Inhaltsbeschreibung
In vielen westlichen Demokratien erfahren Parteien und politische Akteure erheblichen Zuspruch, die in grundsätzlicher Opposition gegen die Institutionen der liberalen Demokratie stehen. Was macht die Unterstützung dieser Kräfte für zahlreiche Menschen attraktiv?
Die Literatursoziologin Carolin Amlinger und der Soziologe Oliver Nachtwey nehmen die sozialpsychologischen und emotionalen Dynamiken in den Blick, die der Hinwendung zu radikal rechten Akteuren zugrunde liegen. Anhand von Umfragen und Interviews zeigen sie auf, dass ein Teil der Bevölkerung die Zerstörung der bestehenden Ordnung als positive, lustvoll empfundene Verheißung wahrnehme, teils verbunden mit Gewaltfantasien gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen.
Dies, so die Diagnose der beiden Sozialwissenschaftler, hänge mit Entwicklungen in spätmodernen Gesellschaften zusammen, die zu weitverbreiteten Erfahrungen von Frustration geführt hätten. So habe sich das Versprechen auf sozialen Aufstieg und ein erfülltes Leben für viele Menschen als unerreichbar erwiesen. Stattdessen herrschten bei ihnen Gefühle von Ohnmacht und Unsicherheit vor, begleitet von der Vorstellung, in der eigenen Entfaltung von Institutionen oder bestimmten Gruppen blockiert worden zu sein.