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Vom goldenen zum geteilten Bengalen | Indische Unabhängigkeit | bpb.de

Indische Unabhängigkeit Editorial Kolonialismus zwischen Modernisierung und Traditionalisierung. Die britische Herrschaft in Indien Auf dem Weg zu Unabhängigkeit und Teilung. Widerstand gegen die koloniale Herrschaft in Britisch-Indien Vom goldenen zum geteilten Bengalen. Eine kurze Geschichte der Bengalen und ihrer Heimatregion Religion, Politik, Nation. Demokratie und Nationalismus in Indien seit der Unabhängigkeit 1947 Demokratie macht den Unterschied. Indiens und Pakistans Regimeentwicklung im Vergleich Großmachtambitionen, Mittelmachtressourcen. Indiens Rolle in der Region und in der Welt Karten

Vom goldenen zum geteilten Bengalen Eine kurze Geschichte der Bengalen und ihrer Heimatregion

Carmen Brandt

/ 19 Minuten zu lesen

Mit "Bengalen" werden heute vor allem zwei geopolitische Entitäten identifiziert, der indische Bundesstaat Westbengalen und Bangladesch. Insgesamt sind die Bengalen mit fast 300 Millionen Menschen die größte Ethnie in Südasien und die drittgrößte der Welt.

"Mein goldenes Bengalen, ich liebe dich" lauten die erste Zeile und der Refrain der Nationalhymne Bangladeschs. Rabindranath Tagore (1861–1941), der Verfasser dieser und auch der indischen Nationalhymne, deren Sprache ebenfalls Bengalisch ist, erlebte jedoch weder die Gründung Bangladeschs noch die Unabhängigkeit Indiens. Seine Heimatregion Bengalen war noch vereint, als er 1941 verstarb. Das Gedicht "Mein goldenes Bengalen" verfasste Tagore bereits 1905 aus Protest gegen die erste Teilung Bengalens durch die britische Kolonialverwaltung im selben Jahr. Zwar wurde diese Teilung 1912 auch aufgrund gewalttätiger Proteste rückgängig gemacht, doch mit der Dekolonisierung scheint das Schicksal eines geteilten Bengalens besiegelt worden zu sein. Seit dem Ende Britisch-Indiens und der damit einhergehenden Entstehung der Staaten Indien und Pakistan im Jahr 1947 versteht man unter "Bengalen" in der Regel zwei geopolitische Entitäten: den indischen und mehrheitlich hinduistischen Bundesstaat Westbengalen und dessen Pendant im Osten, das heutige, mehrheitlich muslimische Bangladesch, das als Ostpakistan bis zu dessen Unabhängigkeit im Jahr 1971 ein Teil Pakistans war. Diese beiden Staaten sind jedoch weder kongruent zu der mehrfach veränderten Ausdehnung des vorkolonialen und kolonialen Bengalens noch zu dem geografischen Raum, in dem sich Menschen heute mehrheitlich als Bengalen identifizieren. Mit fast 300 Millionen Menschen sind die Bengalen die größte Ethnie in Südasien und die drittgrößte der Welt; bengalische Bevölkerungsmehrheiten gibt es auch im indischen Bundesstaat Tripura und im Süden Assams. Dieser Beitrag widmet sich der Genese dieser Ethnie, den geopolitischen Veränderungen ihrer Heimatregion und wichtigen Entwicklungen, die die Identität der Menschen in dieser Region bis heute prägen.

Bóngo – Bangla – Bengal

Anders als im Deutschen und Englischen, in denen man diese Region lediglich als "Bengalen" beziehungsweise "Bengal" kennt, verwendet man in der heutigen bengalischen Sprache zwei miteinander verwandte Begriffe: baṅga (Bóngo) und bāṃlā (Bangla). Der erste taucht bereits in dem Sanskrit-Epos "Mahābhārata" auf. Während in diesem von einem Königreich namens vaṅga beziehungsweise baṅga zu lesen ist, das sich vor unserer Zeitrechnung wohl lediglich über den Südosten des heutigen Bengalens erstreckte, erlangte die zweite Variante unter muslimischer Herrschaft, während des Bestehens des Sultanats von Bengalen (1352–1576), eine breitere Verwendung. Beide Begriffe sind noch heute allgegenwärtig, zum Beispiel in den originalsprachlichen Namen der beiden bengalischen Staaten: paścimꞋbaṅga ("Westbengalen") und bāṃlādeś (Bangladesch; wörtlich "Bengalenland"). Der englische Begriff "Bengal", von dem sich auch der deutsche ableitet, ist wiederum näher mit bangāl, der persischen Bezeichnung für diese Region, verwandt.

Englisch löste nach und nach Persisch als Verwaltungssprache ab, nachdem die Britische Ostindien-Kompanie 1757 den letzten unabhängigen Herrscher (Nawab) von Bengalen in der Schlacht bei Plassey besiegt hatte. Neben der Bezeichnung für diesen weiten geografischen Raum wurde auch der Anspruch, diesen in seiner Gesamtheit zu unterwerfen und zu verwalten, übernommen. Obwohl es bereits vor dem Sultanat von Bengalen zwei große einheimische Reiche, die buddhistisch geprägte Pala-Dynastie (ca. 750–1161) und die hinduistisch geprägte Sena-Dynastie (1070–1230), gab, wurden die Grundsteine für die bengalische Ethnie insbesondere während der muslimischen und britischen Herrschaft gelegt. Ausschlaggebend hierfür waren zum einen die offizielle Verwendung der Bezeichnung "Bengalen" und die Förderung bengalischer Literatur durch die muslimischen Herrscher des Sultanats, zum anderen die Kategorisierungs- und Standardisierungsprozesse während der britischen Kolonialzeit, die dabei helfen sollten, diese große und bevölkerungsreiche Region zu verwalten.

Standardisierung der bengalischen Sprache

Das älteste, wenn auch nur schwer datierbare, literarische Zeugnis, das dem Bengalischen zugeordnet wird, ist eine Liedersammlung, die heute unter dem Namen "Caryapāda" bekannt ist und einer tantrischen Tradition des Buddhismus zugeschrieben wird. Der Umstand, dass das erste Palmblattmanuskript dieser mehrsprachigen Anthologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Nepal entdeckt wurde und auch als ältestes Literaturwerk für Assamesisch, Maithili und Oriya beansprucht wird, verdeutlicht, dass das Sprachkontinuum, aus dem das moderne Bengalisch entstanden ist, einen großen geografischen Raum einnahm, der weit über die Grenzen des heutigen Westbengalens und Bangladeschs hinausging. Die Literaturlandschaft dieses Sprachkontinuums war enorm vielfältig. So spielten ab dem 13. Jahrhundert Prestigesprachen wie zum Beispiel Arabisch, Persisch und Sanskrit sowohl für die religiöse als auch für die säkulare Literatur der Eliten eine dominante Rolle, während es mündliche und schriftliche Literaturtraditionen auch in Vorstufen des modernen Bengalisch gab. Insbesondere mit der Etablierung des Sultanats von Bengalen 1352 wurden letztere auch von Seiten der muslimischen Herrscher gezielt gefördert und konnten sich so zu einer Literatursprache entwickeln, die heute als "Mittelbengalisch" bezeichnet wird. In dieser Sprachform sind zahlreiche, hauptsächlich religiöse Werke überliefert, die heute entweder dem Hinduismus oder dem Islam zugeordnet werden. Auch wenn es für diese ausschließlich lyrische Literatur keine einheitliche Grammatik gab, wurde sie über einen weiten geografischen Raum verstanden.

Das Interesse europäischer Philologen lag oftmals auf den bereits standardisierten Prestigesprachen, insbesondere Persisch und Sanskrit, da man davon ausging, dass sie die "authentischeren" Aufschlüsse über die Kultur und Religion der einheimischen Bevölkerung lieferten. Doch es wurde schnell deutlich, dass die Mehrheit diese Sprachen nicht beherrschte. Um besser kommunizieren zu können und so die koloniale Herrschaft zu verfestigen oder nachhaltiger in der einheimischen Bevölkerung zu missionieren, erlernten und dokumentierten Wissenschaftler im Dienst der Britischen Ostindien-Kompanie und christliche Missionare aus verschiedenen Ländern die vernakularen, also von den Einheimischen gesprochenen, Sprachen und trugen somit nachhaltig zu deren Standardisierung, insbesondere ihrer Prosaform, bei. Im Falle der bengalischen Sprache verdeutlicht die erste englischsprachige Grammatik, "A Grammar of the Bengal Language" (1778) von Nathaniel Brassey Halhed (1751–1830), einem Angestellten der Ostindien-Kompanie, diesen Standardisierungsprozess besonders gut.

Der Titel der von Halhed erstellten Grammatik deutet bereits darauf hin, dass es bis dato keine einheitliche Bezeichnung für die bengalische Sprache gab. So bezeichnet Halhed sie als "Bengal language" und "Bengalese". Während die englischen und deutschen Namen "Bengali" und "Bengalisch" letztendlich von dem Toponym "Bengal" beziehungsweise "Bengalen" hergeleitet wurden, benutzt man heute im Bengalischen sogar dasselbe Wort wie für die Region: bāṃlā (Bangla). Die zahlreichen, zum Teil sehr unterschiedlichen Varietäten des bengalischen Sprachkontinuums wurden somit schlichtweg unter dem Namen der geopolitischen Entität subsumiert. Wiederum in der ersten in Bengalisch verfassten Grammatik aus dem Jahr 1833 bezeichnet der Autor, kein geringerer als Ram Mohan Roy (1772–1833), einer der wichtigsten bengalischen Intellektuellen und Reformer jener Zeit, die von ihm beschriebene Sprache als gauṙīẏabhāṣā ("Gauṙīẏa-Sprache"), aber im englischen Nebentitel als "Bengali language". Somit verwendete er die von den Europäern eingeführte Bezeichnung, aber gleichzeitig auch ein Adjektiv (gauṙīẏa), das sich von einer altertümlichen einheimischen Bezeichnung für diese Region (Sanskrit: gauḍa; Bengalisch: gauṙ) herleitet. Während gauḍa der Name eines Königreiches zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert war, das heute von vielen auch aufgrund seiner Ausdehnung als erste bengalische geopolitische Entität wahrgenommen wird, wurde der Begriff später recht frei für eine nur schwer definierbare Region im heutigen Westbengalen verwendet.

Da es vor der intensiven Beschäftigung europäischer Philologen keine Abhandlungen zur bengalischen Sprache und entsprechende Standardisierungsversuche gab, wurde die Grundlage des modernen Bengalisch von denjenigen Sprachvarietäten gebildet, die in der Region gesprochen wurden, in der ab Ende des 18. Jahrhunderts die meisten dieser Abhandlungen und Druckerzeugnisse in bengalischer Sprache entstanden: Kalkutta, die angrenzenden Distrikte und der Distrikt Nadia im heutigen Westbengalen. Diese Region, die dem Machtzentrum des stetig wachsenden britischen Herrschaftsgebietes entsprach, ist jedoch nur ein kleiner geografischer Raum dieses Sprachkontinuums. Und da es in der Natur eines Kontinuums liegt, keine klaren Grenzen zu haben, war es ein komplexes Unterfangen, den bengalischen Sprachraum festzulegen. Dies war auch dem Umstand geschuldet, dass die Grenzen der geopolitischen Entität Bengalen, das heißt der Bengal Presidency oder Bengal Province, immer wieder verändert wurden. So erstreckte sich die Bengal Presidency 1858, in ihrer größten Ausdehnung, über weite Teile des heutigen Nordindiens, Pakistans, den gesamten Osten und Nordosten Südasiens, Myanmar, Singapur und Teile Malaysias. Und insbesondere im Falle der mit dem Bengalischen verwandten Sprachen Assamesisch, Oriya und Maithili waren die Sprachgrenzen fließend.

Ob man heute in Bengalisch oder einer benachbarten Sprache unterrichtet wird und seine Lokalsprache entsprechend als Dialekt der einen oder anderen wahrnimmt, ist oftmals lediglich das Ergebnis geopolitischer und verwaltungstechnischer Entscheidungen. So können sich auch noch heute zum Beispiel ein Assamese und ein Bengale aus derselben Grenzregion ohne Weiteres in ihrer Lokalsprache unterhalten, während sie in ihren Standardsprachen auf Kommunikationsprobleme stoßen. Zwei Bengalen wiederum, die aus entgegengesetzten Grenzgebieten stammen und ihre jeweilige Lokalsprache verwenden, können sich untereinander nicht verständigen. Erst die Verbreitung des standardisierten Bengalisch durch Schulbildung, Verwaltung und Literatur ab dem 19. Jahrhundert ermöglichte es, dass sich die Menschen in diesem weiten geografischen Raum problemlos miteinander verständigen und ein ethnolinguistisches Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln konnten. Da es jedoch auch in den angrenzenden Regionen vergleichbare Standardisierungsprozesse gab, entstanden Konflikte bei Ausdehnungsversuchen des bengalischen Sprachraums. So argumentierten bengalische Wissenschaftler, die sich im Dienst der Briten befanden, dass Assamesisch und Oriya lediglich Dialekte des Bengalischen seien, während Vertreter dieser beiden Sprachen wiederum mit Unterstützung christlicher Missionare, die die Standardisierung des modernen Assamesisch und Oriya angestoßen hatten, diese Klassifizierung längerfristig abwehren konnten.

Bei der Standardisierung der bengalischen Sprache handelte es sich jedoch nicht um einen bewussten Prozess, sondern sie war der auch andere südasiatische Sprachregionen betreffenden Annahme geschuldet, dass die vorgefundene Heterogenität Ergebnis linguistischer Verunreinigungen sei. So identifizierte Halhed insbesondere Wörter persoarabischen Ursprungs als fremd und berücksichtigte diese nicht in seiner Grammatik. Die Annahme, dass es ein "reines" Bengalisch gegeben hätte, das direkt aus dem Sanskrit entstanden sei und das es nun zu rekonstruieren galt, führte zu einem sanskritisierten Bengalisch, das die damalige gesprochene Sprache nicht widerspiegelte. Durch Halheds und zahlreiche weitere Abhandlungen, deren Autoren ähnliche Vorstellungen hatten, konnte sich so längerfristig eine standardisierte Form des Bengalischen, basierend auf den Varietäten Kalkuttas und Umgebung und mit Lehnwörtern aus dem Sanskrit, als Bildungs- und Literatursprache durchsetzen. Beschleunigt wurde dieser Prozess durch die Einführung der Druckerpresse in dieser Region Ende des 18. Jahrhunderts, die zudem für eine Standardisierung der Schrift sorgte, die heute offiziell – auch von Seiten der Internationalen Organisation für Normung (ISO) – nur als "bengalische Schrift" bezeichnet wird, obwohl sie auch für viele weitere Sprachen, zum Beispiel Assamesisch, Chakma, Meitei und Sanskrit, verwendet wurde und wird. Auch hier spielte Halheds Grammatik, für die Bengalisch zum ersten Mal mit beweglichen Lettern gedruckt wurde, eine wegweisende Rolle.

Dichotomisierung religiöser Identitäten

Die Suche nach einem "authentischen" Bengalen führte zu einer Negierung insbesondere der als muslimisch identifizierten Elemente, einer Hinwendung zur vormuslimischen Zeit und Wiederherstellungsversuchen einer rein hinduistischen Kultur. Nach über 500 Jahren fast durchgängig muslimischer Herrschaft in Bengalen bildete sich so eine bengalische Hindu-Elite in Kalkutta heraus, deren Mitglieder auch als bhadralok ("Gentleman") bezeichnet wurden, an britischen Bildungsinstitutionen studierten, im Dienst der Kolonialmacht standen und aufgrund dieser intellektuellen Impulse neue Vorstellungen ihrer Kultur entwickelten. Diese bis heute für die bengalische, aber auch indische Identität ausschlaggebende Epoche wird deshalb auch "Bengalische Renaissance" genannt. Und da es in dieser keinen Platz für das muslimische Erbe Bengalens gab, wandte sich die muslimische Elite vermehrt ihrem partikularen Erbe und der Enttäuschung über ihren Machtverlust zu. Während so zum Beispiel Hindu-Bengalen in Kalkutta die Entwicklung der modernen bengalischen Literatur und gesellschaftliche und religiöse Reformen vorantrieben und damit die Grundsteine des bengalischen, aber auch des indischen Nationalismus legten, produzierten Mitglieder der muslimischen Elite für längere Zeit weiterhin vornehmlich Literatur in Persisch und Urdu und konzentrierten sich auf ihre separate religiöse und nicht auf ihre ethnische Identität.

Vorangetrieben wurde die Dichotomisierung der einheimischen Bevölkerung in Hindus und Muslime auch durch die ab 1871 alle zehn Jahre landesweit stattfindenden Volkszählungen. Insbesondere im bengalischen Sprachraum, in dem die meisten religiösen Praktiken der einfachen Bevölkerung weder als eindeutig hinduistisch noch muslimisch identifizierbar waren, zwang die Volkszählung nun alle Menschen, sich exklusiv zu einer Religion zu bekennen. Dies war insofern ein Problem, da der Hinduismus lediglich eine Sammelbezeichnung für eine Vielzahl religiöser Praktiken ist, die erst im 19. Jahrhundert auf Grundlage des Sanskrit-Schrifttums und mit Hilfe einheimischer Eliten von europäischen Orientalisten unter dem Begriff "Hinduismus" subsumiert wurden. Viele dieser Praktiken waren jedoch an lokale religiöse Bewegungen gebunden und enthielten oftmals Elemente, die entweder einzigartig waren oder heute unterschiedlichen Religionen zugeschrieben werden. Dies betraf insbesondere den Osten Bengalens, wo ab dem 13. Jahrhundert im Zuge der Annexion durch das Delhi-Sultanat und die damit einhergehende Nutzbarmachung dieser Region für die Landwirtschaft Sufis den Islam verbreiteten. Diese charismatischen Mystiker schafften es, eine breite Anhängerschaft zu gewinnen, indem sie nicht eine orthodoxe Form des Islam predigten, sondern lokale Formen von Religiosität aufgriffen und mit Inhalten des mystischen Islam füllten und vermischten. Diese inklusive Form des Islam sorgte dafür, dass die Bevölkerung zwar mit Elementen des Islam vertraut war, aber dennoch weiterhin auch Rituale pflegte, die heute dem Hinduismus zugeschrieben werden.

Trotzdem wurden die meisten Menschen in Ostbengalen im Zuge der Volkszählungen als Muslime klassifiziert, die nun nach und nach auch durch die neu entstandenen Bildungseinrichtungen von den muslimischen Eliten lernten, was einen "echten Muslim" ausmache. Befeuert wurde die Dichotomisierung der Bevölkerung in Hindus und Muslime auch durch die sozioökonomischen Entwicklungen während der Kolonialzeit. Zu dem politischen Machtverlust der muslimischen Elite kam deren sozioökonomischer Abstieg hinzu, der zum Beispiel durch den wirtschaftlichen Aufstieg von Hindu-Eliten in Kalkutta, tiefgreifende Landreformen und die Einführung von Monokulturen verursacht wurde. Längerfristig führten diese Veränderungen nicht nur zu Hungersnöten, sondern auch zu Besitzverhältnissen, bei denen oftmals aus dem Westen Bengalens stammende Hindu-Familien, auch die von Rabindranath Tagore, große Landwirtschaftsflächen in Ostbengalen besaßen, die mehrheitlich von Muslimen bewirtschaftet wurden.

Erste und zweite Teilung Bengalens

Die erste Teilung Bengalens im Jahr 1905 wurde deshalb zu großen Teilen von muslimischen Eliten Ostbengalens begrüßt, während sie von bengalischen Hindu-Eliten als Versuch der Briten, dem Erstarken der bengalischen Nation und ihrem wachsenden Widerstand gegen die Kolonialmacht entgegenzuwirken, empfunden wurde. Gegen die Teilung wurde deshalb nicht nur mit Liedern wie "Mein goldenes Bengalen", sondern auch gewaltsam protestiert. Die Bengal Presidency war jedoch so groß und mit fast 80 Millionen Einwohnern so bevölkerungsreich geworden, dass deren Verwaltung tatsächlich eine enorme Herausforderung darstellte. Selbst zu der neuen Provinz "Bengalen" im Westen gehörten nach wie vor große Teile des heutigen Bihars, Jharkhands und Orissas, während die neue Provinz "Ostbengalen und Assam" fast den gesamten Nordosten des heutigen Indiens und Bangladesch umfasste. Erst mit der Wiedervereinigung Bengalens im Jahr 1912 entstand eine geopolitische Entität, die den heutigen Staaten Westbengalen und Bangladesch in ihrer Gesamtheit ähnelte, jedoch nach wie vor nicht einheitlich verwaltet wurde. Mit der Wiedervereinigung Bengalens wurde zudem die Hauptstadt Britisch-Indiens von Kalkutta nach Delhi verlegt, was längerfristig einen Bedeutungsverlust für die gesamte Region darstellte.

In den wenigen Jahren, die Bengalen geteilt war, hatte der politische Antagonismus zwischen muslimischen und Hindu-Eliten im gesamten Land zugenommen. So wurde 1906 in Dhaka, der heutigen Hauptstadt Bangladeschs, die All-indische Muslimliga von muslimischen Vertretern aus ganz Britisch-Indien gegründet. Diese fühlten sich in dem 1885 gegründeten Indischen Nationalkongress (Indian National Congress; INC), der ersten von den Briten anerkannten Interessenvertretung einheimischer Politiker, von Hindus dominiert. Drei Jahre später wurden deshalb auch auf Verlangen der Muslimliga 1909 getrennte Wählerschaften für Hindus und Muslime eingeführt. Den vorläufigen Höhepunkt kommunalistischer Politik stellte Ende 1930 eine Rede von Muhammad Iqbal (1877–1938), dem aus dem Pandschab stammenden neugewählten Vorsitzenden der Muslimliga, dar, in der er die Zwei-Nationen-Theorie vorstellte. Diese besagt, dass es sich bei Hindus und Muslimen um zwei unterschiedliche Nationen handele, die nicht nur verschiedene Religionen ausübten, sondern ihre eigenen Bräuche und Traditionen pflegten. Um einer potenziellen Unterdrückung in einem von Hindus dominierten Indien nicht ausgesetzt zu sein, stehe den Muslimen deshalb ein eigener Staat zu.

Nur zehn Jahre später folgte dieser Theorie die konkrete Forderung Muhammad Ali Jinnahs (1876–1948), im Falle einer Unabhängigkeit von Großbritannien einen Staat für die indischen Muslime zu gründen – Pakistan. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Vertretern der Muslimliga, des INC und der britischen Kolonialmacht sowie der Mobilmachung einer breiten muslimischen Bevölkerung durch die Muslimliga und daraus resultierenden Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen wurde dieser Forderung nachgegeben: Die Regionen, die laut Volkszählungen über muslimische Bevölkerungsmehrheiten verfügten – im Westen das heutige Pakistan und im Osten das heutige Bangladesch – bildeten ab dem 15. August 1947 Pakistan und der Rest Indien. Da es jedoch auch während der britischen Kolonialzeit kein einheitliches Indien gab, sondern viele Regionen nach wie vor Fürstentümer waren, wie zum Beispiel Jammu und Kaschmir im Nordwesten und Koch Bihar und Tripura im Osten, erwies sich die Gründung Indiens und Pakistans als äußerst komplex. Insbesondere die durch die Teilung verursachten Migrationsströme und die immer wieder aufflammenden Gewaltausbrüche mit einer hohen, wenn auch unbekannten Anzahl von Toten stellen bis heute ein generationenübergreifendes Trauma für breite Teile der Bevölkerung aller drei Staaten dar, das nur allmählich überwunden wird.

Gründung Bangladeschs

Dass die Bevölkerung Ost- und Westpakistans, die durch Indien und somit 1600 Kilometer getrennt war, keine Nation bildete, wurde nur wenige Jahre später deutlich. Auch wenn Muslime von der "Bengalischen Renaissance" im 19. Jahrhundert größtenteils ausgeschlossen waren, entwickelten nach der Jahrhundertwende auch muslimische Intellektuelle wie zum Beispiel Kazi Nazrul Islam (1899–1976) und Rokeya Sakhawat Hussain (1880–1932) eine starke bengalische Identität, produzierten Literatur in bengalischer Sprache, schlossen sich dem Widerstand gegen die Kolonialmacht an und sprachen sich für soziale Reformen aus. So gab es auch in weiten Teilen der gebildeten Bevölkerung in Ostbengalen, als es 1947 ein Teil Pakistans wurde, ein starkes religionsübergreifendes Bewusstsein für die bengalische Sprache, Literatur und Kultur. Anders als in Westpakistan, in dem Urdu als Amts- und Verkehrssprache weitestgehend akzeptiert wurde, kam es deshalb am 21. Februar 1952 auf dem Campus der University of Dhaka zu Protesten gegen Urdu als alleinige Staatssprache, die jedoch blutig niedergeschlagen wurden. Während Urdu die Erstsprache von lediglich 8 Prozent der heutigen pakistanischen Bevölkerung ist, sprechen 98 Prozent der Bangladeschis Bengalisch. Der Traum einer gemeinsamen Nation auf Grundlage des Islam wurde so von dem ethnolinguistischen Zusammengehörigkeitsgefühl der Bengalen in Ostpakistan überschattet.

Vertieft wurde der Antagonismus zwischen Ost- und Westpakistan durch die unausgeglichenen Machtverhältnisse in Politik, Militär und Wirtschaft. Die Dominanz von westpakistanischen Akteuren in diesen Bereichen und die Vernachlässigung der Infrastruktur in Ostpakistan stießen auf nachhaltigen Unmut bei der bengalischen Elite, deren Rufe nach Autonomie langsam lauter wurden. Ähnlich wie die Muslimliga während der britischen Kolonialzeit die Opferrolle der Muslime nährte und somit Massen mobilisieren konnte, geschah dies nun auf Basis ethnolinguistischer Zugehörigkeit. Sheikh Mujibur Rahman (1920–1975), einstiger Befürworter der Teilung und Zugehörigkeit Ostbengalens zu Pakistan, konnte so mit seiner Partei, der Awami-Liga, im Dezember 1970 bei der ersten Wahl zur Nationalversammlung Pakistans die Mehrheit der Sitze gewinnen. Da somit zum ersten Mal Bengalen die Regierung im gesamten Pakistan hätten stellen müssen, eskalierte der schwelende Konflikt zwischen der politischen Elite Westpakistans und einer mittlerweile breiten Bevölkerung in Ostpakistan. Die bisherigen Machthaber Pakistans, fast ausschließlich aus dem westlichen Teil, erkannten die Wahl nicht an und mobilisierten ab dem 25. März 1971 Streitkräfte in Ostpakistan, um die Region unter ihre Kontrolle zu bringen, woraufhin bengalische Politiker am nächsten Tag die Unabhängigkeit Bangladeschs ausriefen. Laut der Regierung Bangladeschs starben in dem darauffolgenden Krieg mehr als drei Millionen Menschen. Erst durch den von Pakistan beförderten Kriegseintritt Indiens konnte dieser am 16. Dezember 1971 beendet werden.

Während nur vier Jahre nach der Gründung des säkularen Bangladeschs, nach einem Militärcoup und der Ermordung Mujibur Rahmans, Islamisten die politische Bühne wieder betreten durften und der Islam 1988 zur Staatsreligion erklärt wurde, lebt auch die Idee einer säkularen bengalischen Nation weiter, und das Ausrufen einer Islamischen Republik, wie es 1956 für Pakistan der Fall war, scheint unwahrscheinlich. Dennoch zeigt die stete Abwanderung von Hindus nach Indien, dass es religiöse Minderheiten in diesem Staat schwer haben. Ein Bangladeschi ist eben nicht nur ein Bengale, sondern vor allem ein muslimischer Bengale oder bengalischer Muslim. Dies ist zumindest seit 1975 die stringente Identitätspolitik einer einflussreichen politischen Elite in Bangladesch, auch wenn es immer wieder populäre, insbesondere urbane Bewegungen gegen diese kommunalistische Politik gibt. In Westbengalen konnten sich Hindu-Nationalisten bis heute auf der politischen Bühne nicht durchsetzen, obwohl die "Bengalische Renaissance" auch als "Hindu-Renaissance" gilt. Muslime stellten 2021 31 Prozent der Bevölkerung Westbengalens, wo sie mehr Rechte als in den meisten anderen indischen Bundesstaaten haben, zum Beispiel das Recht auf den Verzehr von Kuhfleisch.

Auf der Suche nach dem goldenen Bengalen

Es scheint daher ironisch, dass das Lied "Mein goldenes Bengalen", das aus der Feder Rabindranath Tagores, dem letzten Vertreter der "Bengalischen Renaissance", stammt, heute die Nationalhymne des mehrheitlich muslimischen Bangladeschs ist. Aber die Zeilen, die heute voller Nationalstolz von Bangladeschis gesungen werden, beschreiben nichts Anderes als die Schönheit der Natur – der Mangohaine, Reisfelder, Banyanbäume –, die Schönheit des ländlichen Bengalens, in der die urbane Elite zu Beginn des 20. Jahrhunderts das "authentische" Bengalen suchte, aber dessen Bevölkerung bei den weitreichenden politischen Entscheidungen in den vergangenen 200 Jahren nicht nach ihrer Meinung gefragt wurde. Es ist deshalb unklar, ob sich die fast 300 Millionen Bengalen in den verschiedenen geopolitischen Entitäten jemals als Nation verstanden haben.

Als Rabindranath Tagore 1905 "Mein goldenes Bengalen" verfasste, träumte er von einem Bengalen, das so offensichtlich nur von einer begrenzten Bevölkerungsgruppe imaginiert wurde. Die Bildung einer bengalischen Nation befand sich zu dieser Zeit in den Anfängen und wurde kurz darauf von kommunalistischer Politik überschattet. Dass sich Menschen in Bengalen jedoch schon vor der ersten Teilung als unterschiedlich wahrnahmen und das nicht nur aufgrund religiöser Zugehörigkeiten, spiegelt sich auch in den Bezeichnungen bāṅāl (Bangal) für Menschen aus Ostbengalen und ghaṭi (Ghoti) für Bengalen aus Westbengalen wider. Neben den Lokalsprachen, die sich in Aussprache, Grammatik und Vokabular unterscheiden, assoziiert man mit diesen beiden Bezeichnungen auch spezifisches Essen, Kleidung, religiöse Praktiken und sogar Verhaltensweisen, die den anderen fremd sind. Selbst in Kalkutta gibt es aufgrund dieser Differenzen zwei Fußballvereine, die beide von Hindus gegründet wurden – Mohun Bagan AC 1889 von lokalen Bengalen, sogenannten Ghotis, und East Bengal Club 1920 von Hindus, die aus Ostbengalen nach Kalkutta immigriert waren. Die ethnisch-religiöse Komplexität wird erst recht verdeutlicht durch den 1887 von Muslimen in Kalkutta gegründeten Fußballverein, der seit 1891 als Mohammedan Sporting Club firmiert. Diese drei Vereine zählen nach wie vor zu den bedeutendsten Fußballvereinen Indiens.

Wenn Bengalen heute an ein goldenes Bengalen denken, haben sie ganz unterschiedliche Vorstellungen, auch wenn sich diese unabhängig von geopolitischer und Religionszugehörigkeit überschneiden können. Der Blick ist dabei nur selten in die Zukunft gerichtet, vielmehr schaut man auf vermeintlich glorreichere Zeiten zurück: auf die Blütezeit buddhistischer oder hinduistischer Reiche, den wirtschaftlichen Aufstieg dieser Region unter muslimischer Herrschaft, den damit verbundenen Reichtum, der verschiedene europäische Mächte anlockte und zur Eroberung durch die Briten führte. Mit Stolz wird von Subhash Chandra Bose (1897–1945) berichtet, der laut seiner Bewunderer durch die Kooperation mit Hitler-Deutschland und Japan den Briten so zusetzte, dass sie letztendlich wegen seiner und nicht Gandhis Aktivitäten Indien in die Unabhängigkeit entließen. In Bangladesch ist es der Tod der sogenannten Sprachmärtyrer am 21. Februar 1952, der für viele den Auftakt der Unabhängigkeitsbewegung bildete und wegen dem der Internationale Tag der Muttersprache an diesem Tag begangen wird. Besonders in Kalkutta schwelgt man in Erinnerungen, wenn man an das 19. Jahrhundert denkt, als diese Stadt das intellektuelle und kulturelle Zentrum Südasiens war. Und wenn heute ein Bengale, wie zum Beispiel der Wirtschaftsnobelpreisträger von 1998, Amartya Sen, zu Weltruhm gelangt, geht der altbekannte Spruch "Was Bengalen heute denkt, denkt Indien morgen. Was Indien heute denkt, denkt die Welt morgen." schon wieder etwas leichter über die Lippen. Nostalgie ist ein wichtiger Bestandteil bengalischer Identität – Nostalgie und Musik, die diese widerspiegelt: so auch die Melodie von "Mein goldenes Bengalen", die eine Adaption eines Baul-Liedes ist und somit eine religiöse Strömung des ländlichen Bengalens repräsentiert, deren Anhänger sich bis heute wehren, sich eindeutig als Hindus oder Muslime zu klassifizieren.

Eine Karte zur Sprachenvielfalt in Indien ist unter Interner Link: Karten zu finden.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Bengalisches Original: āmār sonār bālā, āmi tomā bhālobāsi.

  2. Die Angaben in den Klammern stellen eine vereinfachte Transkription dar, die der besseren, wenn auch nicht genauen Aussprache dient; ó wird wie in "oft" gesprochen und o wie in "Hotel". Vgl. Carmen Brandt, Why Dots and Dashes Matter: Writing Bengali in Roman Script, in: Ulrike Niklas et al. (Hrsg.), "Das alles hier". Festschrift für Konrad Klaus zum 65. Geburtstag, Heidelberg–Berlin 2021, S. 48f.

  3. Sanskrit wurde in verschiedenen Schriften festgehalten und unterschiedlich ausgesprochen. So liest man in der Nāgarī-Schrift im Westen Südasiens vaga (Vanga) und in der bengalischen im Osten baga (Bóngo).

  4. Vgl. Bernard S. Cohn, Colonialism and Its Forms of Knowledge: The British in India, Princeton 1996.

  5. Vgl. Thibaut d’Hubert, Literary History of Bengal, 8th–19th Century AD, in: Oxford Research Encyclopedia of Asian History, Oxford 2018, S. 9, Externer Link: https://doi.org/10.1093/acrefore/9780190277727.013.39.

  6. Vgl. Nathaniel Brassey Halhed, A Grammar of the Bengal Language, Hoogly 1778.

  7. Ebd., S. xxi, S. 3, S. xv, S. 160.

  8. Vgl. RāmꞋmohan Rāẏ, Gauṙīẏa byākaraṇ (= Rammohun Roy’s Grammar of the Bengali Language), Kalkutta 1833.

  9. Zur Identität im vorkolonialen Bengalen vgl. Hans Harder, Überlegungen zur indischen Nationalidentität: Ein Essay, in: Rahul Peter Das/Hanne Schönig (Hrsg.), Großmacht Indien, Halle/S. 2004, S. 61–80.

  10. Vgl. z.B. die ersten Grammatiken für Assamesisch und Oriya: N[athan] Brown, Grammatical Notices of the Asamese Language, Sibsagor 1848; Amos Sutton, Introductory Grammar of Oriya Language, Kalkutta 1831.

  11. Vgl. Rahul Peter Das, Bengalischer Nationalismus und die Konstruktion einer austroasiatischen Vergangenheit, in: Michael Bergunder/Rahul Peter Das, "Arier" und "Draviden": Konstruktionen der Vergangenheit als Grundlage für Selbst- und Fremdwahrnehmungen Südasiens, Halle/S. 2002, S. 181–205.

  12. Vgl. Halhed (Anm. 6), S. xx f.

  13. Vgl. Carmen Brandt, Writing Off Domination: The Chakma and Meitei Script Movements, in: South Asian History and Culture 1/2018, S. 116–140, hier S. 119.

  14. Vgl. Peter Gottschalk, Religion, Science, and Empire: Classifying Hinduism and Islam in British India, New York u.a. 2013.

  15. Vgl. Arvind Sharma, On Hindu, Hindustān, Hinduism and Hindutva, in: Numen 1/2002, S. 1–36.

  16. Vgl. Richard Eaton, The Rise of Islam and the Bengal Frontier, 1204–1760, Berkeley 1993.

  17. Noch heute werden von Anhängern des mystischen Islam in Bangladesch zum Beispiel Lieder zu Ehren des hinduistischen Gottes Krishna und seiner Geliebten Radha gesungen. Vgl. Hans Harder, Sufism and Saint Veneration in Contemporary Bangladesh: The Maijbhandaris of Chittagong, London–New York 2011, S. 280.

  18. Vgl. Anil Baran Ray, Communal Attitudes to British Policy: The Case of the Partition of Bengal 1905, in: Social Scientist 5/1977, S. 34–46.

  19. Die Begriffe "Kommunalismus" und "kommunalistisch" (von "communalism" und "communal" im Englischen) bezeichnen im südasiatischen Kontext Phänomene der Identitätspolitik auf Basis vornehmlich religiöser, aber auch ethnischer Zugehörigkeit.

  20. Vgl. Ayesha Jalal, The Sole Spokesman: Jinnah, the Muslim League and the Demand for Pakistan, Cambridge u.a. 1985.

  21. So ist auch der sogenannte Kaschmirkonflikt, der bis heute nicht gelöst ist, eine Folge von Dekolonisierung und Staatengründung.

  22. Vgl. z.B. Annu Jalais, Geographies and Identities: Subaltern Partition Stories along Bengal’s Southern Frontier, in: David N. Gellner (Hrsg.), Borderland Lives in Northern South Asia: Non-State Perspectives, Durham 2013, S. 245–265.

  23. Vgl. Anwar Dil/Afia Dil, Bengali Language Movement and the Creation of Bangladesh, San Diego–Dhaka 2011.

  24. Die genauen Zahlen der Opfer dieses Krieges sind unbekannt. Der bangladeschische Staat besteht auf drei Millionen und spricht von einem Genozid an seiner Bevölkerung durch das pakistanische Militär und dessen Kollaborateuren. Pakistan lehnt diese Bezeichnung bis heute ab und verweigert zudem eine offizielle Entschuldigung.

  25. Indien trat offiziell am 3. Dezember 1971 in den Krieg ein, nachdem die pakistanische Luftwaffe indische Stellungen an der Grenze zu Westpakistan bombardiert hatte. Zuvor unterstützte Indien bengalische Freiheitskämpfer mit Waffen und der Ausbildung an diesen und nahm Kriegsflüchtlinge auf.

  26. Vgl. z.B. Jan Kuhlmann, Subhas Chandra Bose und die Indienpolitik der Achsenmächte, Berlin 2012.

  27. Die Bauls werden oftmals als mystische Wandersänger romantisiert. Vgl. Jeanne Openshaw, Seeking Bāuls of Bengal, Cambridge u.a. 2002.

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ist Juniorprofessorin für Gegenwartsbezogene Südasienwissenschaft an der Universität Bonn.
E-Mail Link: cbrandt@uni-bonn.de