Inhaltsbeschreibung
Über Russlanddeutsche kursieren zahlreiche Klischees und Zerrbilder: Sie wählen rechtsextreme Parteien, sprechen lieber russisch als deutsch, und ihre Loyalität gelte eher Wladimir Putin als der Bundesrepublik Deutschland. Dabei ist bereits der Begriff „russlanddeutsch“ missverständlich, bezeichnet dieser Ausdruck doch die etwa 2,5 Millionen Menschen umfassende Gruppe der deutschstämmigen (Spät-)Aussiedler aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, deren Vorfahren in das Russische Kaiserreich ausgewandert waren.
Die Journalistin Ira Peter, in Kasachstan geboren und 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen, beschreibt ausgehend von ihrer eigenen Geschichte, welche Erfahrungen Russlanddeutsche und ihre Familien vor und nach ihrer Übersiedlung gemacht haben und wie sie auf ihre kulturelle Identität blicken. Der Großteil bringe eine, wie Peter es nennt, „postsowjetische Belastungsstörung“ mit und habe doppelte Ausgrenzung erlebt: als „Deutsche“ in der UdSSR und später als „Russen“ in Deutschland, die um die Anerkennung ihrer Zugehörigkeit zur Gesellschaft kämpfen und mit zahlreichen Kränkungen leben mussten. Ohne problematische Aspekte auszuklammern, dekonstruiert die Autorin pauschalisierende Vorstellungen und Vorurteile und zeichnet ein differenziertes Bild einer heterogenen Gruppe, die zwar viele kollektive Erfahrungen, mitnichten aber ein einheitliches Weltbild teile.