Inhaltsbeschreibung
Im Frühjahr 1925 suchten die verschiedenen politischen Kräfte der Weimarer Republik einen Nachfolger für den kürzlich verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Die noch junge deutsche Demokratie war von zahlreichen Krisen geprägt, etwa der Hyperinflation, die 1923 ihren Höhepunkt erreicht hatte, oder Putschversuchen der extremen Rechten. Die starke Stellung des Reichspräsidenten in der Weimarer Verfassung machte die Wahl von 1925 zur Richtungswahl, wie Wolfgang Niess darstellt. Der vom Volk direkt gewählte Reichspräsident konnte mit Notverordnungen unmittelbar in die Gesetzgebung eingreifen, den Reichstag auflösen und den Reichskanzler einsetzen. Es sollte sich als folgenreich erweisen, dass der überzeugte Antidemokrat Paul von Hindenburg die Stichwahl gewann. Er war im ersten Wahlgang noch nicht angetreten, kandidierte nun aber für einen Block rechtsgerichteter Kräfte.
Niess zeigt, wie sich der als Held des Ersten Weltkrieges verehrte Generalfeldmarschall mehr und mehr an der Aushöhlung der Demokratie beteiligte. Am 30. Januar 1933 ernannte er schließlich Adolf Hitler zum Reichskanzler. Als Hindenburg im Sommer 1934 starb, war die Demokratie, der er eigentlich im höchsten Amt des Staates ab 1925 dienen sollte, unter seiner Mitwirkung von der totalitären Diktatur der Nationalsozialsozialisten beseitigt worden.