Die Vereinigten Staaten von Amerika wollen dem Pentagon zufolge 5.000 der über 36.000 bislang hierzulande stationierten Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland abziehen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ordnete diesen Schritt Anfang Mai an. So soll der Abzug in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein. US-Präsident Donald Trump sprach sogar von „weit mehr als 5.000“.
Warum will Trump die Truppen abziehen?
Offiziell begründen die Vereinigten Staaten den geplanten Abzug mit einer Reorganisation der amerikanischen Truppen in Europa. Die Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums folgte zeitlich auf die Ende April geäußerte Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an der amerikanischen Kriegsführung, sowie auf Donald Trumps wiederholte Vorwürfe einer aus seiner Sicht unzureichenden europäischen Unterstützung im von den USA und Israel geführten Iran-Krieg. Während einige politische Beobachter einen Zusammenhang zwischen der Ankündigung des Truppenabzugs und den jüngsten Spannungen zwischen dem US-Präsidenten und dem Bundeskanzler sehen, betont Friedrich Merz, dass auf US-Seite bereits seit längerem über entsprechende Abzugspläne gesprochen worden sei. Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte, die US-Pläne seien „absehbar“ gewesen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump einen Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland ankündigt.
Während es damals aus Sicht von Expertinnen und Experten keine unmittelbare Bedrohung der europäischen NATO-Staaten gab, sieht das seit der russischen Vollinvasion in der Ukraine anders aus.
Warum sind US-Truppen in Deutschland stationiert?
Nach dem
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 erhielt Westdeutschland nur eingeschränkte Souveränität. Dazu gehörten sämtliche Befugnisse der militärischen und auswärtigen Angelegenheiten. Auch nach dem formalen Ende des Besatzungsstatus durch die 1955 in Kraft getretenen Pariser Verträge blieb die Souveränität begrenzt. Die westlichen Alliierten behielten ihre Rechte zur Stationierung von Truppen – und dies explizit auch für ein eines Tages wiedervereintes Deutschland. Zudem besaßen die Alliierten auch weiterhin die Möglichkeit, in Notstandssituationen die volle Kontrolle über die Staatsgewalt zu übernehmen.
Vor allem aufgrund des sich rasch zuspitzenden
Seine volle Souveränität erlangte Deutschland mit dem Inkrafttreten des
Welche strategische Rolle spielen die US-Truppen?
Nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges reduzierten die USA ihre Truppen in Deutschland deutlich von rund 70.000 US-Soldaten zur Jahrtausendwende auf etwa 46.000 im Jahr 2008. Ab Mitte des vergangenen Jahrzehnts blieb die Zahl der in Deutschland stationierten, aktiven Truppen einigermaßen stabil. Im Sommer 2020 belief sich die Zahl der US-Soldaten hierzulande auf gut 36.000.
Grundsätzlich blieb Deutschland auch nach Ende des Kalten Krieges ein wichtiger Standort für die US-Truppen. Das liegt zum einen an seiner für die USA strategisch günstigen geografischen Lage: Sowohl die Südost- als auch die Nordostflanke der NATO sind schnell erreichbar. Auch für Einsätze in Asien und Afrika dient Deutschland als wichtiges Drehkreuz, etwa in Iran, sowie zuvor im
Während unter Trump 2020 der Abzug eines Teils der Truppen geplant war, setzte Präsident Biden diese Pläne nicht um und verstärkte zeitweise sogar die Präsenz. In den Wochen vor und kurz nach Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 entsandte er neue Einheiten nach Deutschland – als „Abschreckung gegen die russische Aggression“. In Trumps zweiter Amtszeit (seit Januar 2025) ist die USA zunehmend von Europa abgerückt. Bezüglich des Krieges in der Ukraine verfolgt die US-Administration gegenüber der Regierung in Moskau einen entgegenkommenderen Kurs. Das Interesse Washingtons an einer starken Truppenpräsenz in Europa nahm zuletzt ab – insbesondere aufgrund der Fokussierung der US-Außenpolitik auf den indopazifischen Raum.
Wo sind die wichtigsten US-Stützpunkte in Deutschland?
Laut US-Militär waren Mitte April 2026 rund 86.000 amerikanische Soldatinnen und Soldaten in Europa stationiert – davon zum Beginn des Jahres über 36.000 in Deutschland. Weltweit hat das Pentagon in keinem fremden Land außer Japan (mit fast 54.000) mehr Soldatinnen und Soldaten stationiert als hierzulande.
Die Vereinigten Staaten betreiben mehrere Stützpunkte in Deutschland. Diese sind noch immer von großer Bedeutung für das US-Militär, nicht nur logistisch. Schon mit
Die Air Base in Ramstein in Rheinland-Pfalz ist bis heute der größte Stützpunkt der Vereinigten Staaten in Europa. Sie ist die zentrale Luftdrehscheibe für Einsätze bis in den Nahen und Mittleren Osten. Ramstein ist als größter US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb der USA ein strategisches Zentrum der amerikanischen Luftwaffe und von großer Bedeutung für US-Drohneneinsätze. Neben Drohnen werden dort auch die Raketeneinsätze im Nahen und Mittleren Osten koordiniert. Im derzeitigen Iran-Krieg spielt der Stützpunkt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Der größte Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte außerhalb der Vereinigten Staaten liegt in Vilseck, in der Nähe der Stadt Grafenwöhr in Bayern. Der Stützpunkt ist auch eine zentrale Ausbildungsdrehscheibe für Nato-Einheiten. Im ebenfalls in Bayern gelegenen Illesheim befindet sich zudem ein wichtiger Hubschrauberflugplatz, im Ernstfall könnten die Vereinigten Staaten von dort aus zügig Truppen an die Nato-Ostflanke verlegen. Die Hauptquartiere des Afrika-Kommandos (Africom) und des Europa-Kommandos (Eucom) der US-Armee sind in Stuttgart angesiedelt. In Wiesbaden befindet sich der Sitz des US-Heeres in Europa.
Die US-Streitkräfte flogen in den vergangenen Jahren Verwundete oft nach Deutschland aus. Das US-Hospital in Landstuhl in der Nähe von Ramstein ist das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten. Aktuell wird in direkter Nähe der Airbase Ramstein in Weilerbach ein neues und noch größeres US-Militärkrankenhaus gebaut, das die Klinik in Landstuhl sowie die Klinik der Air Force auf der Air Base Ramstein ersetzen soll.
Welche Stützpunkte sollen von einem Abzug betroffen sein?
Mehrere Medien berichteten im Mai unter Berufung auf US-Militärs, dass der Stützpunkt im oberpfälzischen Vilseck in Bayern vom Abzug betroffen sein soll. Demnach würde das 2. Kavallerieregiment der US Army dauerhaft abrücken. Den Angaben zufolge sollen 5.000 der dort stationierten Soldatinnen und Soldaten das Land verlassen – gut 8.000 würden dort verbleiben.
Weder das US-Militär noch die Regierung in Washington haben bislang offiziell mitgeteilt, welche Einheiten tatsächlich betroffen sein sollen
Kommt der Teilabzug tatsächlich?
Noch ist offen, ob die 5.000 am Ende tatsächlich abgezogen werden – zuletzt verkündete Trump an, 5.000 zusätzliche US-Soldaten nach Polen entsenden zu wollen. Ob das mit der Ankündigung Deutschland betreffend zusammenhängt, wird spekuliert, bleibt aber unklar.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius habe „nach wie vor keine wirklich belastbare Bestätigung“ erhalten. Man wisse lediglich, dass die die USA die Zahl ihrer Brigaden in Europa um einen Verband verringern wollten.
Welche Folgen hätte der Abzug für die Sicherheit Deutschlands und Europas?
Die meisten politischen Beobachterinnen und Beobachter gehen nicht davon aus, dass die Verlegung von mehreren Tausend Soldatinnen und Soldaten der Landeverteidigung und der Reaktionsfähigkeit der NATO ernsthaft schaden würde. Zum Teil wird jedoch darauf verwiesen, dass der Schritt die Glaubwürdigkeit und den Zusammenhalt der NATO schwächen könnte. Mit Blick auf eine mögliche Abschreckung sehen zumindest manche Expertinnen und Experten mit Sorge, dass Trump die zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland 2024 getroffene Vereinbarung zur Stationierung von Marschflugkörpern und Hyperschallraketen in Rheinland-Pfalz nicht umsetzen will.
Welche wirtschaftlichen Folgen hätte der Abzug? Die US-Truppen sind in den Regionen, in denen sie stationiert sind, teils von großer Bedeutung für die örtliche Wirtschaft – die Stützpunkte sind wichtige Arbeitgeber und die Soldatinnen und Soldaten sowie deren Angehörige zudem Konsumenten. „Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern“, sagte jüngst Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein der Nachrichtenagentur dpa. In der mutmaßlich wohl von einem Abzug betroffenen nördlichen Oberpfalz sind laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks gut 2.500 Menschen aus der Region direkt beim US-Militär angestellt.