Bildung im digitalen Wandel


Editorial: Zeitgemäßes Lernen und Lehren fern der Metropolen

Wie steht es um die digitale Bildung im ländlichen Raum? Wir gehen auf Spurensuche in den Bereichen Wissensvermittlung, Weiterbildung und gesellschaftliche Teilhabe und finden heraus, ob “das Land”, das viele für den perfekten Ort zum Leben halten, auch ein guter Ort fürs digitale Lernen ist.

Frau sitzt mit Laptop auf dem Schoß im Schneidersitz auf eier Wiese.Auf welchem Stand befindet sich die digitale Bildung auf dem Land? (© Foto: Windows unsplash.com)

Den letzten Bus verpasst und schon wieder kein LTE? Eine Situation, die sinnbildlich für eine große Herausforderung unserer Zeit steht: Während in manchen ländlichen Regionen bald buchstäblich nicht mal mehr ein Hahn kräht, werden sie in Zeiten steigender Mieten und eines beengten städtischen Alltags zugleich immer attraktiver. Die demografischen Dynamiken von Landflucht und Städtewachstum bewegen sich in einem interessanten Spannungsverhältnis: Etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung leben in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern; rund 77 Prozent wohnen in Städten und Ballungsgebieten. Aber: Laut einer repräsentativen Umfrage für „Die große Deutschland-Studie“ des ZDF geben 44 Prozent der Gesamtbevölkerung an, gern auf dem Land leben zu wollen (Stand 2018). Häufig fehlt es allerdings an Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und an Infrastruktur – sei es beim öffentlichen Nahverkehr, beim Kulturangebot oder beim Stand des Breitbandausbaus. Dabei kann gerade die Digitalisierung die Attraktivität von Dörfern und kleineren Städten wachsen lassen.

In der Politik werden wichtige Schritte für eine zeitgemäße Bildung oft aus einer städtischen Perspektive heraus diskutiert und entschieden – da aufgrund von „Überalterung und Schrumpfung“ der Bevölkerung im ländlichen Raum „soziale und technische Infrastrukturen unrentabel“ für private Dienstleistungsunternehmen sind (Mirjam Opitz für werkstatt.bpb.de am 06.06.2019). Wenn wir jedoch von einer digitalen Transformation der gesamten deutschen Bildungslandschaft sprechen möchten, müssen nicht nur ländliche Perspektiven als politische Entscheidungsgrundlage stärker hinzugezogen, sondern auch Fragen nach digitalen Zugängen, demografischer Verteilung und spezifischen Bildungs- und Vernetzungsangeboten für ländliche Regionen laut und öffentlich gestellt werden.

Welche Herausforderungen stellen sich für den digitalen gesellschaftlichen Wandel auf dem Land – insbesondere für den Bereich der digitalen Bildung? Wie sehen die spezifischen Anforderungen und Modelle für digitale Bildung, vernetzte Nachbarschaft und attraktives Leben in ländlichen Regionen aus? Welche Rolle spielen MOOCs, E-Learning und lebenslanges Lernen dabei – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels? Und was heißt eigentlich “Land”? Im Themenschwerpunkt geht werkstatt.bpb.de diesen Fragen nach.

Am Beispiel des Projekthof Karnitz zeigen wir, wie Freiflächen und leere Gebäude als Orte zur Impulsentwicklung digitaler Neuerungen im Bildungsbereich genutzt werden können. Raus ins Grüne geht es auch mit dem Fabmobil. In der Oberlausitz erleben wir, warum Angebote digitaler Bildung in provinziellen Gegenden niemals stehen bleiben dürfen. Außerdem sprechen wir mit Bildungsexpertinnen wie Nenja Wolbers und Ramona Lorenz über digitale Angebote für Inklusion und den Stand digitaler Infrastruktur der Schulen auf dem Land: Was bewegt Lehrende und Lernende dort, wie sieht ihr Alltag aus und was wünschen sie sich von der Politik? Was bedeutet es, im ländlichen Raum aufzuwachsen, wie gestalten sich Bildungszugänge und wie prägt die Jugend die digitale und kulturelle Entwicklung dieser Lebensräume mit?

Der Blick des Themenschwerpunkts soll in alle Himmelsrichtungen gehen und auch die Herausforderungen unterschiedlicher Regionen gegenüberstellen: Warum funktioniert es nicht, das gleiche Konzept in Bayern und in Schleswig-Holstein anzuwenden?

Über das Thema Digitale Bildung nähert sich der Themenschwerpunkt einer Antwort auf die Frage, die sich mindestens die oben genannten 44 Prozent der deutschen Bevölkerung stellen: Ist "das Land" denn nicht eigentlich der perfekte Ort, um zu leben und zu lernen – weil die Mieten (noch) günstig, die Natur nicht weit und digitale Projektarbeit im besten Fall auch dann noch möglich ist, wenn der letzte Bus schon gefahren ist?

Sie haben weitere Beitragsideen für den Themenschwerpunkt oder wünschen sich, dass wir einer bestimmten Fragegestellung nachgehen? Schreiben Sie uns gern eine Mail an info[at]werkstatt.bpb.de, dann nehmen wir Ihre Anregungen auf. Hier haben wir bereits Themen aus der Community gesammelt.

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