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Kommentar: Die russische Außenpolitik im Nahen Osten nach dem Sturz Assads und dem Tod Chameneis | Russland-Analysen | bpb.de

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Kommentar: Die russische Außenpolitik im Nahen Osten nach dem Sturz Assads und dem Tod Chameneis Russland-Analysen Nr. 479

Mark N. Katz

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Russlands Agieren im Nahen Osten könnte mit dem Einbezug der Ukraine als Partner der Golfstaaten ein neues Gleichgewicht erzeugen.

Energieminister S. Tsivilew, der iranische Botschafter Kazem Jalali und der stellvertr. Millitärattache Sagedh Rezaei Moghadam bei einem Treffen in Moskau. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Mikhail Sinitsyn)

Herausgeber der Länderanalysen

Die Russland-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Russland hat den Sturz des Regimes von Baschar al-Assad in Syrien im Dezember 2024 nicht verhindert, welches Moskau bis dahin jahrelang verteidigt hatte. Russland hat auch dem Iran während des 12-Tage Krieges im Juni 2025 nicht dabei geholfen, die israelischen und amerikanischen Angriffe auf seine Nuklearanlagen und andere Ziele zu überstehen. Seit der Wiederaufnahme des Iran-Kriegs im Februar 2026 hat Russland ebenfalls nicht viel unternommen, um den Iran gegen amerikanische und israelische Angriffe zu unterstützen, bei denen der oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, und viele andere hochrangige iranische Beamte getötet wurden. Dies hat den Eindruck erweckt, dass Russland so sehr in seinem Krieg gegen die Ukraine feststeckt, dass es nicht in der Lage ist, seinen engsten anti-amerikanischen Verbündeten im Nahen Osten (oder in Venezuela) wirksam zu helfen

Russland ist jedoch trotzdem in Syrien und im Iran weiterhin präsent geblieben. In Syrien bat Russland die neue Führung unter Ahmed al-Scharaa, gegen deren Streitkräfte es zuvor gekämpft hatte, um den Fortbestand der russischen Luft- und Marinestützpunkte im Land – und die neue Führung willigte ein. Dies war eine wirklich bemerkenswerte diplomatische Leistung Russlands. Dem Iran hat Russland zwar keine Truppen oder schweren Waffen zur Verfügung gestellt, aber es soll Teheran Berichten zufolge mit Technik zur Unterdrückung der Opposition im Land unterstützt haben. Russland soll auch seine Erfahrungen in der Ukraine weitergegeben haben, um den iranischen Streitkräften zu helfen, Drohnenangriffe gegen Ziele in den arabischen Golfstaaten, Israel, der Türkei, Aserbaidschan und anderen Ländern zu starten.

Auch wenn die Lage im Nahen Osten nach Rückschlägen für Russland aussieht, könnte es von den aktuellen Entwicklungen sogar profitieren. In Syrien behält Russland seine Stützpunkte, muss dafür aber nicht mehr die Kosten tragen, um das Überleben des Regimes militärisch zu sichern. Der durch den Irankrieg verursachte höhere Ölpreis kommt Russland zugute, das seinen Krieg gegen die Ukraine mit dem Export seines von westlichen Sanktionen betroffenen Erdöls finanziert. Einige russische Beobachter gehen auch davon aus, dass der Irankrieg die Aufmerksamkeit und Ressourcen der Amerikaner und Europäer vom Krieg in der Ukraine ablenkt.

Allerdings sind mit der russischen Unterstützung für iranische Drohnenangriffe gegen seine Nachbarländer ernsthafte Risiken verbunden. Der russische Präsident Wladimir Putin könnte davon ausgehen, dass iranische Angriffe auf arabische Golfstaaten, die Türkei und Aserbaidschan ein Mittel sein könnten, um die öffentliche Meinung und die Regierungen dieser Länder dazu zu bewegen, ein Ende der US-amerikanischen und israelischen Angriffe gegen den Iran zu fordern. Vor der aktuellen Eskalation hatte Moskau jedoch Wert daraufgelegt, sich nicht nur als Freund des Iran, sondern auch der arabischen Golfstaaten, der Türkei und sogar (bis zu einem gewissen Grad) Israels zu präsentieren. Diese Länder hofften, so das feindselige Verhalten des Iran ihnen gegenüber eindämmen zu können. Wenn Russland jetzt einseitig den Iran unterstützt, untergräbt dies Putins Behauptung, dass die Fähigkeit Russlands, mit allen Seiten im Nahen Osten zusammenzuarbeiten, Russland für alle zu einem begehrten Partner als Vermittler mache.

Jetzt zeigt Putin allen, dass ihm die Hilfe für iranische Drohnenangriffe wichtiger ist als der Schutz der von den Angriffen betroffenen Nachbarländer. Als Reaktion darauf haben einige arabische Golfstaaten nicht nur die USA, sondern auch die Ukraine um verstärkte Unterstützung bei der Luftverteidigung gebeten, denn die Ukraine verfügt über viel Erfahrung in der Abwehr russischer Angriffe mit vom Iran entwickelten Drohnen. Die erklärte Bereitschaft der Ukraine, den vom Iran angegriffenen Ländern im Nahen Osten zu helfen, hat auch den Staaten im Nahen Osten, die der Ukraine bisher distanziert gegenüber standen, mehr Gründe denn je gegeben, die Ukraine als einen Partner zu betrachten, dessen Überleben in ihrem eigenen Interesse liegt. Das ist natürlich ganz und gar nicht im Sinne Putins.

Putins Außenpolitik wird oft als äußerst flexibel und widerstandsfähig beschrieben. Moskaus Erfolg, Russlands Stützpunkte in Syrien nach dem Sturz Assads zu sichern, bestätigte dieses Bild zumindest teilweise. Im Hinblick auf den gegenwärtigen Konflikt mit dem Iran könnte sich Putins Politik jedoch als weniger erfolgreich erweisen. Die russische Unterstützung für den Iran reichte nicht aus, um den Iran vor den immensen Schäden durch die Luftangriffe der USA und Israels zu schützen. In Reaktion auf die von Russland unterstützten iranischen Drohnenangriffe nehmen die Nachbarländer nun die Hilfe der Ukraine in Anspruch, um sich gegen den Iran zu verteidigen. Es wäre in der Tat ironisch, wenn Russlands Verhalten dazu führen würde, dass die traditionellen Verbündeten der USA im Nahen Osten den Konflikt der Ukraine mit Russland nicht mehr als Ablenkung von ihrem Konflikt mit dem Iran betrachten, sondern die Verteidigung der Ukraine gegen Russland als einen wesentlichen Bestandteil ihrer eigenen Verteidigung gegen den Iran begreifen.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Mark N. Katz ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Schar School of Policy and Government der George Mason University und externer Senior Fellow beim Atlantic Council.