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Iran und Israel | Israel 2025 | bpb.de

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Iran und Israel

Oberst a.D. Eldad Shavit

/ 12 Minuten zu lesen

Der Iran versucht außenpolitisch seinen Einfluss in der Region auszubauen. Dazu gehört die Unterstützung verbündeter Milizen wie Hisbollah und Hamas und auch der Aufbau eines Atomprogramms. Dies führte zuletzt zu einer Eskalation der Konflikte mit Israel und den USA.

Das israelische Luftabwehrsystem „Iron Dome“ am Freitag, dem 13. Juni 2025 im Einsatz gegen iranische Raketen die auf Tel Aviv abgefeuert wurden. (© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Leo Correa)

Die jahrzehntelange Konfrontation zwischen Israel und dem Iran ist längst über den Rahmen eines klassischen regionalen Konflikts hinausgewachsen. Sie hat sich zu einer komplexen, vielschichtigen und an mehreren Fronten stattfindenden Auseinandersetzung entwickelt. Sie wird auf ideologischer, militärischer – einschließlich nuklearer –, diplomatischer und technologischer Ebene geführt. Zudem sind nicht nur die beiden Staaten daran beteiligt. Vielmehr ist auch ein umfangreiches Netzwerk von Stellvertreterkräften im Nahen Osten daran beteiligt, die vom Iran gelenkt werden. Der vorliegende Beitrag gibt einen kurzen Überblick über den historischen Hintergrund des Konflikts, analysiert die größten Herausforderungen für Israel und untersucht die wichtigsten Trends, die die Konfrontation in den nächsten zehn Jahren prägen dürften.

Von verdeckter Zusammenarbeit zu offener Feindseligkeit

Während der Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi pflegten der Iran und Israel Beziehungen, die zwar im Verborgenen stattfanden, aber von strategischer Bedeutung waren. Sie beruhten auf gemeinsamen regionalen Interessen und umfassten nachrichtendienstliche, sicherheitspolitische und technologische Kooperation. Die israelische Strategie einer „Peripherie-Allianz“ positionierte den Iran neben anderen nichtarabischen Staaten wie der Türkei und Äthiopien, um der von Israels Feinden ausgehenden Gefahr entgegenzuwirken.

Die Islamische Revolution von 1979 markierte jedoch eine radikale Wende, weil das Regime von Ajatollah Ruhollah Chomeini eine vehement antiisraelische und antiwestliche Haltung einnahm. Er verunglimpfte Israel als „Krebsgeschwür“ und sprach ihm das Existenzrecht ab. Seitdem ist der Iran – angetrieben von einer Mischung aus religiöser Ideologie, geopolitischen Ambitionen und dem Streben nach regionaler Vorherrschaft – unablässig gegen Israel vorgegangen, einschließlich der Unterstützung für Stellvertretermilizen. Diese Feindseligkeit wurde durch aufwiegelnde Rhetorik der iranischen Führung verstärkt, die Israel immer wieder als ein illegitimes Konstrukt bezeichnete, das es zu vernichten gelte.

Fundamentalistischer Islam und tiefsitzender Hass auf Israel als strategische Bedrohung

Die Verknüpfung des radikalen schiitischen Islams und der abgrundtiefen Feindseligkeit gegenüber Israel mit modernen Waffen stellt für Israel eine anhaltende, langfristige strategische Bedrohung dar. Diese Bedrohung ist durch drei Kernelemente geprägt. Religiös-revolutionäre Ideologie

Das iranische Regime, das seine Wurzeln in der Islamischen Revolution von 1979 hat, betrachtet den Widerstand gegen Israel nicht nur als ein politisches, sondern auch als ein religiöses Gebot. Der „Oberste Führer“ Ali Chamenei sieht den Zionismus als eine vom Westen angestiftete Entweihung des Islam an; die Unterstützung des palästinensischen „Widerstands“ wird als heilige Pflicht dargestellt.

Hass auf Israel als strategisches Instrument

Über die Theologie hinaus nutzt der Iran die antiisraelische Stimmungsmache, um sich an die Spitze einer „Achse des Widerstands“ zu stellen. Zu deren Zielen gehört es auch, gemäßigte arabische Staaten zu bekämpfen und zu unterminieren und die eigene Bevölkerung gegen den äußeren Feind zu einen. Die Unterstützung von Proxys wie Hisbollah und Hamas stärkt den iranischen Einfluss in der Region unter dem Deckmantel des antizionistischen Widerstands. Langfristiger multidimensionaler Ansatz

Der Iran strebt keinen Kompromiss mit dem Staat Israel an, sondern dessen schrittweise Auslöschung. Er vermied bis 2025 direkte Konflikte und erweiterte zugleich seine Kapazitäten im Atomwaffen- und Raketenbau, in der Cyberkriegsführung und in Stellvertreterkriegen. Dadurch wird er weniger anfällig für Abschreckung. Durch seine geduldige Strategie unterscheidet sich der Iran von anderen Gegnern Israels.

Im Gegensatz zu traditionellen Bedrohungen entspringt die Feindseligkeit des Iran gegenüber Israel einer ideologisch-religiösen Vision, die eine Koexistenz mit Israel ablehnt. Diese fest verankerte Weltanschauung verleiht dem Kampf gegen Israel mehr Härte, innenpolitische Legitimität und strategische Kohärenz. Dadurch werden – trotz der damit einhergehenden Belastung der iranischen Wirtschaft – hohe finanzielle Aufwendungen für die antiisraelische Strategie politisch ermöglicht. Für den Iran ist Israel nicht nur ein Rivale, sondern ein Gebilde, das im Widerspruch zu den ideologischen Grundlagen der Islamischen Republik steht. Durch diese Wahrnehmung wird der Kampf gegen Israel zu einer strategischen und existenziellen Aufgabe, auf der die iranische Militärdoktrin seit Jahrzehnten aufbaut.

Die Sicherheitsdoktrin und die militärischen Kapazitäten des Iran: die Gefahren für Israel Die Sicherheitsstrategie des Iran beruht auf drei Säulen: Abschreckung gegenüber den USA und Israel, regionaler Machtprojektion durch Stellvertreterkräfte und technologischem Fortschritt in strategischen Bereichen wie der Entwicklung von Atomwaffen und Raketen. Dabei sieht der Iran Israel als das Haupthindernis für die Erreichung seiner Ziele.

Das Atomprogramm

Ein Team der IAEO überprüft am 20. Januar 2014 den Anreicherungsprozess in der Urananreicherungsanlage Natans, die in der Nähe der Städte Isfahan und Kashan in Zentraliran liegt. (© picture-alliance, dpa | Kazem Ghane)

Das iranische Atomprogramm zielt darauf ab, Israel und die USA abzuschrecken und zugleich den regionalen Status der Islamischen Republik zu stärken. Obwohl Teheran beteuert, sein Atomprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken, deuten die erreichte Stufe seiner Urananreicherung, die verborgene Nuklearinfrastruktur und die technischen Fortschritte klar auf militärische Zielsetzungen hin. Seit dem Rückzug der USA aus dem 2015 mit dem Iran unterzeichneten Atomabkommen (Joint Comprehensive Plan of Action – JCPOA) hat der Iran die Urananreicherung und damit verbundene Technologien erheblich vorangebracht. Er gilt nun als nukleares Schwellenland, das in der Lage ist, innerhalb kurzer Zeit Uran auf eine waffenfähige Stufe anzureichern.

Raketenbau und unbemannte Luftfahrzeuge (UAV)

Der Iran hat massiv in seine Raketen- und UAV-Programme investiert, die nun eine zentrale Rolle in seiner Abschreckungs- und Offensivstrategie spielen. Sein Arsenal umfasst ballistische Raketen kurzer und mittlerer Reichweite, von denen ein Teil über Präzisionslenkung und Gefechtsköpfe mit hoher Sprengkraft verfügt und Israel sowie die Golfstaaten erreichen kann. Der Iran hat auch fortschrittliche UAVs für Angriffs- und Aufklärungszwecke entwickelt. Sie werden bei Konflikten in der gesamten Region eingesetzt und an verbündete Milizen weitergegeben, wodurch Teherans regionaler Einfluss weiter zugenommen hat.

Cyberkapazitäten

Die Cyberstrategie des Iran unterstützt seine Strategie der asymmetrischen Abschreckung. Die vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und den iranischen Nachrichtendiensten betriebenen Cybereinheiten zielen auf zivile und militärische Systeme regionaler und westlicher Gegner. Die Operationen umfassen Spionage, Angriffe auf kritische Infrastrukturen, Desinformation und Ransomware-Attacken. Obwohl der Iran nicht mit den global führenden Cybermächten mithalten kann, setzt er seine Ressourcen kreativ ein, um eine ernsthafte Cyberbedrohung aufzubauen und seine Angriffe später glaubhaft leugnen zu können. Zu den schwerwiegendsten Vorfällen dieser Art zählen Angriffe auf die israelische Infrastruktur und das US-Finanzsystem.

Stellvertreterkräfte und regionaler Einfluss

Neben seiner eigenen Aufrüstung hat der Iran ein Netzwerk von Proxys aufgebaut, die Operationen ausführen und dabei Teherans direkte Verantwortung verschleiern. Zu dieser „Widerstandsachse“ gehören die schiitische Interner Link: Hisbollah im Libanon, Interner Link: schiitische Milizen im Irak, die Interner Link: Huthis im Jemen sowie einige palästinensische Gruppen. Sie erhalten vom Iran finanzielle Unterstützung, Ausbildung und moderne Waffen und agieren häufig im Sinne der iranischen Ziele – insbesondere gegen Israel und die Golfstaaten.

Operation „Iron Swords“: Schwächung des iranischen Einflusses und erneute Stärkung der israelischen Abschreckung

Der von der Interner Link: Hamas angeführte Angriff am 7. Oktober 2023 und das Versagen Israels in den ersten Stunden des in Israel „Iron Swords“ genannten Krieges haben Israels Abschreckung schwer beschädigt – insbesondere in den Augen des Iran und seiner Verbündeten. Die groß angelegte Invasion auf israelisches Territorium und die Überrumpelung Israels wurden als Beweis für die strategische Verwundbarkeit des Feindes aufgefasst. Das bestärkte den Iran im Glauben an die Schlagkraft seines Stellvertreternetzwerks.

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten sah sich Israel einem koordinierten Mehrfrontenangriff gegenüber: Krieg mit der Hamas im Süden, Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah aus dem Libanon, Attacken durch vom Iran unterstützte Milizen aus Syrien, dem Jemen und dem Irak sowie Raketen- und Drohnenangriffe direkt aus dem Iran. Obwohl die meisten iranischen Flugkörper abgefangen wurden, stellten die Angriffe eine dramatische Eskalation dar: Der Iran griff von seinem eigenen Territorium aus an und testete offen Israels Fähigkeit zu Gegenmaßnahmen. Die zurückhaltende israelische Reaktion wurde als eine Bestätigung des iranischen Kalküls gedeutet, Israel werde von einem umfassenden Krieg Abstand nehmen.

Trotzdem gelang es Israel, seine Abschreckung zum Teil wiederherzustellen. Es fügte den Stellvertretermilizen des Iran hohe Verluste zu und bewies strategische Ausdauer in einer komplexen Gefechtslage. Israels Militäroperationen, einsatzorientierte Aufklärung, Kommunikation mit dem Westen und wohlüberlegte Zurückhaltung trugen dazu bei, die Abschreckung in mehreren Bereichen zu festigen.

In Gaza fügte Israel der Hamas und dem Palästinensischen Islamischen Dschihad – wichtigen Verbündeten des Iran – beispiellose Verluste zu, tötete Hunderte von Kommandeuren, zerstörte die Infrastruktur und ließ die Herrschaft der Hamas im Norden des Gazastreifens zusammenbrechen. Es zerschlug weitgehend die vom Iran finanzierten und unterstützten Strukturen der palästinensischen „Widerstandsfront“. Im Norden führte Israel präzise Schläge gegen die Hisbollah aus und erzielte wichtige taktische Erfolge, vermied aber einen umfassenden Krieg. Dutzende von Hisbollah-Kommandeuren wurden getötet, Kampfsysteme außer Gefecht gesetzt sowie moderne Aufklärungs- und Kommunikationsnetze zerstört. Zum ersten Mal seit 2006 führte Israel täglich Präzisionsangriffe tief im Libanon unter Einsatz von Drohnen und elektronischer Kriegsführung durch.

Diese Operationen haben die Abschreckungslage neu austariert. Die Hisbollah ist zwar weiterhin eine ernst zu nehmende Kraft, muss nun aber mit deutlich höheren Kosten für weitere Angriffe rechnen. Die regionalen Stellvertreter des Iran mussten feststellen, dass auch eine „gemeinsame Kampffront“ sie nicht unverwundbar macht.

Unterdessen haben die direkten Angriffe aus dem Iran Israel und dessen Verbündeten vor Augen geführt, dass ein umfassender Konflikt künftig durchaus real ist. Sie machten deutlich, dass Israels Verteidigungsdoktrin an neue Realitäten angepasst werden muss. Dazu sollten eine Verstärkung der Luftabwehr, eine noch engere strategische Anbindung an die USA und eine vertiefte sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit gemäßigten arabischen Staaten gehören.

Die iranische Herausforderung nach der Operation „Iron Swords“ (2025 bis 2030)

Sicherheitspolitisch hat die Operation „Iron Swords“ Israels Selbstverständnis ebenso verändert wie sein Image nach außen. Einerseits hat Israel seine Fähigkeit zu nachhaltigen Operationen an mehreren Fronten unter Beweis gestellt. Andererseits offenbarte es auch systemische Schwachstellen auf strategischer und psychologischer Ebene. Der Iran, die treibende Kraft hinter der „radikalen Achse“, war nicht direkt in den Konflikt verwickelt; sein Einfluss zeigte sich jedoch während der gesamten Operation über seine palästinensischen, libanesischen, syrischen und jemenitischen Stellvertreter.

In den kommenden Jahren wird der Iran voraussichtlich die Lehren aus dem Krieg umsetzen. Dann wird Israel vor mehreren neuen Herausforderungen stehen – strategischer, operativer und kognitiver Art – , die durch die Operation „Iron Swords“ entstanden sind oder verschärft wurden.

Die anhaltende nukleare Bedrohung

Die Operation „Iron Swords“ hat die Weiterentwicklung des iranischen Atomprogramms nicht gestoppt. Ungeachtet des auf ihn ausgeübten Drucks und trotz partieller Abkommen verfügt der Iran weiterhin über hohe Anreicherungskapazitäten und könnte die Schwelle zu atomarer Bewaffnung schnell erreichen, sofern er das beschließt. Daher muss Israel doppelgleisig handeln. Zur ersten Kategorie gehören Mittel wie präventive Maßnahmen, beispielsweise Sabotage, um einen nuklearen Durchbruch des Iran zu verhindern. Eine Strategie ist der Aufbau regionaler und globaler Abschreckung, um einem nuklearen Angriff vorzubeugen – und im Ernstfall eine durchschlagende Reaktion zu sichern.

Die Modernisierung der Raketenabwehr einschließlich der Frühwarnsysteme ist von entscheidender Bedeutung. Die Politik der USA – unabhängig davon, ob diese ein Abkommen mit dem Iran anstreben oder nicht – wird Israels strategischen Ansatz maßgeblich beeinflussen.

Der Iran als direkter Angreifer

Der Raketen- und Drohnenangriff vom April 2024 markierte eine Verschiebung von reiner Stellvertreterkriegsführung hin zur direkten Konfrontation. Auch wenn der Angriff abgewehrt wurde, unterstrich er das veränderte Selbstverständnis des Iran als Regionalmacht.

Israel muss nun seine Abschreckung gegenüber dem Iran verstärken – durch den Ausbau von Kapazitäten für Angriffe großer Reichweite, die Vorbereitung auf kombinierte Angriffe aus mehreren Richtungen sowie die Stärkung regionaler Verteidigungsbündnisse, einschließlich der Kooperation mit den USA, Jordanien und den Golfstaaten im Bereich der Luftverteidigung.

Verhinderung einer Rückkehr zu Stellvertreterkriegen

Die Gaza-Offensive unterstrich den tiefgreifenden Einfluss des Iran auf den palästinensischen Schauplatz, indem sie das Ausmaß seiner Unterstützung für die Hamas und den Islamischen Dschihad offenlegte. Trotz der israelischen Angriffe vermochte der Iran diese Proxys weiterhin gegen Israel einzusetzen – mit minimalem Risiko für sich selbst. Jetzt muss Israel versuchen, eine Wiederbelebung des iranischen Stellvertreternetzwerks zu verhindern. Geeignete Mittel dazu wären Aufklärung und Terrorismusbekämpfung im Westjordanland, die Sicherstellung strengerer Grenzkontrollen durch Ägypten sowie die Verhinderung iranischer Einflussnahme auf den Wiederaufbau des Gazastreifens.

Die libanesische Front – zwischen Abschreckung und Eskalation

Angesichts der iranischen Versuche, die Hisbollah wieder zu stärken, bleibt die Nordfront [an der Grenze zum Libanon - die Redaktion] eine große Herausforderung. Obwohl die Hisbollah durch israelische Operationen schweren Schaden genommen hat, stellt sie nach wie vor eine Bedrohung dar. Gezielte Angriffe auf die Führungsspitze und Infrastruktur der Hisbollah haben das Eskalationsrisiko vorübergehend verringert und die israelische Abschreckung auf eine höhere Stufe gehoben. Dennoch erfordern die anhaltenden iranischen Aktivitäten von Israel Wachsamkeit und hohe Einsatzbereitschaft für den Fall eines neuen Konflikts an der Nordgrenze.

Cyberkrieg und kognitive Einflussnahme – das neue Schlachtfeld

Der Konflikt hat sich auf den Cyberraum ausgeweitet, in dem iranische Cyberangriffe israelische Websites lahmlegen und Desinformation verbreiten. Die israelische Gesellschaft muss sich wahrscheinlich auf weitere, anhaltende Cyberangriffe einstellen. Der Staat und seine Einrichtungen müssen Cybersicherheit auf nationaler wie auf lokaler Ebene aufwerten. Es ist nötig, Instrumente psychologischer Beeinflussung zu entwickeln, um dem Iran entgegenzuwirken und Zielgruppen innerhalb der schiitischen Welt anzusprechen.

Iranisches Vorgehen auf globaler Bühne

Der Iran will seiner „Widerstandsachse“ globale Legitimität verschaffen und setzt dabei auf antiwestliche und antizionistische Narrative, die durch die Bilder der Gaza-Kampagne noch verstärkt werden. Israel muss diesen Bemühungen mit rechtlichen, politischen und diplomatischen Mitteln entgegenwirken – insbesondere bei der UNO und dem Internationalen Strafgerichtshof – sowie durch Stärkung von Allianzen mit Nationen, die den Iran als gemeinsame Bedrohung betrachten.

Der Krieg zwischen Israel und Iran – ein neues Kapitel der Konfrontation

Der Krieg zwischen Israel und Iran, bekannt als Operation Rising Lion (13. bis 24. Juni 2025), markierte ein neues Kapitel in der strategischen Konfrontation zwischen beiden Staaten. Zum ersten Mal seit 1979 hatte Israel eine direkte, unverhüllte und anhaltende Offensive gegen das iranische Atomprogramm und die iranische Infrastruktur für ballistische Raketen gestartet. Israel ging von der Einschätzung aus, dass die iranische Bedrohung an einem Punkt ohne Wiederkehr stand. Die Vereinigten Staaten, die zunächst die israelische Offensive gebilligt hatten, schlossen sich später der Operation an und griffen Schlüsselstellen des iranischen Atomprogramms mit Waffen an, über die Israel nicht verfügte.

Während der Kämpfe fügten Israel und die USA dem iranischen Atomprogramm schweren Schaden zu, dessen volles Ausmaß jedoch noch unklar ist. Zudem reduzierten sie die Raketenbedrohung erheblich. Symbole des Regimes wurden angegriffen. Die Führungsspitze der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) wurde größtenteils eliminiert. Israel erlangte im iranischen Luftraum nahezu vollständige Lufthoheit sowie dominante Aufklärungskapazitäten und stieß dabei kaum auf Widerstand.

Eine der bedeutendsten Entwicklungen des Krieges war die offene und direkte militärische Zusammenarbeit zwischen Israel und den Vereinigten Staaten. Zunächst hielt sich Washington zurück, um keine weitere Eskalation in der Region auszulösen. Letztendlich entschied sich die US-Regierung jedoch für ein direktes Eingreifen. Der von Präsident Donald Trump genehmigte Angriff auf die Nuklearanlagen in Natanz und Fordow war für die Reduzierung der iranischen Atomkapazitäten unabdingbar.

Kriegsschäden an einem Hochhaus im Zentrum von Tel Aviv, an der Kreuzung von Allenby und Ben Jehuda Straße. Während des Kriegs zwischen dem Iran und Israel im Juni 2025 trafen mehrere iranische ballistische Raketen und Drohnen Israel. (CC, Stefan Lampe für bpb.de) Lizenz: cc by/3.0/de

Der Iran reagierte mit Härte. Er feuerte Langstreckenraketen ab und führte Präzisionsangriffe mit unbemannten Luftfahrzeugen durch. Die iranischen Angriffe forderten in Israel zivile Opfer und verursachten erhebliche Sachschäden, was die Verletzbarkeit des Landes bei großangelegten Raketenangriffen in ein grelles Licht rückte.

Der Krieg hat den Konflikt zwischen Israel und Iran zwar nicht gelöst, aber er hat das strategische Kräfteverhältnis verändert. Der Iran wird in Israel nun als direkter Gegner betrachtet, der nicht nur durch seine Proxys handelt. Israels Fähigkeit, in der Tiefe des iranischen Territoriums zu operieren, und die offene Unterstützung durch die USA schufen ein neues Gleichgewicht: eines, das Abschreckung ausstrahlt, aber auch zerbrechlich ist und eine erneute Eskalation nicht unbedingt verhindern kann.

Israel braucht eine neue langfristige Strategie, die den Konflikt als direkte, lange und an mehreren Fronten stattfindende Konfrontation zwischen Staaten anerkennt. Das erfordert ein integriertes Konfliktmanagement auf diplomatischer, militärischer, kognitiver und ziviler Ebene. In den kommenden Jahren müssen Israel und die USA erhebliche Ressourcen bereitstellen, wenn sie eine Wiederaufnahme des iranischen Atomprogramms verhindern wollen. Die internationale Politik ist bestrebt, die gegenwärtige Schwäche des Iran für eine diplomatische Lösung zu nutzen. Wird dieses Ziel verfehlt, könnten die Konfliktparteien wieder auf Kollisionskurs geraten, was alternative Maßnahmen, einschließlich militärischer Aktion, erforderlich machen könnte.

Fazit

Der Konflikt zwischen Israel und Iran ist kein lokaler oder vorübergehender Streit, sondern ein langfristiger und vielschichtiger strategischer Kampf. Die Kombination religiöser Ideologie, regionaler Machtansprüche und moderner militärischer Kapazitäten mit dem Einsatz von Stellvertreterkräften im gesamten Nahen Osten macht den Konflikt besonders explosiv. Trotz der großen Herausforderungen, denen Israel sich während der Operation „Iron Swords“ gegenübersah, konnte es seine Abschreckungskraft durch gezielte Angriffe auf von Teheran kontrollierte Kräfte wiederherstellen. Das Gleichgewicht der Bedrohung bleibt jedoch fragil und dynamisch. Die entscheidende strategische Frage für das kommende Jahrzehnt lautet nicht, ob die Konfrontation mit dem Iran weitergehen wird. Vielmehr fragt sich, wie Israel, allein oder mit Partnern, seine militärische Handlungsfreiheit wahrt, den Einfluss der iranischen Stellvertretergruppen eindämmt und die Weiterentwicklung des iranischen Atomprogramms vereitelt, ohne in einen umfassenden Krieg hineingezogen zu werden.

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ist leitender Forscher am Externer Link: Institute for National Security Studies (INSS) und hatte zuvor leitende Positionen im Nachrichtendienst der Israelischen Streitkräfte und im Mossad inne. Im Nachrichtendienst war er zuletzt “assistant for assessment” des Leiters der Forschungsabteilung, und im Mossad leitete er von 2011 bis 2015 die Forschungsabteilung.