Inhaltsbeschreibung
Der Prozess um das brutale Sexualverbrechen an Gisèle Pelicot erschütterte die Öffentlichkeit in Frankreich und weit darüber hinaus: Über viele Jahre hinweg wurde Pelicot systematisch durch ihren Ehemann in einen Zustand bewusstloser Wehrlosigkeit versetzt und sowohl von ihm als auch von zahlreichen weiteren Männern vergewaltigt. Ausgehend von ihren Beobachtungen während des Strafverfahrens stellt die Philosophin Manon Garcia grundlegende Fragen: Unter welchen sozialen, kulturellen und moralischen Bedingungen wird sexualisierte Gewalt möglich? Welche Normen, Institutionen und Formen der Komplizenschaft tragen dazu bei?
Garcia richtet ihren Blick auch auf das Rechtssystem: Solange die sozialen Bedingungen von Einvernehmen und Zustimmung, Begehren und Macht nicht mitgedacht würden, bleibe auch die Wirkung des Strafrechts begrenzt. Im Zentrum der Analyse steht die Frage, wie Gewalt und ihre Normalisierung ineinandergreifen. So zeigt die Autorin, wie tief verwurzelte Vorstellungen von Männlichkeit und bestehende Machtstrukturen sexualisierte Gewalt im Alltag begünstigen. Ihre Überlegungen gelten dabei nicht allein den Tätern und Opfern, sondern einem gesellschaftlichen System, das beide hervorbringt.