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Zum Einsatz der Comic-Reportagen im Unterricht | Didaktische Materialien (OER) | bpb.de

Zum Einsatz der Comic-Reportagen im Unterricht Handreichung für Pädagoginnen und Pädagogen

René Mounajed Stefan Semel

/ 11 Minuten zu lesen

Das "Alphabet des Ankommens" ist besonders geeignet, um sich im Unterricht mit Themen wie Fremdheit und Alterität auseinanderzusetzen. Schüler können die Comic-Reportagen dabei in Bezug zu eigenem Wissen oder eigenen Erfahrungen setzen und sie sachlich sowie moralisch beurteilen. Die Arbeitsaufträge bedienen alle drei Anforderungsbereiche und sehen kognitive wie kreative Zugänge vor.

Blocks und Schulbücher (© picture alliance / Bildagentur-online/Tetra)

Die vorliegenden Comic-Sequenzen sind binnen weniger Tage im Rahmen eines Workshops im März 2017 von Journalisten und Journalistinnen, Künstlerinnen und Künstlern entwickelt worden. Sie besitzen demnach Workshopcharakter; das bedeutet, dass sie weder in der grafischen Umsetzung "perfekt" gestaltet noch in der inhaltlichen Gestaltung vollständig durchdacht worden sind: Workshop-Resultate stellen meistens eher nur Zwischenergebnisse dar, die mit zeitlichem Abstand und evtl. wechselnder Expertise weiterentwickelt werden. Dieser etwas unfertige Zustand der vorliegenden Arbeiten mindert jedoch nicht deren Botschaft oder Substanz – Im Gegenteil: Der den Reportagen zugrundeliegende inhaltliche Kern ist für die Rezipienten vielleicht sogar noch klarer erkennbar und greifbarer.

Die zwölf Comic-Reportagen widmen sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven dem Themenkomplex "(Zwangs-)Migration – Ankommen in Deutschland" und zeigen anhand von realen Schicksalen auf, wie gut – oder eben wie schwierig – die Integration von Geflüchteten in Deutschland 2015 und in Folge verlaufen ist und wahrgenommen wurde. Wir können in den Reportagen Menschen mit herausragendem ehrenamtlichem Engagement erleben, aber auch Behördenmitarbeiter, die ihre Macht missbrauchen; wir lesen von engagierten Geflüchteten und von ihnen wenig freundlich gesinnten Deutschen. Hier zeigt sich dann auch die Wahl des Comics als passendes Medium der Reportagen, da der Comic in seiner Geschichte oftmals die Alltagswelt der Menschen präferiert und kleine Geschichten mit Zeitgeschichte verbindet.

So spannend die Auseinandersetzung mit den vorliegenden Reportagen auch ist, so schwierig ist sie aufgrund des aufgezeigten Workshopcharakters in Bezug auf schulisches Lernen im Politik- und Geschichtsunterricht: Sie lassen viele Fragen offen. Mitunter arbeiten sie plakativ oder mit Vorurteilen bzw. Halbwahrheiten und setzen notwendiges Hintergrundwissen voraus. Mehrfach werden Sachaspekte thematisiert, die für schulisches Lernen kaum relevant sind. Für den Unterricht sind diese Sequenzen aber auch nicht gefertigt worden.

Aus der didaktischen Perspektive leitet sich daraus ab, dass die vorliegenden Sequenzen im Unterricht der Sekundarstufe II eingesetzt werden sollten. Jüngere Schülerinnen und Schüler sind mit den Arbeiten eher überfordert. Dafür sind die Comic-Reportagen für den Einsatz in der Erwachsenenbildung ausgesprochen gut geeignet, gerade dann, wenn manche Lernende selbst über einen Fluchthintergrund verfügen.

Aufgrund ihrer Beschaffenheit liegt das zentrale didaktische Potenzial der Reportagen in der Auseinandersetzung mit historisch-politischer Alterität: So können die Schülerinnen und Schüler die Reportagen zu eigenem Wissen oder eigenen Erfahrungen in Beziehung setzen sowie sachlich und moralisch beurteilen. Auch üben sich die Schülerinnen und Schüler in der Wahrnehmung des Fremden als dem Anderen (Alterität) und es bieten sich ihnen Lernanlässe zur Perspektivübernahme. Es empfehlen sich also Unterrichtseinsätze als inhaltliche Vertiefungen und Bewertungen des Themas und darauf aufbauend methodisch kreative Verfahren im Umgang mit dem Material (Fortsetzungen zeichnen oder schreiben, innere Monologe entwerfen u.a.). Wichtig im Umgang mit den Reportagen ist die Erkenntnis, dass die Comic-Reportagen selbst Darstellungen und nicht Quellen der Gegenwart oder Geschichte sind; die Berichte und Materialien, auf denen sie beruhen, stellen in diesem Fall die Quellen (es ließe sich hier auch von "Interner Link: Oral history" sprechen) dar.

Die in diesem Kapitel versammelten zwölf Arbeitsblätter widmen sich jeweils einer Comicreportage. Daher können sich die Lehrkräfte auf eine Auswahl von Reportagen beschränken oder mit allen arbeiten. Bei der Bearbeitung eignen sich kooperative methodische Verfahren (Think-Pair-Share) in Partner- oder Gruppenarbeit. Die Arbeitsaufträge bedienen jeweils alle drei Anforderungsbereiche und sehen kognitive wie kreative Zugänge vor.

Ergänzt werden diese Einzelauseinandersetzungen durch ein Unterrichtsprojekt (Simulationsspiel), das versucht, zumindest sechs der zwölf Reportagen miteinander zu verbinden und in Beziehung zueinander zu setzen. Im Rahmen einer fiktiven Talkshow sollen sechs Figuren aus sechs Reportagen aus ihren Perspektiven zum Thema "Angekommen in Deutschland" Stellung nehmen und miteinander ins Gespräch kommen. Als weitere Kompetenzförderung wird dadurch die Auseinandersetzung mit der Kategorie der Multiperspektivität berücksichtigt.

Didaktischer Kommentar zu den Arbeitsblättern

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