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Die internationale Politik des Rechtspopulismus | Rechtspopulismus | bpb.de

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Die internationale Politik des Rechtspopulismus Internationale Institutionen unter Druck

Lisbeth Zimmermann

/ 11 Minuten zu lesen

Rechtspopulistische Regierungen verändern und beeinflussen internationale Organisationen durch neue Koalitionen, Budgetkürzungen und Politisierung – mit unterschiedlichem Erfolg.

Madrid Summit „Make Europe Great Again“ am 8. Februar 2025, u.a. mit Andre Ventura, Geert Wilders, Santiago Abascal, Marine Le Pen, Viktor Orbán und Matteo Salvini. (© picture-alliance, Anadolu | Diego Radames)

Rechtspopulistische Parteien verzeichnen zunehmende Wahlerfolge – nicht nur in vielen europäischen Ländern, sondern auch weltweit. In vielen Demokratien führen sie Regierungen an, so aktuell in Argentinien, Chile, Indien, Italien oder den USA, oder sind an Regierungskoalitionen beteiligt, beispielsweise in Finnland, Neuseeland oder der Slowakei. Unter den wirtschaftsstarken (westlichen) Demokratien haben inzwischen um die 30 Prozent der Regierungen eine Führung oder eine Beteiligung rechtspopulistischer Parteien. Rechtspopulisten zeichnen sich im Wesentlichen dadurch aus, dass sie bestimmende Aspekte liberaler Demokratien wie etwa Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenschutz infrage stellen. Sie vertreten zudem häufig Positionen, die bestimmte Bevölkerungsgruppen als schlechter oder als „fremd“ darstellen. Im Interner Link: europäischen und nordamerikanischen Kontext ist das meist mit starken Antimigrationspositionen verbunden, in Interner Link: anderen Regionen der Welt häufiger mit der Ablehnung anderer ethnischer Gruppen, mit ultrareligiösen Positionen oder „Law and Order“-Politik. Einher geht dies oft mit einer populistischen Rhetorik, in der die Politik „abgehobener Eliten“ einem „authentischen“ Volkswillen entgegengesetzt wird, der Interner Link: von den rechtspopulistischen Parteien repräsentiert würde.

Dies hat weitreichende Auswirkungen auf nationale Politik, aber auch auf internationale Institutionen und Organisationen, in denen diese Staaten Mitglieder sind und auf die sie direkt Einfluss nehmen können.

Rechtspopulisten und internationale Organisationen

Viele rechtspopulistische Parteien haben eine kritische Haltung gegenüber internationalen Organisationen wie den Interner Link: Vereinten Nationen, der Interner Link: Europäischen Union oder dem Interner Link: Internationalen Währungsfonds. Dafür werden in der Forschung verschiedene Gründe genannt. Meist haben internationale Organisationen Mandate und Aufgaben, die liberale Aspekte enthalten: zum Beispiel der Schutz von Geflüchteten, eine menschenrechtsorientierte Entwicklungspolitik, Aufgaben im Bereich des internationalen Klimaschutz oder reproduktive Rechte für Frauen. Viele rechtspopulistische Parteien lehnen, in unterschiedlichem Maße, eine solche Politik ab. Außerdem beeinflussen oder begrenzen viele internationale Organisationen, auch jenseits der Europäischen Union, inzwischen die nationale Politik: Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) etwa beobachtet Wahlen und soll den Menschenrechtsschutz sicherstellen; der Internationale Währungsfonds prägt die Finanzpolitik vieler Länder weltweit; die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erarbeitet und überprüft Standards zu Themen wie Nachhaltigkeit, Bildung, Wirtschaftspolitik oder Korruptionsbekämpfung. Aufgrund ihrer stark national ausgerichteten, zum Teil nationalistischen Grundeinstellung lehnen rechtspopulistische Parteien eine solche „Einmischung“ internationaler Organisationen oft ab. Nicht zuletzt beruhen viele Entscheidungen in internationalen Organisationen auf technokratischen, expertenbasierten Prozessen, die von Einzelregierungen oft kaum voll kontrolliert werden können – Internationale Organisationen werden darum oft als Teil „abgehobener“ transnationaler Eliten dargestellt, die von rechtspopulistischen Parteien abgelehnt werden.

Rechtspopulisten und internationale Organisationen – ein fundamentaler Gegensatz?

Rechtspopulistische Parteien lehnen jedoch nicht grundsätzlich alle internationalen Organisationen ab. Die medienwirksamen Austritte der ersten und zweiten Trump-Administration aus einer Vielzahl internationaler Verträge und Organisationen wie der Interner Link: Weltgesundheitsorganisation (WHO), der UNESCO oder dem Pariser Klimaabkommen sind eher die Ausnahme. Der Großteil rechtspopulistischer Parteien übt z. B. zwar starke Kritik an der aktuellen Form und Politik der Vereinten Nationen – etwa an deren zu liberaler Ausrichtung oder zu eingreifender Einflussnahme auf nationale Politik –, will jedoch nicht austreten, sondern die Organisation reformieren. Auch für die Europäische Union, der internationalen Organisation mit dem stärksten Einfluss auf die eigenen Mitgliedstaaten, gibt es große Varianz: Die Alternative für Deutschland (AfD) etwa präferiert einen Austritt, die Interner Link: aktuelle Regierung Italiens hingegen setzt auf aktive Kooperation und Gestaltung, während die im April 2026 Interner Link: abgewählte Fidesz-Regierung Ungarns versuchte, die Politik der Europäischen Union in vielen Politikfeldern zu untergraben.

Internationale Organisationen verändern

Doch welche Möglichkeiten zur Beeinflussung internationaler Organisationen bestehen jenseits des Austritts? Der Großteil internationaler Organisationen hat als wichtigstes Entscheidungsinstrument eine Staatenversammlung, also ein Gremium, zu dem die Mitgliedstaaten ihre Delegationen entsenden. Hier werden zentrale Entscheidungen über Themensetzung, Haushalt und Politik internationaler Organisationen getroffen. Das bietet rechtspopulistischen Regierungen die Möglichkeit, ihre Positionen und Interessen in die Organisationen einfließen zu lassen. Beispielsweise verhinderte im Kontext der Frauenrechts-Kommission der Vereinten Nationen, die sich mit der Gleichstellung der Geschlechter und Frauenrechten beschäftigt, eine Koalition rechtspopulistischer und autokratischer Regierungen zunehmend progressivere Resolutionen zu reproduktiven Rechten.

Oft fehlen rechtspopulistischen Regierungen in internationalen Gremien bisher aber die Mehrheiten für einen vollständigen Wechsel der Politik. Der Versuch der USA im März dieses Jahres, in der bereits genannten Kommission die jährliche Resolution zu Frauenrechten zu verhindern, scheiterte beispielsweise.

Neben solcher regulären Einflussnahme zur Durchsetzung der eigenen Positionen kann auch Druck ausgeübt werden – freilich ist dies in erster Linie den USA, aufgrund ihres außenpolitischen Gewichts, möglich. So verhinderten sie im Kontext der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation 2025 die Verabschiedung eines Vertrags zur Emissionsreduktion in der internationalen Schifffahrt durch die Androhung von Zöllen und von direkten negativen Konsequenzen für einzelne Delegierte von Staaten, die beabsichtigten den Vertrag zu unterzeichnen.

Einfluss durch Gelder

Ein weiteres Feld zur Beeinflussung internationaler Organisationen besteht über die Finanzierung internationaler Organisationen. Internationale Organisationen finanzieren sich meist nur teilweise aus den Mitgliedsbeiträgen der Staaten. Viele Organisationen sind auf die sogenannten freiwilligen Beiträge von Geberstaaten angewiesen – insbesondere solche, die vor allem operativ in der Entwicklungszusammenarbeit oder der humanitären Hilfe tätig sind. Als die USA Interner Link: im Juli 2025 ihre Behörde für Entwicklungszusammenarbeit „USAID“ (United States Agency für International Development) schlossen, fielen damit auch die freiwilligen Beiträge an einen Großteil der UN-Unterorganisationen weg. Der Haushalt der Interner Link: Internationalen Organisation für Migration (IOM) schrumpfte beispielsweise aufgrund dieser Entscheidung um rund ein Drittel. Insgesamt geben rechtspopulistische Regierungen im Durchschnitt 30 Prozent weniger Gelder an internationale Organisationen als Regierungen ohne Beteiligung rechtspopulistischer Parteien. Darüber hinaus setzen rechtspopulistische Regierungen die freiwilligen Beiträge oft strategisch ein, um ihre Präferenzen umzusetzen. Während viele rechtspopulistische Regierungen weniger Unterstützung an den UNHCR (den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) – eine Organisation zum Schutz von Geflüchteten weltweit – geben, unterstützen viele rechtspopulistische Regierungen die IOM, die eine Vielzahl von Projekten zur Rückführung von Migrantinnen und Migranten durchführt. Offenbar passt die Arbeit des UNHCR deutlich schlechter zur Antimigrationspräferenz vieler europäischer Staaten und der USA als die des IOM.

Außerdem geben rechtspopulistische Regierungen weniger Geld für die Arbeit internationaler Organisationen zu Menschenrechten oder sozioökonomischer Entwicklung und mehr für Wirtschaftspolitik und Migrationsbekämpfung aus. Die USA etwa nutzen finanziellen Druck mitunter auch als Drohkulisse: Sie haben beispielsweise angekündigt, keine freiwilligen Beiträge mehr an Organisationen zu leisten, die Inklusions- und Diversitätspolitik unterstützen.

Einfluss auf Verhandlungskontexte

Eine weitere Einflussmöglichkeit besteht schließlich in der Politisierung internationaler Verhandlungskontexte. Delegationen rechtspopulistischer Regierungen verhalten sich in internationalen Organisationen teilweise anders, als es andere Regierungen in solchen Kontexten gewöhnlich tun. Die Staatenversammlungen und Verhandlungskontexte internationaler Organisationen sind oft sehr technokratisch. Staaten schicken eine Vielzahl von Expertinnen und Experten aus Fachministerien, Forschungsinstituten oder sogar aus der Zivilgesellschaft. Verhandlungen finden dann nach festen formellen und informellen Regeln statt. Die Interner Link: zweite Trump-Regierung (seit Januar 2025) setzt dagegen auf eine offene „Zerschlagung“ dieser informellen Regeln – und schickt Familienmitglieder, Unternehmer oder andere Nicht-Expert/-innen zu Verhandlungen. Argentiniens Präsident Milei orderte spontan die Rückkehr seiner gesamten Delegation aus den Klimaverhandlungen in Baku 2024 an, was ein vollkommen neuartiges Ereignis darstellte. Brasiliens ehemaliger Präsident Bolsonaro entsandte nach der Amtsübernahme, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, kaum noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Umweltministeriums zu den Klimaverhandlungen. Insgesamt verändern sich internationale Verhandlungskontexte also durch stärkere Beteiligung rechtspopulistischer Regierungen.

Unterschiede in der internationalen Politik

Es zeigt sich jedoch gleichzeitig eine große Varianz in den Positionen sowie in der Unterstützung oder Ablehnung internationaler Organisationen. Europäische und nordamerikanische Regierungen haben beispielsweise große Überschneidungen in ihrer internationalen Migrationspolitik. Anders verhält es sich für Rechtspopulisten im sogenannten Globalen Süden: Indiens hindunationalistische Regierung unterstützt in internationalen Kontexten eine migrationsfreundliche Politik. Auch in Lateinamerika ist Anti-Migrationspolitik für Rechtspopulisten oft weniger wichtig als ultra-religiöse Politik, die auf ein „traditionelles“ Familienbild setzt.

Einordnung Globaler Süden / Globaler Norden

Die Begriffe Globaler Süden und Globaler Norden bezeichnen keine geografischen Regionen im wörtlichen Sinne. Sie sind soziale Konstruktionen, die auf ein geopolitisches und wirtschaftliches Gefälle zwischen Staaten aufmerksam machen wollen. Ein Land des Globalen Südens gilt demnach als politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich benachteiligter Staat, während Länder des Globalen Nordens eine bessergestellte Position hinsichtlich Wohlstand, politischer Freiheit und wirtschaftlicher Entwicklung einnehmen. Geprägt hat den Begriff „Globaler Süden“ der US-amerikanische Autor und Aktivist Carl Ogelsby im Kontext des Vietnamkriegs. Populär wurde die Unterscheidung hierzulande maßgeblich durch den „Brandt-Report“ von 1980, den eine Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt im Auftrag der Weltbank erstellt hatte. Er teilte die Welt anhand ökonomischer Kriterien in Norden und Süden ein. Der Begriff „Globaler Süden“ hat dabei Begriffe wie „Dritte Welt“ oder „Entwicklungsländer“ abgelöst. Er sollte die geteilte Erfahrung struktureller Ausgrenzung vieler Länder – in der großen Mehrzahl ehemalige Kolonien – im globalen System verdeutlichen. Inzwischen wird er in aktivistischen Kreisen auch in Abgrenzung zur Unterscheidung zwischen Ländern „mit niedrigem“, „mit mittlerem“ und „mit hohem Einkommen“ verwendet, in der sich mit dem alleinigen Fokus auf ein wirtschaftliches Kriterium für „Entwicklung“ eine markliberale Logik widerspiegele. Der Begriff „Globaler Süden“ ist damit vor allem ein (entwicklungs-)politischer Begriff, der auf die lange Geschichte globaler Ungleichheit und Machtasymmetrien aufmerksam machen will. Selbst Länder, die inzwischen global einflussreich sind – wie Indien, China oder die Vereinigten Arabischen Emirate –, werden weiterhin als „Schwellenländer“ klassifiziert. In den Sozialwissenschaften wird das Begriffspaar daher unter anderem im Kontext von Ungleichheitsforschung verwendet.

Wie die meisten anderen Begriffe, sind die Begriffe „Globaler Süden“ und „Globaler Norden“ nicht neutral, wertfrei und unumstritten, zudem auch nicht analytisch scharf; eine einheitliche Definition fehlt bislang. Zu den zentralen Kritikpunkten zählen: die Gefahr der Reproduktion von Stereotypen, eine Einheit zu behaupten bzw. ungleiche Machtverhältnisse / Entwicklungsstadien innerhalb des Globalen Südens zu verdecken, oder die Handlungsmacht (Agency) bestimmter Länder (etwa mit Blick auf China) zu verneinen; weitere Kritikpunkte richten sich an die geografische Ungenauigkeit des Begriffspaares (Australien etwa wird dem Globalen Norden zugerechnet, während die VAE zum Globalen Süden gezählt werden – trotz ihres Reichtums) oder es wird kritisiert, dass es ein dezidiert politischer Begriff sei. Gleichzeitig bereiten alternative Begriffe wie „Industriestaaten“, „Entwicklungs- und Schwellenländer“ oder „Staaten mit niedrigem/hohem Einkommen“, bei denen eine starke eurozentristische Perspektive mitschwingt, ähnliche Schwierigkeiten.

Während die USA aus der UN-Klimapolitik ausgetreten sind und Argentinien zuletzt einen solchen Austritt in Erwägung gezogen hat, äußerten sich Italien unter Meloni und Ungarn unter Orbán durchaus unterstützend über internationale, statt nur nationale Lösungen für die Klimafrage. In Bezug auf Frauenrechte und Genderfragen verfolgen rechtspopulistische Regierungen in Süd- und Osteuropa oft eine ultrakonservative Politik, während dies bei den meisten skandinavischen Rechtspopulisten nicht der Fall ist. Sie unterstützen weiterhin die Politik für reproduktive Rechte von Mädchen und Frauen, die die Selbstbestimmung von Familienplanung und Fortpflanzung betreffen, von Organisationen wie UN-WOMEN oder dem UN-Bevölkerungsfond – jedoch mit einer spezifischen Begründung: Weniger Bevölkerungswachstum im sogenannten Globalen Süden führt zu weniger Migrationsdruck auf Europa. Und der Vorschlag für eigene Organisationen der USA, wie der neugegründete Friedensrat, fand Unterstützer in Argentinien und Ungarn – bei anderen rechtspopulistischen Regierungen bzw. solchen mit rechtspopulistischer Beteiligung, wie beispielsweise Italien oder Finnland, wiederum eher verhaltenen Anklang.

Trotz eines gemeinsamen ideologischen Kerns der Rechtspopulisten und gemeinsamer Trends in der Interaktion mit internationalen Organisationen bleiben also Unterschiede bestehen. Diese haben eine Vielzahl von Gründen, so beispielsweise, ob eine rechtspopulistische Regierung im Globalen Norden oder Globalen Süden positioniert ist, welche internationale Stellung ein Land hat (allein die USA wagen den umfangreichen, offenen Konflikt mit internationalen Organisationen) oder welche spezifischen innerstaatlichen Opportunitätsstrukturen in einem Politikfeld vorherrschen (gibt es eine starke öffentliche Meinung zu einem Thema, gibt es innerstaatliche Koalitionen, die beachtet werden müssen, etc.).

Reaktionen von internationalen Organisationen

Internationale Organisationen sind diesen unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten rechtspopulistischer Regierungen jedoch nicht nur einfach ausgeliefert. In manchen Fällen versuchen die Organisationen mithilfe ihrer bürokratischen Strukturen ihre Arbeit zu verteidigen – durch die Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten und politischen Partnern. Beispielsweise hat das Sekretariat zum UN-Klimarahmenabkommen ein potentes Netzwerk substaatlicher und nichtstaatlicher Partner geschaffen, um Klimapolitik auch dann noch zu unterstützen, wenn einzelne Staatsregierungen nicht mehr gewillt sind dies zu tun. Jedoch zeigt sich eine große Varianz darin, in welchem Ausmaß es internationalen Institutionen gelingt, ihre Arbeit wie gewohnt fortzuführen.

In anderen Fällen sehen wir dagegen durchaus „vorauseilenden Gehorsam“ oder schnelle Anpassung. Beispielsweise hat das Welternährungsprogramm seinen Mitarbeitenden empfohlen, „kontroverse“ Sprache etwa zu Themen von Diversität und Inklusion in der Außendarstellung zu vermeiden. Hierbei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass das Management des öffentlichen „Images“ und die Kommunikation in polarisierten Medienwelten stets eine Gratwanderung für internationale Organisationen bedeutet: Organisationen müssen abwägen, ob sie sich technisch-neutral verhalten – auch bei direkten Angriffen auf ihre Arbeit – oder versuchen, spezifische Aspekte ihrer Arbeit besser zu erklären und auch zu verteidigen – mit dem möglichen Ergebnis weiterer Polarisierung.

Veränderte Bedingungen für internationale Organisationen

Rechtspopulistische Regierungen prägen internationale Organisationen durch Beeinflussung ihrer Themensetzung und ihrer Politik, durch die Finanzierung sowie durch neue Formen internationaler Diplomatie. Sie verändern damit die Arbeit internationaler Institutionen. Dabei gibt es gleichzeitig eine große Varianz – je nach innenpolitischer Lage, Politikfeld und globaler Position.

Keiner der beschriebenen Wege der Einflussnahmen auf internationale Organisationen ist neu. Historisch finden sich immer wieder Beispiele dafür, wie sie auch von anderen Regierungen oder Netzwerken genutzt wurden. Angesichts des nun strukturierteren Vorgehens, bleibt abzuwarten, inwiefern sich die Agenda, die Prozesse der Entscheidungsfindung sowie die inhaltlichen Schwerpunkte internationaler Organisationen langfristig verschieben.

Insgesamt stehen internationale Organisationen finanziell unter massivem Druck, da auch viele Geberländer ohne rechtspopulistische Regierungen ihre Budgets für internationale Organisationen zurückgefahren haben. Dies macht sie in vielerlei Hinsicht noch anfälliger für eine Beeinflussung durch einzelne Staaten und für die Verschiebung ihrer Tätigkeiten in Richtungen, die für rechtspopulistische (Geber-)Regierungen attraktiv sind. Im Zusammenspiel mit autokratischen Regierungen können außerdem potente Koalitionen zu bestimmten Themen (zum Beispiel der USA mit Teilen der Golfstaaten und afrikanischen Staaten beim Thema Anti-Gender) entstehen, die auch weitreichende Auswirkungen auf die Politik internationaler Organisationen haben. Eine vollständige Zerschlagung internationaler Institutionen aber scheint weniger von Interesse zu sein als eine Umgestaltung zu eigenen Zwecken.

Weitere Inhalte

Professorin Dr. Lisbeth Zimmermann hat die Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Institutionen und Friedensprozesse an der Goethe-Universität Frankfurt am Main inne. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen: aktuelle Herausforderungen der multilateralen Weltordnung, internationale Organisationen und internationalen Normen.

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Quelle: Das Rechtslexikon. Begriffe, Grundlagen, Zusammenhänge. Lennart Alexy / Andreas Fisahn / Susanne Hähnchen / Tobias Mushoff / Uwe Trepte. Verlag J.H.W. Dietz Nachf. , Bonn, 2. Auflage, 2023. Lizenzausgabe: Bundeszentrale für politische Bildung.

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[engl.: Organization for Economic Cooperation and Development] Die OECD mit Sitz in Paris wurde 1961 als Nachfolgeorganisation der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) gegründet. Die Hauptaufgaben der OECD bestehen in der Sicherung der Währungsstabilität, der Förderung des...

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Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2020. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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aus: Große Hüttmann / Wehling, Das Europalexikon (3.Auflage), Bonn 2020, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Autor des Artikels: A. Watjer

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