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Kurs 3: Was ist Demokratie? | inklusiv politisch bilden | bpb.de

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Kurs 3: Was ist Demokratie? Ein Angebot der Reihe „Politische Bildung: Kurse für Erwachsene mit Exklusionserfahrungen“

Lisa Oermann Dorothee Meyer

/ 1 Minute zu lesen

Materialgrundlage:

Zum Kursangebot

Der Kursvorschlag zum Thema „Was ist Demokratie?“ trägt den Titel „Lauter wichtige Stimmen: Menschen entscheiden gemeinsam“.
Er wurde in der Reihe „Kurse für Erwachsene mit Exklusionserfahrungen“ erstellt.

Der Vorschlag ist für 3-4 Unterrichtsstunden á 45 Minuten konzipiert.

Der Kurs eignet sich als Angebot in allgemeinen Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen, aber auch im Rahmen spezialisierter Formate wie etwa der beruflichen Bildung von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM). Die Materialgrundlage ist das Heft „Einmischen. Mitentscheiden.“ von 2025.

Zur Relevanz des Themas

(bpb) Lizenz: cc by-nc/4.0/deed.de

Menschen mit Exklusionserfahrungen sind in politischen Diskursen häufig unterrepräsentiert, etwa Menschen mit nur wenig Deutschkenntnissen, Menschen geringen Bildungserfahrungen, im Kontext geistiger Behinderung oder mit Lernschwierigkeiten.

Zudem scheinen demokratische Prozesse unverständlich. Langwierig und Streit oder lang andauernde Einigungsprozesse werden als frustrierend erlebt.
Dieser Kursvorschlag macht deutlich, dass Demokratie auch im Alltag stattfindet. Demokratie ist auf die Mitwirkung und gemeinsame Entscheidung vieler Personen angewiesen. Mitwirkung ist ein Recht der Bürger und Bürgerinnen.
In einer Demokratie wird dieses Recht gewahrt. Das heißt: In einer Demokratie ist Rechtsstaatlichkeit sehr wichtig.

Kursvorschlag

Lauter wichtige Stimmen: Menschen entscheiden gemeinsam


1. Einstieg

Ziel
Die Teilnehmenden stellen einen ersten eigenen Zugang zum Thema her.

Inhalt

  • Begrüßung

  • Vorstellungsrunde mit der Leitfrage: Wo habe ich schon einmal etwas gemeinsam mit anderen entschieden?

Die Kursleitung notiert die Erklärungen der Teilnehmenden in Stichworten auf einer Moderationskarte, die unter der Überschrift „Menschen entscheiden gemeinsam“ an einer Pinnwand angeheftet wird.

  • Zusammenfassung der Ergebnisse durch die Kursleitung und Überleitung zum weiteren Verlauf der Veranstaltung und Erklärung der Arbeitsweise (Mitreden, Pausen, Anrede, Themenparkplatz).

Didaktische Hinweise

  • Als Sitzordnung bieten sich Stuhlkreise oder, von Erwachsenen häufig eher gewünscht, eine Sitzordnung mit Tischen in U-Form an. Sitzreihen behindern die Gruppenbildung und die gegenseitige Bezugnahme.

  • Ausreichend Zeit für Vorstellungsrunde einplanen, ggf. ausschweifende Selbstpräsentationen wertschätzend unterbrechen und auf später verweisen.

  • Bildkarten, auf denen Menschen gemeinsam entscheiden, können für den Einstieg hilfreich sein. Kontexte können etwa Familie, Wohngemeinschaften, Beiräte, Freundeskreise, Sportverein etc. sein.

  • Aussagen zur Bildauswahl erfordern ggf. eine Übersetzung oder eine Zusammenfassung durch die Kursleitung.

Material

2. Demokratie bedeutet: Menschen entscheiden gemeinsam

Ziel
Die Kursteilnehmenden ordnen dem Begriff „Demokratie“ erste relevante inhaltliche Bestimmungen zu.

Inhalt:

  • Die zweite Sequenz beginnt mit einem Rückblick auf die Antworten aus dem Einstieg.

  • Abhängig davon, was die Antworten hergeben, leitet die Kursleitung Bezüge zum Vorwort des Heftes Interner Link: Einmischen. Mitentscheiden (2025) ab oder stellt diese aktiv her.

  • „Demokratisch“ bedeutet, dass Menschen über die Regeln des Zusammenlebens gemeinsam entscheiden, dass sie mitreden und mitentscheiden dürfen.

Ergänzend wird ein Ausschnitt aus dem Vorwort (Seite 5) von „Einmischen. Mitentscheiden“ (2025) gelesen. Der Ausschnitt sollte als Plakat ausgedruckt an der Wand hängen.

(© bpb)

Didaktische Hinweise
Es ist in jedem Fall hilfreich, den Text gemeinsam zu lesen. Das Plakat bzw. der Text sollte nicht einfach ausgehängt bzw. als Arbeitsblatt ausgegeben werden.
Eine sinnvolle Zugangsweise zum Text könnte sein, dass die Kursleitung diesen selbst laut, langsam und gut betont vorliest. Möglicherweise sind Zwischenfragen hilfreich für das Verständnis.
Die gemeinsame Zuwendung zum Text mit dem Vorlesen durch die Kursleitung unterstreicht die Bedeutung des Inhalts.

Material

  • Plakat „Deutschland ist eine Demokratie“. Das Plakat mit einem Textausschnitt aus Interner Link: Einmischen. Mitentscheiden (2025) (Seite 5) (Beispiel s.o.) kann unter Berücksichtigung der Lerngruppe und der zeitlichen Bedingungen selbst erstellt werden.

3. Was gehört noch zur Demokratie?

Ziel
Die Kurteilnehmenden lernen, relevante Merkmale der Demokratie zu identifizieren.

Inhalt

  • Die Sequenz beginnt mit einer Runde oder einer Arbeit in Tandems.
    Die Teilnehmenden überlegen gemeinsam, was noch zu einer Demokratie gehört.

  • Die Ergebnisse werden zunächst einzeln auf Moderationskarten gesammelt.

  • Anschließend werden die Merkmale einer Demokratie besprochen:

(1) Deutschland ist eine repräsentative Demokratie
Das bedeutet:

  • Wir wählen Menschen, die unsere Interessen in der Politik vertreten.

  • Wir können diese Menschen auch wieder abwählen, wenn wir mit ihrer Politik nicht einverstanden sind.

  • Es ist ein wichtiges Merkmal einer Demokratie, dass Menschen wählen können.

Aber zu einer Demokratie gehört noch mehr...

(2) Weitere Merkmale der Demokratie
Ausgabe von Ausdrucken des Textes zum Interner Link: Stichwort "Demokratie" im einfach POLITIK: Lexikon (online) oder Lesen der Seite 13f. des Heftes Interner Link: Einmischen. Mitentscheiden (2025) zum Thema „Merkmale einer Demokratie“.

Die Merkmale der Demokratie werden gemeinsam durchgearbeitet:

  • demokratische Wahlen,

  • alle Menschen (z.B. auch die Polizisten und Polizistinnen) müssen sich an die Gesetze halten (Rechtsstaatlichkeit),

  • Richter und Richterinnen entscheiden unabhängig,

  • jeder hat das Recht auf Information,

  • Pressefreiheit,

  • es gelten die Menschenrechte,

  • Menschen dürfen sich einmischen und mitentscheiden,

  • es gibt mehrere Parteien und Verbände.

Merkmale einer Demokratie: Bekannt oder nicht so bekannt?

  • Die Merkmale werden an einer Pinnwand oder in die Mitte des Kreises als Überschriften auf den Boden gelegt. Die Teilnehmenden ordnen dann ihre Moderationskarten den Merkmalen zu.

  • Anschließend wird diskutiert, welche Merkmale bekannt waren und welche noch nicht so häufig benannt wurden.

Didaktische Hinweise

  • Erfahrungsgemäß werden Wahlen benannt, andere Merkmale sind häufig weniger bekannt.

  • Ein Vergleich der Unterschiede der jeweiligen politischen Systeme kann beim Ableiten der Kriterien einer Demokratie unterstützen.

  • Für die Tandemarbeit sollte nicht zu viel Zeit eingeplant werden, es sei denn, es ergeben sich angeregte Diskussionen.

  • Die Diskussion kann noch dahingehend vertieft werden, wann es in Deutschland eine Demokratie gab und wann nicht. Weimarer Republik (1918-1933); Nationalsozialismus (NS-Zeit) (1933-1945), DDR (1949 und 1989/90); Bundesrepublik Deutschland (1949 bis heute).

  • Bei Bedarf können auch die Grenzen der Mitwirkungsmöglichkeiten in einer repräsentativen Demokratie thematisiert werden.

  • Die Kursleitung sollte je nach den Zugangsvoraussetzungen der Lerngruppe entscheiden, ob mit dem Lexikonartikel "Demokratie" oder mit dem Heft „Einmischen. Mitentscheiden“ (Seite 13f.) gearbeitet wird. Die Texte setzen unterschiedliche Schwerpunkte.


Material

4. Vertiefung: Vergleich Demokratie und Diktatur

Ziel
Die Teilnehmenden sollen die wesentlichen Merkmale einer Demokratie im direkten Vergleich mit einem diktatorischen Regime identifizieren können. Das Verständnis für die in Einheit 3 gesammelten Merkmale einer Demokratie wird damit gestärkt.
Die Kurseinheit soll zudem ein Bewusstsein für die Verantwortung wecken, die mit einer Demokratie einhergeht. Die Teilnehmenden sollen erste Überlegungen zum Thema Demokratie und Verantwortung anstellen und diese äußern können.

Inhalt

  • Aufzeigen, dass in unterschiedlichen Staaten der Welt über Regeln unterschiedlich bestimmt wird.

  • Beispiel: Diktatur (vgl. Interner Link: Einmischen. Mitentscheiden (2025), Seite 13):
    o Wenige Personen entscheiden alleine über die Regeln, die für die Bürgerinnen und Bürger gelten.
    o Bürgerinnen und Bürger können die Herrschenden in einer Diktatur nicht wählen oder abwählen.
    o Wenige Herrschenden bestimmen über die Bürger und Bürgerinnen. Das kann zum Beispiel ein König, eine Familie oder das Militär sein.

  • Vertiefung: Externer Link: Video zum Unterschied von Demokratie und Diktatur, Bayerische Landeszentrale für politische Bildung [zuletzt abgerufen am 10.06.2026]
    o Was war Ihnen wichtig an diesem Beitrag?
    o Es wurde viel über Diktaturen erzählt: Was ist bei Ihnen hängengeblieben: Woran erkennt man eine Diktatur?
    o Deutschland ist eine Demokratie. Was ist hier anders?

  • Erneutes Lesen des Textes zu „Merkmale einer Demokratie“ (vgl. Interner Link: Einmischen. Mitentscheiden (2025) Seite 13ff) oder den ausgedruckten Überschriften. Rekapitulieren der Merkmale.

  • Fazit dieser Sequenz:
    Zu einer Demokratie gehört mehr als das Recht, wählen zu gehen. Demokratie ist, wenn sich alle einmischen und mitentscheiden können.

Didaktische Hinweise

  • Für einen klareren Vergleich der Systeme können die Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie auch auf einem Flipchart gegenüber gestellt werden.
    Die Kursleitung sollte sich vorher mit dem Video auseinandersetzen.
    Wenn die Inhalte im Video zu schnell erscheinen: In Sequenzen einteilen und bei der Präsentation entsprechend stoppen, um den jeweiligen Abschnitt gesondert zu besprechen.

  • Bei Bedarf (etwa bei einer Diskussion über mutmaßliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit) kann auf das Grundgesetz verwiesen werden (etwa Art. 1 und 2: Schutz der Menschenwürde bzw. Freiheits- und Persönlichkeits- sowie Schutzrechte).

  • Es sollte auch über die Gefährdung der Demokratie in Deutschland gesprochen werden (Desinformation in den sozialen Medien, Einschränkung von Vielfalt etc.).
    Besonders wichtig in Bezug auf das gezeigte Video ist der Punkt der Rechtsstaatlichkeit.
    Rechtsstaatlichkeit bedeutet vor allem Schutz durch Gewaltenteilung, Schutz durch die Unabhängigkeit der Gerichte. Rechtsstaatlichkeit garantiert die individuellen Freiheitsrechte und den Schutz von Minderheiten. Dieser Aspekt sollte beim gemeinsamen Lesen des Textes besonders betont werden.
    Ergänzend hierzu bietet sich ein Verweis auf prominente Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts an, die Beschlüsse der Regierung gekippt haben. Ein möglicherweise geeignetes Beispiel ist das über den Nachtragshaushalt. Die Tagesschau titelt hierzu: „Wie die Ampel gegen das Grundgesetz verstieß“ (Link: Externer Link: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundesverfassungsgericht-nachtragshaushalt-102.html [13.07.2026]

Material

  • Internetanschluss, Link zum Video

  • Medium zum Abspielen des oben genannten Videobeitrags

Weitere Videos, die je nach Zielgruppe in Frage kommen könnten oder die für die Kursleitung zur Ideenfindung hilfreich sein könnten:

5. Abschluss

Ziel
Die Teilnehmenden werden eingeladen und ermutigt, Bewertungen zur Veranstaltung abzugeben. Die Diskussion wird so abgeschlossen.

Inhalt

  • Evaluation:
    o Wiederaufnahme der zielführenden Fragestellung und Bitte um Einschätzung der Ergebnisse.

  • Weitere Fragen. Bewertung des Kurses mit drei Bewertungskategorien:
    1. Was hat heute Spaß gemacht? Was hat Ihnen am Kurs gefallen?
    2. Was hat Sie genervt, gestresst, was hat Ihnen keinen Spaß gemacht? Was sollte beim nächsten Mal anders sein?
    3. Welche Themen wären Ihnen noch wichtig?

  • Blick auf Themenparkplatz:
    o Können Karten abgenommen werden?
    o Müssen neue Themen hinzugefügt werden?

Für Interessierte könnte man ein vertiefendes Angebot ankündigen, das sich an dem Interner Link: Lexikoneintrag "Demokratie" im einfach POLITIK: Lexikon orientiert.

  • Abschluss und Zertifikate

Didaktische Hinweise

Bei vorgerückter Zeit oder um lange Monologe und neue Diskussionen zu vermeiden, können Satzanfänge vorgegeben werden, die die Teilnehmenden vollenden sollen:

  • Der Tag heute hat Spaß gemacht, weil…

  • Mich hat heute geärgert oder genervt, dass...

  • Ich finde, wir sollten noch über dieses Thema reden:...

Material

  • Flipchart oder dreigeteilte Pinnwand zur Bewertung

  • Bilder „Daumen hoch“, „Daumen runter“ und „Glühlampe“ für die drei Bewertungskategorien (siehe oben)

  • ggf. Moderationskarten und Stifte für weitere Themen

Fussnoten

Weitere Inhalte

Dr. (phil.) Lisa Oermann ist promovierte Diplom-Pädagogin mit den Schwerpunkten Erwachsenenbildung und Behindertenpädagogik. Seit fast 20 Jahre arbeitet sie vorwiegend mit kognitiv beeinträchtigten Menschen in der Erwachsenenbildung. Sie ist Autorin/ Co-Autorin von Fachbüchern zur Bildungsarbeit. Sie ist zudem als Coach (IHK-zertifiziert) tätig und berät vorwiegend Menschen, die ihr Recht auf Teilhabe wahrnehmen (z.B. Werkstatträte). In ihren Kursen der Erwachsenenbildung greift sie immer wieder Themen der politischen Bildung auf.

Prof. Dr. Dorothee Meyer hat Lehramt für Sonderpädagogik studiert. Seit 2024 ist sie Professorin für Teilhabe im Erwachsenenalter an der Hochschule Hannover. Vorher war sie im Schuldienst und am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover tätig.