Inhaltsbeschreibung
Aus schlichten Büros, Laboren und Werkstätten gingen seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Unternehmen von Weltruf hervor: Siemens, Krupp, Bayer, Volkswagen, die Deutsche Bank und andere verdanken ihren Aufstieg nicht zuletzt dem persönlichen Wagemut und Erfindungsgeist ihrer Gründer. Wenige, aber mächtige Akteure aus Industrie und Finanzkapital forcierten seinerzeit, im Verbund mit einer ambitionierten Wissenschaft und politisch protegiert, den Wandel des Deutschen Reiches vom Agrarstaat zur international verflochtenen Industrie- und Handelsnation.
Konstantin Richter zeichnet im Spiegel der Zeitgeschichte diese wechselvolle Entwicklung faktenreich nach: Welche Ziele leiteten die deutschen Wirtschaftseliten im Vorfeld des Ersten Weltkriegs? Wie gingen sie mit den radikal veränderten Rahmenbedingungen der Weimarer Zeit um? Wie positionierten sich führende Unternehmerpersönlichkeiten gegenüber der NS-Ideologie, der forcierten Aufrüstung, dem erneuten Angriffskrieg und der brutalen Auslöschung jüdischen Lebens? Richter porträtiert zudem den Wiederaufbau der Nachkriegszeit, als zumal die Erfahrungen der Entnazifizierung und Demontagen alte unternehmerische Verbindungen festigten und so dazu beitrugen, Entflechtungsbestrebungen der Alliierten zu widerstehen. Erst seit den 1970er-Jahren habe der an Dynamik gewinnende, zunehmend globale Finanzkapitalismus den Niedergang einer über viele Jahrzehnte gewahrten, vernetzten und verschachtelten Unternehmenskultur eingeleitet – mit weitreichenden Folgen für die Gegenwart.