Fast 118 Millionen aus ihrer Heimat Vertriebene und Geflüchtete
Im Jahr 2025 ist die Zahl der weltweit aus ihrer Heimat durch Verfolgung, Konflikte, Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen vertriebenen Menschen laut dem Externer Link: „Global-Trends“-Report des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) erstmals seit 2016 zurückgegangen – um 4 Prozent auf 117,8 Millionen. Insgesamt 14,7 Millionen Vertriebene kehrten 2025 dem Bericht zufolge in ihre Heimat zurück, die meisten davon Binnenvertriebene. 4,4 Millionen davon hatten Schutz im Ausland gesucht. Allerdings kehrten die meisten von ihnen laut UNHCR aufgrund des gestiegenen Drucks in den Aufnahmeländern zurück. In ihren Herkunftsländern stehen viele Menschen vor dem Problem einer mangelhaften Grundversorgung (etwa in den Bereichen Wasser und Sanitär, Gesundheit und Sicherheit) und stark eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten.
Die Zahlen des UNHCR sind Schätzungen und beziehen sich auf Asylsuchende, Flüchtlinge und andere Menschen, die internationalen Schutz suchen. Ende 2024 waren es laut UNHCR noch gut 123 Millionen, was im Vergleich zu 2023 einen Anstieg um 5 Prozent bedeutete. Im Zeitraum von 2012 bis 2024 hatte sich die Zahl der Geflüchteten und Binnenvertriebenen fast verdreifacht. Die Zahl der Asylsuchenden lag Ende 2025 bei rund 9 Millionen.
70 Prozent aller Geflüchteten stammen aus Gebieten „langanhaltender Krisensituationen“. Im Jahr 2025 flohen knapp 5,4 Millionen Menschen in andere, vorwiegend benachbarte Länder. Fast 60 Prozent dieser Geflüchteten stammten dabei aus acht Ländern: Sudan (952.700), Ukraine (788.100), Venezuela (455.300), Südsudan (232.800), Burkina Faso (221.300), Afghanistan (191.400), Mali (177.200) und Myanmar (165.400).
Tausende Menschen sterben auf der Flucht Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration der Vereinten Nationen (IOM) sind im vergangenen Jahr weltweit mindestens 7.667 Menschen auf Migrationswegen gestorben oder werden vermisst. Die offizielle Zahl ist damit niedriger als 2024. Die tatsächliche Zahl der Todes- und Vermisstenfälle ist laut der IOM vermutlich deutlich höher, da viele mangels offizieller Quellen und aufgrund mangelnder Finanzierung von humanitären Organisationen nicht dokumentiert wurden. Mindestens 2.185 Menschen starben nach IOM-Angaben im Mittelmeer oder wurden dort als vermisst gemeldet.
Seit 2001 gibt es den Weltflüchtlingstag
Im Januar 2001 hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen (United Nations, UN) mit der Resolution 55/76 den 20. Juni zum jährlichen Weltflüchtlingstag erklärt. Einerseits wollten die Vereinten Nationen damit an den 50. Jahrestag der Unterzeichnung des „Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“ (besser bekannt als „Genfer Flüchtlingskonvention“) erinnern, das als wegweisend gilt für die Arbeit des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (engl. United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR). Andererseits fiel die Wahl auf den 20. Juni, weil die Organisation für Afrikanische Einheit, die Vorläuferorganisation der Afrikanischen Union, für dieses Datum zuvor bereits den „Afrikanischen Flüchtlingstag“ ausgerufen hatte.
Die meisten Geflüchteten sind Binnenvertriebene
Mehr als die Hälfte der Vertriebenen und Geflüchteten weltweit sind Binnenvertriebene. Laut UNHCR, das sich auf Zahlen des Internal Displacement Monitoring Center beruft, sind dies 68,7 Millionen. Die meisten palästinensischen Geflüchteten fallen nicht unter das Mandat des UNHCR, sondern werden vom Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (engl. United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East, UNRWA) unterstützt. 70 Prozent der binnenvertriebenen Palästinenserinnen und Palästinenser werden deshalb nicht in der UNHCR-Statistik für Binnenvertriebene mitgezählt.
Definitionen laut Genfer Flüchtlingskonvention
Die Genfer Flüchtlingskonvention gilt bis heute als das wichtigste Dokument für den völkerrechtlichen Schutz von Menschen auf der Flucht. Das Abkommen legt unter anderem fest, wer als Flüchtling gilt und welcher völkerrechtliche Schutz mit diesem Status einhergeht. Das UNHCR überwacht die Umsetzung der Konvention. Der Kernauftrag des UNHCR-Mandats betrifft Flüchtlinge, und meint damit „alle Personen außerhalb ihres Herkunftslandes“, die sich dort „aus Gründen von befürchteter Verfolgung, Konflikten, allgemeiner Gewalt oder anderen Umständen, die nachhaltig die öffentliche Ordnung aus dem Gleichgewicht gebracht haben“ aufhalten und „internationalen Schutz“ brauchen.
Binnenvertriebene (Internally Displaced Persons) fliehen innerhalb ihres eigenen Landes, etwa vor Verfolgung, Krieg, Konflikten oder Naturkatastrophen. Sie stehen nicht unter dem Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention, ihr Heimatland ist für den Schutz ihrer Rechte zuständig. Seit 2005 unterstützt das UNHCR allerdings auch diese Menschen, etwa bei der Verwaltung von Unterkünften und Flüchtlingslagern.
Hohe Zahl Rückkehrender
Deutlich mehr Menschen als im Vorjahr, insgesamt 14,7 Millionen, kehrten dem UNHCR-Bericht zufolge 2025 in ihre Heimat zurück: 4,4 Millionen Geflüchtete, die im Ausland Schutz gesucht hatten, und über 10 Millionen Binnenflüchtlinge. Davon entfielen laut UNHCR mehr als 90 Prozent auf Afghanistan (1,9 Millionen), Syrien (1,3 Millionen) und Sudan (651.500). 2024 waren noch insgesamt 9,8 Millionen Geflüchtete oder Binnenvertriebene nach Hause zurückgekehrt. Damals wie heute erfolgt die Rückkehr jedoch meist unter widrigen Umständen: Flüchtlinge aus Afghanistan etwa sahen sich oft aufgrund von politischen Kurswechseln in ihren Aufnahmeländern zur Rückkehr gezwungen. Aus Iran oder Pakistan wurden sie teilweise gewaltsam wieder vertrieben. Geflüchtete aus Syrien, Sudan und Südsudan kehrten trotz unsicherer Lage, unzureichender Grundversorgung und begrenzter Erwerbsmöglichkeiten zurück.
Aktuelle Krisen
Sudan
Der Interner Link: Krieg im Sudan ist laut UNHCR „die weltweit größte Vertreibungskrise“. Im Zuge der Kämpfe zwischen dem sudanesischen Militär und den paramilitärischen „Rapid Support Forces“ befanden sich im April 2026 insgesamt rund 11,5 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen auf der Flucht, davon 6,7 Millionen innerhalb des Sudan selbst. Ende 2024 wurde in Teilen des Landes offiziell eine Hungersnot ausgerufen, seither hat sich die Situation weiter zugespitzt. Wie in den meisten Fluchtkrisen müssen viele Betroffene mehrmals fliehen.
Ukraine
Interner Link: Die russische Vollinvasion seit Februar 2022 ist in der Ukraine Hintergrund der anhaltend hohen Zahl von Vertriebenen. Weltweit waren Ende April 2026 dem UNHCR zufolge rund 5,8 Millionen Menschen aus der Ukraine als Flüchtlinge registriert – der Großteil davon in Europa. Zuletzt lebten allein in Deutschland etwa 1,3 Millionen Geflüchtete aus der Ukraine. Ende 2025 waren zudem gut 3,7 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer Geflüchtete im eigenen Land.
Myanmar
Seit dem Militärputsch im Jahr 2021 befindet sich Myanmar im Bürgerkrieg. Im Juni 2026 waren gut 3,8 Millionen Menschen innerhalb des südostasiatischen Landes auf der Flucht, bis Ende Mai 2026 hatten 1,6 Millionen Menschen das Land verlassen. Eine Lösung der komplexen Krise ist laut UNHCR nicht absehbar.
Demokratische Republik Kongo
Der Interner Link: Konflikt zwischen teils von Ruanda unterstützten Rebellengruppen und der Kongolesischen Armee FARDC in der Demokratischen Republik Kongo dauert schon seit Jahrzehnten an. Hintergrund sind der VInterner Link: ölkermord im Nachbarland Ruanda 1994 und der Kampf um den Zugang zum ressourcenreichen Osten des Landes. Insgesamt sind 5,7 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben. Interner Link: Die zunehmende Verbreitung von Ebola-Fällen seit Mai 2026 verschärft die Lage in den kongolesischen Flüchtlingslagern zusätzlich. Das mit Unterstützung der USA ausgehandelte Rahmenabkommen zwischen Kongo und Ruanda vom Sommer 2025 und das Abkommen zwischen der Rebellengruppe M23 und Kongo haben die Sicherheitslage bisher nicht verbessert.
Iran
Als Folge der israelischen und US-amerikanischen Angriffe gegen Iran waren nach Angaben der UNHCR Ende März 2026 bis zu 3,2 Millionen Menschen innerhalb ihres Landes auf der Flucht. Laut der IOM gab es keinen nennenswerten Anstieg der Ausreisen aus dem Iran. Trotz der seit dem 8. April offiziell geltenden Waffenruhe zwischen Iran sowie den USA und Israel gab es in den vergangenen Wochen immer wieder gegenseitige Angriffe. Wie tragfähig das Mitte Juni verkündete Abkommen zwischen den USA und Iran sein wird, ist bislang offen.
Libanon
Auch im Libanon sind in den vergangenen Monaten viele Menschen aufgrund der anhaltenden Angriffe der israelischen Armee geflohen. Die Angriffe richten sich laut Israel gegen die dort die mit Iran verbündete Terrormiliz Hisbollah – es kamen jedoch auch viele Zivilisten ums Leben. Laut Angaben der libanesischen Regierung wurden insgesamt seit Anfang März 2026 rund 2.880 Menschen bei israelischen Angriffen getötet. Allein im März wurden der IOM zufolge über eine Million Menschen innerhalb des Libanon vertrieben.
Gaza
Schätzungsweise 90 Prozent der Bevölkerung im Gazastreifen, also rund 2 Millionen Menschen, sind laut Angaben des UNHCR vertrieben. Auch nach dem im Oktober 2025 unterzeichneten Waffenstillstand halten die Kämpfe an, nach Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums in Gaza sind seitdem mindestens 750 Menschen getötet worden (Stand: April 2026). Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht von über 900 Todesopfern. Auch die Versorgungslage der Menschen im Küstengebiet ist weiterhin angespannt.
Kürzungen der humanitären Hilfe
Im Jahr 2024 hatte das UNHCR nach eigenen Angaben noch 36,4 Millionen Menschen unterstützt. Aufgrund wegbrechender Einnahmen war die Organisation zuletzt jedoch zu deutlichen Einsparungen gezwungen. Vor allem weil die USA, aber auch andere Länder, ihre Hilfen massiv gekürzt haben, musste das UNHCR im vergangenen Jahr mit mehr als einer Milliarde US-Dollar weniger auskommen als noch 2024. Das UNHCR musste mehrere Tausend Mitarbeitende entlassen und Büros schließen. In der Folge musste die Organisation Hilfen für Millionen Menschen streichen. Für das laufende Jahr drohen weitere Mittelkürzungen.
Deutschland nimmt weniger Geflüchtete auf
Die Zahl der Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, ist rückläufig. 2025 haben insgesamt 168.543 Personen einen Asylantrag in Deutschland gestellt – darunter waren 113.236 Erstanträge. Damit sank die Zahl der Erstanträge im Vergleich zum Vorjahr mit 229.751 Erstanträgen um knapp die Hälfte. Auch in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 ging die Zahl der Erstanträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel auf knapp 35.000 zurück. Die Bundesregierung verweist als Ursache vor allem auf eine restriktivere Migrationspolitik und Grenzkontrollen im deutschen wie im europäischen Rahmen. Hinzu kommen externe Faktoren wie das Ende des syrischen Bürgerkriegs. Auch die Zahl der neu aus der Ukraine ankommenden Schutzsuchenden war zuletzt rückläufig.