Inhaltsbeschreibung
Vielfach werden die tiefen Spaltungen der US-amerikanischen Gesellschaft an den Entwicklungen insbesondere seit der zweiten Amtszeit Donald Trumps festgemacht. Doch ihre Wurzeln reichen, so Bernd Greiner, weit in die Geschichte der USA zurück. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts habe sich eine selbsternannte Mitte der Gesellschaft herausgebildet, die sich unter Berufung auf ihre anglo-amerikanische Abstammung, das vermeintlich wahre Amerika und dessen Werte mehr und mehr zum unerbittlichen Wächter über politische Gesinnung, moralische Tugenden und Teilhabe aufgeschwungen habe. Organisiert in Bündnissen und mit Billigung, ja Unterstützung der Regierenden gingen organisierte Meuten brutal etwa gegen ausgebeutete streikende Arbeiter, Gewerkschaften und gegen sozial oder politisch Verdächtige vor. Denunziation, grassierender Rassismus, Verfolgungen und Morde schufen über Jahrzehnte ein auch medial befeuertes gesellschaftliches Klima moralischer Kontrolle und vorauseilender Anpassung.
Im Spiegel der weltpolitischen und inneramerikanischen Geschichte arbeitet Greiner die Entstehung einer durchaus heterogenen, aber in ihrem Hass vereinten Gesellschaftsschicht heraus, die einen wichtigen Teil von Trumps Basis darstellt und im Gegenzug dessen größtmögliche Unterstützung erfährt: Krude gerechtfertigt und vielfach religiös oder patriotisch verbrämt, richte sich ihre wütende Agitation gegen den Staat ebenso wie gegen soziale Errungenschaften für alle, gegen vermeintliche Eliten, Minderheiten, Gebildete, Schwarze und Latinos, gegen Linke und Demokraten, Ausgleichende und Kompromissbereite.