Inhaltsbeschreibung
Von Diversität geprägte Gesellschaften reagieren sensibel auf Formen rassistisch motivierter Diskriminierung. Dieses Feingefühl könne sehr weit gehen, so der Soziologe Levent Tezcan Er hinterfragt Denkmuster und Kriterien, mittels derer die Verletzlichkeit von Menschen an äußere Merkmale geknüpft und darauf reduziert werde: Widerspreche es nicht dem Ziel gleichberechtigter Teilhabe in der Demokratie, wenn anhand der Hautfarbe von Menschen zwischen Vulnerablen und Privilegierten unterschieden werde, um entsprechende Ressentiments damit zu rechtfertigen? Sei es für moderne Einwanderungsgesellschaften nicht angemessener, Zugehörigkeiten so zu definieren, dass ethnische und andere Bindungen als soziale Tatbestände weder unterdrückt noch überbewertet werden?
Tezcan problematisiert eine auf äußere Merkmale von Menschen setzende, medial betonte „Sichtbarkeit“ vermeintlich oder tatsächlich Vulnerabler: Würden dadurch Ansprüche auf soziale Anerkennung eingelöst oder nicht eher die Exklusion derer befördert, die solchen Kriterien nicht entsprechen oder sich ihnen entziehen? Tezcan zufolge könnte zudem der Ansatz, rassistisch bedingte Vulnerabilität vornehmlich anhand binärer Kategorien zuzuschreiben, die Leistungen Eingewanderter und ihrer Nachfahren marginalisieren und sie auf den Dauerstatus leidender Opfer reduzieren, insbesondere wenn solche Stereotype medial verstärkt würden. Ein überdehnter, auf Affekten beruhender Rassismusbegriff laufe Gefahr, an Schlagkraft und Profil zu verlieren, wo es tatsächlich um rechtsradikal und rassistisch motivierte Ausgrenzung und Gewalt gehe.