Inhaltsbeschreibung
In Pike County, Kentucky, wählten 2024 über 80 Prozent Donald Trump. Der Verwaltungsbezirk in einer ehemaligen Bergbauregion in den Appalachen ist stark betroffen von Armut, Arbeitslosigkeit und Drogenabhängigkeit. Die Soziologin Arlie Russell Hochschild hat dort untersucht, wie die überwiegend weiße und männliche Arbeiterschaft auf den Strukturwandel der Region reagiert. Eine zentrale Erklärung für den Zuspruch zur Rechten findet Hochschild in einem Zusammenspiel von Stolz und Scham, das sie als das „Stolzparadox“ bezeichnet. Gerade in konservativen, früher durch Industriearbeit und heute mehr durch Arbeitslosigkeit geprägten Gegenden herrsche ein starker Individualismus vor, der Erfolg und Misserfolg stets auf die eigene Leistung zurückführe.
So werde eine wirtschaftliche Krise mit individueller Scham verknüpft, die schnell in Wut gegen diejenigen umschlagen könne, die man dafür mitverantwortlich macht: Progressive, die vermeintlich auf die Menschen in der Provinz herabsehen, sowie Zuwanderer, Minderheiten und Andersdenkende. So sähen viele Menschen in Trump eine Figur, die diesen gefühlten, mitunter aber auch realen Demütigungen etwas entgegensetze. Am Beispiel des zivilgesellschaftlichen Widerstandes gegen einen von Neonazis und weißen Nationalisten organisierten Aufmarsch beobachtet die Autorin aber auch, dass die Instrumentalisierung der Lebensverhältnisse durch die extreme Rechte bei einem Großteil der Bevölkerung an ihre Grenzen stößt.