Meine Merkliste

Freundschaft

Freundschaft fluter Nr. 73

Produktvorschau

Allgemeine Informationen
Produktpreis: 0 € und 0 Cents zuzüglich Versandkosten

Bestellmenge angeben

Dem Warenkorb hinzufügen

Inhaltsbeschreibung

Externer Link: Zum Heft auf fluter.de Externer Link: Zum fluter-Abo

Freundschaft ist zunächst die Fortsetzung der Familie mit eigenen Mitteln. Aus vorgegebenen Beziehungen werden eigene Entscheidungen für oder gegen andere Menschen. In unseren Freundeskreisen geben wir unseren Werten und Haltungen eine soziale Gestalt. Das Persönliche und Emotionale wird hier politisch. Wir nutzen Möglichkeiten, die uns von vornherein gegeben sind, und seltener solche, die wir aktiv suchen und ergreifen.

Auch auf der Bühne der großen Politik gibt es sehr verschiedene Formen der Freundschaft – sei es, dass Entfeindungen das Ziel generationenübergreifender Friedensprozesse werden, sei es, dass Freundschaft ein anderer Name für Fügsamkeit im Bündnis mit einer Übermacht ist.

In autoritären Gesellschaften werden aus Freundeskreisen immer wieder Plattformen des Dissidentischen, sie bilden rare Zonen der Freiheit und des riskanten Engagements. In den westlichen Konkurrenzgesellschaften sind viele Freundschaften eher Erlebniszonen auf der Jagd nach dem kleinen, feinen Unterschied. Aber auch hier können Freundeskreise dazu dienen, Vertrauen zu wagen, Solidarität und Hingabe zu erfahren und zu gestalten.

Freundschaft kann auch einengen, dann werden die Grenzen meiner Freundeskreise die Grenzen meiner Welt. Dabei sind Ausgrenzungen, Herabwürdigungen bis hin zu offenen und gewaltsamen Feindschaften ein probates Mittel der inneren Mobilisierung dieser Gemeinschaften. Das ist einer der Resonanzräume für Populismus und autoritäre Regimes.

Den Entwurf eines eigenen, selbstbestimmten Lebens dagegenzusetzen, neue soziale Beziehungen zu suchen, Kritik auch an Freundinnen und Freunden zu üben kann befreiend wirken. Diese Offenheit macht weitere eigene Entwicklungen möglich, jenseits von Glaubensgrenzen und fixen Ideologien. Freundschaften sind deshalb oft auch ein Mittel gegen die inzwischen allgegenwärtige autoritäre und identitäre Versuchung.

Was wir aus Freundschaften machen, sagt einiges über unser Verständnis, unsere Aneignung sozialer Verhältnisse aus. Entscheidende Fragen werden dabei aktiviert: Auf wen kann ich mich verlassen, selbst wenn alle sich abwenden, wer vertraut mir warum, und wem will ich, wie weit will ich vertrauen? Was macht und hält uns stark?

Aber auch die eigenen Interessen werden erprobt – wer nützt mir, wem nutze ich, was soll als Nutzen gelten: der soziale Aufstieg, eine bessere Ökonomie und/oder die gemeinsame Erkundung von Sinn, Wahrheit, Achtung? Wie werden die radikalen Medien Macht, Ruhm, Geld in Freundschaften verarbeitet, ausgelebt oder aber auch überwunden? Sollen und können Freundschaften überhaupt von den Zwängen dieser Kräfte frei gehalten werden? Oder werden sie letztlich immer wieder zur emotional erweiterten Reproduktion der herrschenden Verhältnisse?

Die allgegenwärtigen digitalen Medien schärfen diese Fragen noch und geben dem "sozialen Kapital" völlig neue Verwertungszyklen. Wenn Waren Freunde werden, wir Daten daten, die Informationen über unsere persönlichen Beziehungen zu Wertanlagen globaler Konzerne geraten, ist die "Schöne neue Welt" schon da. Sie ist aber weder neu noch schön. Auch darüber lohnt es sich mit Freunden zu streiten.

Produktinformation

Bestellnummer:

5873

Reihe:

fluter

Herausgeber/-innen:

bpb

Ausgabe:

Nr. 73

Seiten:

50

Erscheinungsdatum:

16.12.2019

Erscheinungsort:

Bonn

Weitere Inhalte

Schriftenreihe
Vergriffen

Identitäten

Vergriffen

Fragen von Identität und kollektiven Kategorien werden in politischen Debatten teils kontrovers verhandelt. Der Philosoph Kwame Anthony Appiah macht auf die Widersprüchlichkeiten solcher…

Fachtagung 2018: "Was ist Identität?“

Ein "guter" Populismus der Linken?

An den Vortrag von Jan-Werner Müller schloss sich eine Diskussion, moderiert vom Präsidenten der Bundeszentrale Thomas Krüger, mit dem Publikum an. Dabei ging es beispielsweise um die Frage nach…

Fachtagung 2018: "Was ist Identität?“

Identitätspolitik und Populismus

Jan-Werner Müller, Professor für Politische Theorie an der Princeton University, räumte in seinem Vortrag mit einigen Vorurteilen gegenüber der Identitätspolitik auf und grenzte sie von…

Fachtagung 2018: "Was ist Identität?“

Rückbindung an die Praxis

Der Vormittag schloss mit einem praktischen Format zur Anbindung der theoretischen Impulse von Armin Nassehi und Susanne Boshammer an den Alltag der Schulen. Roland Henke, Fachleiter für Philosophie…

fluter
0,00 €

Identität

0,00 €
  • Pdf

Identität gibt es nur im Plural. Sie ist oft die Summe dessen, wie wir andere sehen oder verkennen und wie wir gesehen werden und gesehen werden wollen. Identitätsbildungen erzählen…

  • Pdf
Frankreich

Kultur und Identität

Kultur gilt als ein Eckpfeiler der französischen Identität. So wird die französische Sprache als Hauptmerkmal der nationalen Identität gepflegt und gesetzlich geschützt. Zudem fördert die…