Inhaltsbeschreibung
Umfragen belegen regelmäßig, dass die allermeisten Menschen hierzulande wie weltweit die Bedrohung durch die Klimakrise sehr ernst nehmen. Zugleich stoßen Maßnahmen, die Regierungen zur Begrenzung der Erderhitzung erlassen, regelmäßig auf Protest und Widerstand, weil diese vermeintlich zu tief in das Leben der Einzelnen eingreifen würden. Wie lässt sich dieser paradoxe Befund verstehen?
Der Soziologe Philipp Staab analysiert die Entwicklungen, die zu einer verbreiteten Abwehrhaltung gegenüber Initiativen einer ökologischen Modernisierung beigetragen haben. Ihm zufolge hat sich das Verhältnis zur Zukunft, gerade im Angesicht der Klimakrise, radikal verändert: Die Zukunft werde nicht mehr als Verheißung eines besseren Lebens für sich selbst und folgende Generationen empfunden, sondern eher als etwas Bedrohliches. Viele Menschen begegneten daher gesellschaftlichen Veränderungen grundsätzlich mit Skepsis und hegten den Wunsch, das Bestehende zu bewahren und zu verteidigen.
Auch Akteure, die sich für den Klimaschutz einsetzen, zielten, so Staab, nicht auf Verbesserungen, sondern letztlich auf die Abwehr weiterer Verschlechterungen. Statt um Fortschritt und Emanzipation gehe es in den politischen Konflikten der Gegenwart nur mehr darum, notwendige Anpassungen vorzunehmen, um die aktuellen Lebensbedingungen nach Möglichkeit zu erhalten.