verboten wird. Wer gegen dies Verbot verstößt, ohne sich sonst einer strafbaren Handlung schuldig zu machen, kann in Sicherheitshaft genommen werden, und die Verwaltungsbehörde hat das Recht je nach der größeren oder geringeren Gespanntheit der Lage im Streikgebiet diese Haft auf die ganze Dauer des Streiks auszudehnen. (…)

Die Presse

Schon wiederholt ist der Rolle gedacht worden, die die Presse, d. h. die jüdisch-sozialistische und jüdisch-pseudoliberale Presse als Mitveranlasserin der mannigfachen Schäden spielt, an denen jetzt unser Volksleben leidet, und zuletzt ist darauf hingewiesen worden, daß zur wirkungsvollen Bekämpfung der Sozialdemokratie die vollständige Unterdrückung ihrer Parteipresse notwendig ist.

Aber damit sind die Übel nicht beseitigt, die von der Presse kommen, da auch außerhalb der sozialistischen manche Quelle des Unheils fließt. Man denke nur an die verwüstende Tätigkeit der Berliner jüdisch-radikal-demokratischen Zeitungen vom "Berliner Tageblatt‘" bis zur "Welt am Montag" und man weiß, daß fast in jeder größeren Stadt ähnliche Blätter erscheinen (…) Nichts steht solchen Blättern fest, nichts ist ihnen heilig; ohne Ehrfurcht und Scheu wird mit flacher Afterlogik alles Bestehende vor den Richterstuhl der sog. Vernunft gezogen; nur eines ist sicher vor ihren Angriffen, das unantastbare Judentum. Die Redakteure sind Juden oder durch ihre Schule gegangen, von ihnen abhängig, und was sie schreiben, entflieht jüdischer Gesinnung oder entspricht jüdischer Auffassung, Diese Presse ist die stärkste Waffe des Judentums.: Sie schlägt oder schweigt tot, was ihm gefährlich werden könnte (…)Unser Volk muß eigentlich im Kerne unverwüstlich sein, daß es dieser Presse noch nicht gelungen ist, die letzten Bande der Ordnung zu lösen – aber nicht länger dürfen wir es solcher Einwirkung aussetzen, und deshalb muß eine Reform des Preßrechts gefordert werden, in der alle Erfahrungen des bishegien Zusatnds unter dem Gesichtspunkt beachtet werden, daß die weitere Vergiftung des Volkes verhindert wird. (…)

Die Juden unter Fremdenrecht

Eine Gesundung unseres Volkslebens, und zwar aller seiner Gebiete, kulturell, moralisch, politisch, wirtschaftlich, und die Erhaltung der wieder gewonnenen Gesundheit ist nur möglich, wenn der jüdische Einfluß entweder ganz ausgeschaltet oder auf das Maß des Erträglichen, Ungefährlichen zurückgeschraubt wird. Bei der Erörterung des nach dieser Richtung Notwendigen wird man sich darüber klar sein, daß der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden muß – aber so sehr derartiges dem gerechten Deutschen schmerzlich sein mag: es ist besser, eine gewisse Zahl hochstehender Juden leidet unter der Schuld ihrer minder wertvollen Stammesgenossen, als das ganze deutsche Volk wird durch das Gift dieser letzteren zugrunde gerichtet. Es rächt sich eben an den guten Juden vor allem der Fehler, den sie aus dem Gefühl der Rassensolidarität begangen haben, als sie nicht selbst dafür eintraten, daß die Einwanderung aus dem Osten im Augenblich der Emanzipation verboten wurde.

Daß heute die Grenzen vollständig und rücksichtslos gegen jede weitere jüdische Einwanderung gesperrt werden, ist unbedingt geboten, genügt aber längst nicht mehr. Ebenso selbstverständlich ist es, daß die fremden Juden, die noch kein Bürgerrecht erworben haben, schnellstens und rücksichtslos bis auf den letzten Mann ausgewiesen werden – aber auch das genügt nicht.

So hart es der deutschen Gerechtigkeit wird: wir müssen die Rechte der ansässigen Judenschaft allgemein beschränken, so leid es jedem einzelnen von uns tun wird, wenn der Gute neben dem Schlechten getroffen wird; in solchem Falle darf man nur auf die Notwendigkeit setzen und muß sein Herz dem Mitleid verschließen; jedes Zugeständnis an unverdient Leidende würde die Ringe der Rüstung lösen, die wir uns schaffen müssen. Die Forderung muß sein: die landansässigen Juden werden unter Fremdenrecht gestellt.

Die Vorfrage lautet: wer ist Jude, und schon sie muß mit Härte beantwordet werden, indem man zwar den Glauben als ursprüngliches Erkennungszeich ansieht, aber die Rassenangehörigkeit ins Auge faßt und auch den vom jüdischen Glauben Abgewandten als Juden behandelt, gleichzeitig auch für die Nachkommen von Mischehen an dem alten germanischen Grundsatze festhält, daß sie der "ärgeren Hand" folgen. Man müßte, um durchzuschlagen, bestimmen: Jude im Sinne des geforderten Fremdenrecht ist jeder, der am 18. Januar 1871 der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hat, sowie alle Nachkommen von Personen, die damals Juden waren, wenn auch nur ein Elternteil jüdisch war oder ist. (…)

Sonach stünde fest, wer Jude ist und unter Fremdenrecht gestellt werden soll; was aber soll das Fremdenrecht bestimmen? Es soll den Strich zwischen Deutschen und Juden ziehen und die Möglichkeiten einschränken, eine volksschädigende Wirkung auszuüben. Dazu gehören folgenden Maßnahmen: Den Juden bleiben alle öffentlichen Ämter verschlossen, einerlei ob gegen Entgelt oder im Ehrenamt, einerlei ob für Reich, Staat und Gemeinde. Zum Dienst in Heer und Flotte werden sie nicht zugelassen.

Sie erhalten weder aktives, noch passives Wahlrecht. Der Beruf der Anwälte und Lehrer ist ihnen versagt; die Leitung von Theatern desgleichen. Zeitungen, an denen Juden mitarbeiten , sind als solche kenntlich zu machen; die andern, die man allgemeine "deutsche" Zeitungen nennen kann, dürfen weden in jüdischem Besitze stehen, noch jüdische Leiter und Mitarbeiter haben.

Banken, die nicht rein persönliche Unternehmen einzelnder sind, dürfen keine jüdischen Leiter haben. Ländlicher Besitz darf in Zukunft weder in jüdischem Eigentum stehen, noch mit solchen Hyptheken belastet werden. Als Entgelt für den Schutz, den die Juden als Volksfremde genießen, entrichten sie doppelte Steuern wie die Deutschen. (…)

Andere Volksfremde

Weil wir von den Juden als Volksfremden gesprochen haben, so seien auch in diesem Zusammenhange die übrigen Volksfremden behandelt, deren Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche den Deutschen Nöte bereitet; hierher gehören die Polen im Osten, im Westen die Franzosen und die Dänen im Norden. (…) Die Losung lautet: entschlossene Kampfpolitik gegen die Polen durch die Anwendung der Enteignung und die Einführung des Parzellierungsverbots (…) Ausdehnung der Kampfgesetzte auf alle vom polnischen Ansturm gefährdeten Landesteile, besonders also auf Oberschlesien. Aber darauf darf man sich nicht beschränken. Der Staat muß klar zum Ausdruck bringen, daß Angehörige eines Volkes, das sich ihm feindlich gegenüberstellt, keinen Anspruch darauf haben, an der Regierung und Verwaltung teilzunehmen. (…)

Volksgesundheit

Alle Reformen am politischen Körper des Deutschen Reiches werden sich nur lohnen, wenn das deutsche Volk seines Daseins wert ist. Eine rassig entartete, sittliche verwüstete und kulturell herabgekommene Bevölkerung des reichsdeutschen Bodens wäre wohl staats- und völkerrechtlich das "deutsche" Volk, solange der von ihr bewohnte Staat nicht zusammengebrochen wäre – das deutsche Volk wäre sie nicht, für das die bewußten Deutschen dieser Tage kämpfen und sich sorgen, nicht das deutsche Volk, dem unsere Großen entstammen, die Helden des Geistes und der Tat. Ein Mischmaschvolk als Nutznießer der Schöpfung Bismarcks ist ein unerträglicher Gedanke – lieber ein Ende mit Schrecken, aber in Ehren, als ein Fortbestehen, das den deutschen Namen entweiht. (…)

Aus: Daniel Fryman (Pseudonym Class), Wenn ich der Kaiser wär‘ – Politische Wahrheiten und Notwendigkeiten, Leipzig 1913, S. 64ff.

Quellen / Literatur

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Tacke, Charlotte: Denkmal im sozialen Raum. Nationale Symbole in Deutschland und Frankreich im 19. Jahrhundert, Göttingen 1997.

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Weichlein, Siegfried: Nation und Region. Integrationsprozesse im Bismarckreich, Düsseldorf 2004.

Fussnoten

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Apl. Prof. Dr. Wolfgang Kruse, geb. 1957, ist Akademischer Oberrat und außerplanmäßiger Professor im Arbeitsbereich Neuere Deutsche und Europäische Geschichte am Historischen Institut der Fernuniversität Hagen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des Ersten Weltkriegs, die Geschichte der Französischen Revolution, Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung und die Geschichte des politischen Totenkults. Von Kruse ist u.a. erschienen: Wolfgang Kruse: Der Erste Weltkrieg, Darmstadt 2009 (Geschichte Kompakt der WBG).