Inhaltsbeschreibung
Die Ausgestaltung des deutschen Sozialstaats ist ein Streitthema. Die einen beklagen wachsende Ungerechtigkeiten, andere monieren Fehlanreize, bemängeln hohe Kosten oder fordern mehr Eigenverantwortung. Georg Cremer unterzieht verbreitete Ansichten zum Sozialstaat einem Faktencheck: Wie lässt sich Armut messen? Weitet sich die soziale Schere hierzulande? Wen erreichen Leistungen wie das Wohngeld oder der Kinderzuschlag? Wird die private Hilfsbereitschaft durch Sozialleistungen untergraben?
Cremer kritisiert eine interessengeleitete, oft verzerrende Rhetorik in Verbänden und Medien, die jede nicht erfüllte Leistungsforderung als Beleg für vermeintliche soziale Kälte der Politik brandmarke und deren Erfolge ausblende. Sozialpolitik sei jedoch ein höchst komplexer Teil demokratischer Aushandlungsprozesse unter Beteiligung vieler Akteure. Sie müsse neben der Finanzierbarkeit ebenso die Frustration, die Scham und den sozialen Rückzug der nicht Erreichten im Blick behalten. Der Sozialstaat habe sich zudem einer oft politisch instrumentalisierten Menschenfeindlichkeit seiner Gegner zu erwehren. Cremer mahnt eine offene, mutige gesamtgesellschaftliche Debatte in Politik und Sozialverbänden, Wissenschaft und Medien an, die nicht beim Schlechtreden stehenbleibe. Es gehe darum, sich in der Frage ehrlich zu machen, wie heute und in Zukunft Menschen in herausfordernden Lebenslagen gleichermaßen tragbar und gerecht, verlässlich und passgenau, wertschätzend und motivierend unterstützt werden können.