Inhaltsbeschreibung
Israel ist ein Staat wie jeder andere und zugleich einzigartig – dieser Widerspruch prägte die Geschichte des Zionismus und des modernen Staates Israel von Beginn an, so der Historiker Michael Brenner. Ausgehend von Theodor Herzl verfolgt er die Geschichte zionistischer Ideen und ihrer politischen Umsetzung bis in die Gegenwart.
Der Autor hebt die Pluralität hervor, die zionistische Strömungen seit ihrem Aufkommen kennzeichnete: Diese reichten vom säkular-sozialistischen Zionismus der Arbeiterbewegung über kulturell-spirituelle Konzepte bis hin zu religiös-nationalistischen Auffassungen. Brenner zeigt, wie diese unterschiedlichen Ideen miteinander konkurrierten, sich wandelten und das Land Israel bis heute prägen. Dabei macht er deutlich, wie sich Israels Selbstverständnis in Auseinandersetzung mit inneren Entwicklungen und äußeren Konflikten immer wieder neu formte. Eine entscheidende Zäsur sei etwa der Sechstagekrieg 1967 gewesen, der Israel als militärischen Sieger zur Besatzungsmacht über mehr als eine Million arabischer Palästinenser machte, der Siedlerbewegung Auftrieb gab und das politische Koordinatensystem Israels verschob. Auch Migrationsbewegungen, kulturelle Wandlungsprozesse und der Austausch mit der weltweiten jüdischen Diaspora veränderten, so der Autor, die israelische Gesellschaft und warfen Fragen des Selbstverständnisses als jüdischer Staat auf. Brenner entwirft in seiner Ideen-, Kultur- und politischen Geschichte das differenzierte Bild eines Landes mit vielfältigen ideologischen Prägungen, Brüchen und Widersprüchen.