Inhaltsbeschreibung
Moderne Gesellschaften im 21. Jahrhundert sind von Migration geprägt. Zwar hat es diese immer gegeben, doch durch die Globalisierung und Wanderungsbewegungen der vergangenen 30 Jahre sei die gesellschaftliche Komplexität neu geformt worden, analysiert der Sozialwissenschaftler Steven Vertovec. Das Konzept des Multikulturalismus genüge nicht, um diese neue Realität zu erfassen. Es beschreibe zwar das Neben- und Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, ignoriere aber die Vielfalt der Identitäten der Zugewanderten.
Diese brächten unterschiedliche politische und religiöse Überzeugungen sowie sexuelle Orientierungen mit und träfen auf hoch diverse Gesellschaften, in denen sich die Menschen längst nicht mehr nur ethnisch definierten. Migration verändere daher nicht nur soziale, kulturelle, religiöse und sprachliche Strukturen, sondern auch deren Wechselwirkungen mit Geschlechtsidentität, Alter sowie ökonomischem und rechtlichem Status. Soziale Identitäten seien mehrdimensional, wandelbar und durchlässig. Vertovec nennt dieses Phänomen Superdiversität. Er plädiert für einen differenzierten Blick auf Migration und die Struktur moderner Gesellschaften und wendet sich gegen jeden Essenzialismus, der Identitäten als starr und unveränderlich begreift.