Obama

15.7.2010 | Von:
Thorsten Eitz

Zehn Stigmavokabeln

Sonderbehandlung

Der Ausdruck Sonderbehandlung, sonderbehandeln oder die Abkürzung S.B. war im amtlichen Schriftverkehr und im Sprachgebrauch der Gestapo, der SS und der Einsatzgruppen eine Tarnbezeichnung für die Ermordung von Menschen. Er tauchte zuerst in einem Runderlass des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes Reinhard Heydrich vom 20.9.1939 – also unmittelbar nach Kriegsausbruch – an alle Staatspolizeistellen auf. In diesem Erlass befahl er, in Fällen von sogenannter Wehrkraftzersetzung "ohne Ansehen der Person, durch rücksichtsloses Vorgehen (nämlich durch Exekution)" einzugreifen. Durch die zunehmende Verbreitung der Ausdrucks verlor er seinen verschleiernden Charakter, so dass die Nationalsozialisten in einer Presseanweisung seine Verwendung in Heeresberichten und in der militärischen Berichterstattung verboten und statt dessen auf andere Tarnbezeichnungen wie Umsiedlung, Transportierung oder durchschleusen zurückgriffen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Wort Sonderbehandlung in der Bedeutung "Liquidierung, Exekution, Tötung" nur noch im Kontext der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit als historisches Zitatwort verwendet. Im allgemeinen Sprachgebrauch spielt die NS-Bedeutungsfacette keine Rolle, und es wird völlig unproblematisch in der Bedeutung "besondere, bevorzugende Behandlung" verwendet. Erst neuerdings findet sich in Wörterbüchern wie z.B. dem Duden von 2004 der Zusatz "nationalsozialistisch verhüllend für Liquidierung". >


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