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Beziehungen zwischen den USA und Israel | Israel 2025 | bpb.de

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Beziehungen zwischen den USA und Israel Grundlagen und Spannungsfelder

Prof. Eytan Gilboa

/ 13 Minuten zu lesen

Seit langem pflegen die USA und Israel ein besonderes Verhältnis. Seit dem israelischen Sieg im Sechstagekrieg 1967 sind die beiden Staaten auch militärisch eng zusammengerückt.

US-Präsident Donald Trump (L) spricht mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu im israelischen Parlament, der Knesset, in Jerusalem am Montag, 13. Oktober 2025. (© picture alliance / Newscom | JALAA MAREY)

Die Vereinigten Staaten von Amerika stimmten 1947 für die Teilungsresolution der Vereinten Nationen, die die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staates im britischen Mandatsgebiet Palästina vorsah. Die USA waren auch der erste Staat, der Israel anerkannte.

Zu engen Verbündeten wurden die USA und Israel aber erst nach den durchschlagenden israelischen Siegen über die ägyptische Armee während der Sinai-Suez-Krise sowie über Ägypten, Syrien und Jordanien im Interner Link: Sechstagekrieg von 1967. Diese Allianz lässt sich am besten mithilfe des Charakters der besonderen Beziehung verstehen, der das Verhältnis der beiden Staaten zueinander prägte.

Normalerweise werden Bündnisse auf der Grundlage von nationalen Interessen geschlossen. Aber der Fall der USA und Israels ist einzigartig, denn ihre besondere Beziehung beruht auf einer seltenen Kombination von sicherheitspolitischer und wertebasierter Politik.

Die „besonderen Beziehungen“

Die strategischen Interessen der USA im Hinblick auf Israel entwickelten sich während des Kalten Krieges. Israel stieg zu einer Regionalmacht auf und wurde zu einem festen Teil des von den USA angeführten westlichen Lagers. Unterdessen schlossen sich benachbarte arabische Staaten wie Ägypten, Irak und Syrien dem sowjetischen Block an. Israel war die stärkste Macht unter allen US-Verbündeten im Nahen Osten.

Das ursprüngliche strategische Interesse der USA an Israel nahm nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges ab. Allerdings ergaben sich ein Jahrzehnt später, nach den terroristischen Mega-Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington, und angesichts einer neuen globalen Bedrohung durch radikale islamistische Terrororganisationen wie al-Qaida und den Islamischen Staat im Irak und in Syrien (ISIS) neue strategische Interessen. Israel hatte bereits seit Jahrzehnten gegen diese Form des Terrorismus kämpfen müssen. Die amerikanische Führung glaubte, dass Israels Erfahrung auf diesem Gebiet für erfolgreiche Militäreinsätze gegen die islamischen Terrororganisationen von entscheidender Bedeutung war. Um diese Organisationen zu besiegen, sollten die USA und Israel deshalb auf der militärischen, politischen und diplomatischen Ebene zusammenarbeiten.

Zur wertebasierten Politik bei den besonderen Beziehungen gehören Ähnlichkeiten in der Geschichte beider Nationen. Dabei handelt es sich um jüdisch-christliche Wurzeln der amerikanischen Gesellschaft, Nationsbildung durch Einwanderung, den Pioniergeist der amerikanischen wie der israelischen Gründergeneration, die Überwindung von Naturgrenzen und die Besiedlung unerschlossener Gebiete.

Weitere Elemente wertebasierter Politik sind gemeinsame Werte, ähnliche liberale und demokratische Strukturen, wobei Israel als die einzige Demokratie im Nahen Osten diese Werte teilt. Auch die religiöse Verbundenheit amerikanischer Jüdinnen und Juden sowie evangelikaler Christinnen und Christen mit Israel, parteiübergreifende politische Unterstützung sowie weitverbreitete Sympathie für Israel innerhalb der amerikanischen Gesellschaft kommen hinzu.

Je nach Einschätzung der bestehenden Bedrohungen und der militärischen Stärke Israels änderten sich die strategischen Interessen der USA im Laufe der Zeit, während die wertebasierte Politik weitgehend gleich geblieben ist. In der Praxis zeigten sich die besonderen Beziehungen zu Israel in der amerikanischen Militär- und Wirtschaftshilfe, Handelsvorteilen, der Lieferung moderner Waffen, gemeinsamer Entwicklung hochtechnologischer Rüstungssysteme, nachrichtendienstlicher Zusammenarbeit, der Abschreckung stärkerer Mächte, dem Schutz Israels gegen feindselige Akte internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen und deren Institutionen sowie in den Vermittlungsversuchen zur Beendigung des arabisch-israelischen Konflikts.

Diese besonderen Beziehungen haben wesentlich zur Aufrechterhaltung des engen Bündnisses zwischen den beiden Staaten beigetragen, konnten aber gelegentliche Meinungsverschiedenheiten und Konfrontationen nicht vermeiden, so in Fragen wie die israelische Politik gegenüber den Palästinenserinnen und Palästinensern, die Entwicklung von Kernwaffen durch den Iran oder die jüngsten Versuche der israelischen Regierung, das Justizsystem des Landes auf eine Weise neu zu gestalten, die das Gleichgewicht zwischen den drei Staatsgewalten auszuhöhlen schien.

Sicherheits- und Militärhilfe

Eines der wichtigsten Elemente der besonderen Beziehungen ist die amerikanische „Militärhilfe“ für Israel. Sie wurde mit dem Ziel konzipiert, jegliche panarabische Aggression durch Abschreckung zu verhindern und gegebenenfalls abzuwehren. 1964 erklärten sich die USA zum ersten Mal bereit, Israel moderne Waffen wie Kampfflugzeuge und Panzer zu liefern. Die Militärhilfe expandierte nach dem Jom-Kippur-Krieg mit Ägypten und Syrien, um die leeren Waffenlager wieder zu füllen. Damit wurde Israel nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Ägypten für den Rückzug von der Sinai-Halbinsel und den damit einhergehenden Verlust strategischer Tiefe entschädigt.

Seitdem werden Höhe und Zusammensetzung der US-Hilfe gemäß der sogenannten „Externer Link: Qualitative Military Edge“-Formel (qualitativer militärischer Vorsprung) festgelegt. Das bedeutet einerseits, dass Israel mit militärischer Ausrüstung versorgt und seine Wehrtechnikindustrie so gefördert wird, dass es jeder Koalition feindlicher Armeen gewachsen ist. Andererseits ermöglicht es diese Formel den USA, auch ihren arabischen Verbündeten moderne Waffensysteme zu verkaufen. Dieses Prinzip wurde in mehreren offiziellen Dokumenten und in der Gesetzgebung des US-Kongresses verankert und ermöglicht es Israel, die modernsten und fortgeschrittensten Waffensysteme zu erhalten, über die die USA verfügen, darunter das F-35-Kampfflugzeug.

Eigentlich ist der Gebrauch des Begriffs „Hilfe“ im Kontext der Verteidigungsbeziehungen irreführend. Die korrektere und angemessenere Bezeichnung wäre „Investitionen“ – Investitionen, die beiden Seiten enorme Vorteile bieten. Erstens werden die meisten Hilfsgelder nicht in Israel ausgegeben, sondern fließen der amerikanischen Rüstungsindustrie für die Herstellung der für Israel bestimmten Waffen zu. Israel wiederum liefert den USA hochwertige nachrichtendienstliche Informationen und beteiligt sich an der gemeinsamen Entwicklung von Waffen – hauptsächlich Raketenabwehrsystemen wie „Iron Dome“ und „Arrow“, die zu den besten in der Welt gehören. Auch Israels kampferprobte Gefechtsdoktrinen sind für die USA wichtig. Ferner arbeitet Israel mit den USA im Bereich der Cyberkriegsführung und bei der Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen zusammen.

Die jüngste Vereinbarung über amerikanische Militärhilfe für Israel wurde 2016 unterzeichnet und trat 2018 in Kraft. Sie gewährt Israel 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr für eine Zeitspanne von zehn Jahren. Davon sind 3,3 Milliarden Dollar für allgemeine Zwecke und 0,5 Milliarden Dollar für Raketenabwehrsysteme bestimmt. Überdies hat Israel von 2023 bis 2025 während des Krieges gegen die Hamas und andere vom Iran unterstützte Gruppen Sonderhilfsleistungen erhalten.

Die größte Gefahr für Israels Existenz geht vom Iran aus. Das islamistische Regime in Teheran hat wiederholt die Vernichtung Israels verlangt und eine militärische Infrastruktur errichtet, um Kernwaffen zu bauen. Zusammen mit den von ihm kontrollierten Stellvertreterkräften – der Hamas und des Islamischen Dschihads im Gaza, der Hisbollah im Libanon, verschiedenen Milizen in Syrien und im Irak sowie den Huthis im Jemen – versuchte der Iran zudem, einen „Brandgürtel“ (ring of fire) um Israel zu legen. Der Iran bedroht auch sunnitisch-arabische Staaten. Er lügt und täuscht über sein Atomprogramm und behauptet, es sei ausschließlich für Friedenszwecke bestimmt. Die USA und Israel stimmen darin überein, dass der Iran niemals eine Atommacht werden dürfe angesichts der extremen iranischen Ideologie sowie der Unterstützung von Gewalt und Terrorismus im Nahen Osten und weltweit. Die Diskussion zwischen den USA und Israel wird über die dafür nötigen Mittel geführt: Diplomatie beziehungsweise Militäraktion.

2015 unterzeichnete Präsident Barack Obama ein Atomabkommen, das das iranische Nuklearprogramm eindämmen sollte. Obama hatte die Vereinbarung hinter Israels Rücken ausgehandelt und wurde für ihre zahlreichen Unzulänglichkeiten scharf kritisiert. Israel widersetzte sich dem Abkommen heftig. In einem ungewöhnlichen Schritt kritisierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu es bei einer gemeinsamen Sitzung beider Kammern des US-Kongresses. Im Jahr 2018 kündigten die USA unter Präsident Donald Trump das Abkommen auf, woraufhin der Iran sein Atomwaffenprogramm beschleunigte.

Nach Beginn seiner zweiten Amtszeit im Jahr 2025 nahm Trump Verhandlungen über ein von ihm konzipiertes Nuklearabkommen mit dem Iran auf. Während des Krieges gegen die Hamas konnte Israel die Stellvertretermilizen des Iran erheblich schwächen, blieb aber wegen des iranischen Atomprogramms und Trumps Verhandlungstaktik besorgt.

Vermittlung im arabisch-israelischen Konflikt

Seit Beginn der arabisch-israelischen Auseinandersetzung haben sich die USA nachdrücklich um eine Vermittlung zwischen beiden Parteien bemüht. Hauptgründe dafür waren einerseits der Wunsch, die Belastung Israels durch den Konflikt zu reduzieren, und andererseits das Bestreben, die politischen und sicherheitspolitischen Kosten eines eskalierenden Konflikts zu vermeiden, sowie die Einsicht, dass die Israel gewährte Unterstützung zu Krisen und Spannungen in Amerikas Beziehungen zur arabischen Welt führte.

Der erste Vermittlungsversuch wurde bereits 1949 unternommen, als die USA zusammen mit Frankreich und der Türkei der Versöhnungskommission für Palästina angehörten. Die frühen Schlichtungsversuche schlugen fehl, weil die arabischen Staaten einen weiteren Vernichtungskrieg gegen Israel und keinen Frieden planten. Eine reelle Chance ergab sich erst nach dem Sechstagekrieg, in dem Israel die Sinai-Halbinsel und Gaza von Ägypten, die Golanhöhen von Syrien und das Westjordanland von Jordanien eroberte. Israel war bereit, Gebiete gegen Frieden zu tauschen, aber die arabischen Staaten weigerten sich nach wie vor, auch nur zu verhandeln.

Zu einem Durchbruch der amerikanischen Vermittlungsbemühungen kam es nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973. Der Krieg hatte sowohl Israel als auch Ägypten einen hohen Preis abverlangt, der Motivation und Bereitschaft erhöhte, einen Ausgleich zu finden. Ägyptens Präsident Anwar Sadat führte sein Land aus der sowjetischen Einflusssphäre in den amerikanischen Einflussbereich. Dadurch wurde die Vermittlerrolle der USA gestärkt. Nach dem Krieg handelte US-Außenminister Henry Kissinger Waffenstillstands- und Truppenentflechtungsabkommen aus und konnte zwei Jahre später ein grundlegendes Interimsabkommen zwischen Ägypten und Israel zustande bringen. Dieses wiederum ebnete den Weg für Sadats historischen Besuch in Jerusalem im Jahr 1977 und für den Interner Link: Friedensvertrag, den die beiden Länder 1979 schlossen. Es dauerte aber mehr als ein weiteres Jahrzehnt, bis Israel und die Organisation für die Befreiung Palästinas (PLO) 1993 die Oslo-Verträge unterzeichneten.

Diese beiden bedeutendsten Friedensinitiativen im Rahmen des Konflikts – mit Ägypten beziehungsweise der PLO – begannen jeweils mit geheimen Direktgesprächen zwischen den Parteien, bei denen Washington zunächst nicht unmittelbar einbezogen war. Allerdings war das aktive Engagement der USA für den Abschluss und die Umsetzung dieser Abkommen von Bedeutung. Präsident Jimmy Carter, dessen Beziehungen zu Israel spannungsvoll und gelegentlich feindselig waren, vermittelte persönlich zwischen Sadat und Israels Premier Menachem Begin. Diese unterzeichneten im September 1978 die Camp-David-Abkommen und im März 1979 einen Friedensvertrag. Israel stimmte dem Rückzug von der gesamten Sinai-Halbinsel zu im Gegenzug für offizielle Anerkennung und echten Frieden mit offenen Grenzen, diplomatischen Beziehungen, Tourismus und Handel.

Nachdem Ministerpräsident Jitzchak Rabin und der PLO-Vorsitzende Jassir Arafat in Oslo in geheimen Gesprächen gegenseitige Anerkennung vereinbart hatten, richtete US-Präsident Bill Clinton im September 1993 eine feierliche Unterzeichnungszeremonie auf dem Rasen des Weißen Hauses aus. Im Oktober 1994 spielte er eine unterstützende Rolle bei der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen Jordanien und Israel. Bedauerlicherweise führte der Oslo-Prozess nicht zu einem auf der Zweistaatenlösung beruhenden Friedensvertrag, was einen Staat für Jüdinnen und Juden und einen Staat für Palästinenserinnen und Palästinenser bedeutet hätte.

2020 unternahm Donald Trump im Rahmen des von ihm konzipierten, ehrgeizigen „Deals des Jahrhunderts“ den bisher jüngsten amerikanischen Versuch, einen israelisch-palästinensischen Frieden herbeizuführen. Zu diesem Plan gehörte ein umfassendes Wirtschaftsentwicklungsprogramm für das Westjordanland, den Gazastreifen, Jordanien und Ägypten. Der dafür veranschlagte Etat lag bei 50 Milliarden Dollar. Der politische Teil bot den Palästinenserinnen und Palästinensern einen Staat auf 70 Prozent der Fläche des Westjordanlandes und in Gaza sowie eine Hauptstadt am Rande Ostjerusalems. Israel nahm den Plan im Prinzip an, aber die Palästinenserinnen und Palästinenser wiesen ihn zurück. Die amerikanische Vermittlung war gegenüber Ägypten und Jordanien erfolgreich, schlug aber im Verhältnis zu den Palästinenserinnen und Palästinensern fehl, zum Teil, weil die USA auf diese nicht den gleichen Einfluss ausüben konnten wie auf Israel. Trotz dieses Rückschlags gelang es Trump, einen weiteren Durchbruch bei den arabisch-israelischen Beziehungen zustande zu bringen, als er nach intensiven Vermittlungsversuchen die sogenannten Interner Link: Abraham-Vereinbarungen (Abraham Accords) erreichte, also die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und vier muslimischen Staaten: den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Sudan und Marokko. Die Palästinenserinnen und Palästinenser lehnten die Abraham Accords ab und übten scharfe Kritik an den muslimischen Staaten, die sie unterzeichnet hatten.

Der Krieg mit dem Iran und der Hamas

Kriege und Gewalt waren stets ein Lackmustest für das amerikanische Versprechen, Israel zu beschützen. Im Jom-Kippur-Krieg 1973 richteten die Vereinigten Staaten eine Luftbrücke mit kriegsentscheidenden Waffen und Nachschubgütern für Israel ein und hielten die Sowjetunion von einer direkten militärischen Intervention zugunsten Ägyptens und Syriens ab.

Der Krieg zwischen der Hamas und Israel stellte eine größere Herausforderung dar: wegen der Umstände, die zum Kriegsausbruch geführt hatten, wegen der am Krieg teilnehmenden Konfliktparteien sowie angesichts der Dauer der Kampfhandlungen und der durch den Konflikt verursachten Schäden. Am Interner Link: 7. Oktober 2023 verübten die palästinensische Terrororganisation Hamas, die 2006 ein brutales Regime im Gazastreifen errichtet hatte, und der Islamische Dschihad ein Massaker an circa 1200 Israelis und entführten rund 240 Menschen, darunter Babys, Kinder, Frauen und hochbetagte Menschen.

Das war das schrecklichste Massaker an Jüdinnen und Juden seit dem Holocaust. Israel reagierte unverzüglich mit einer massiven Offensive gegen Stützpunkte, Kämpfer und das Tunnelnetz der Hamas. Am 8. Oktober weitete sich der Krieg aus, als auch weitere vom Iran gesteuerte Milizen im Nahen Osten, vor allem die Hisbollah, sich dem Angriff auf Israel anschlossen. Im April 2024 führte der Iran selbst einen massiven Angriff auf Israel aus. Deshalb wurde der Krieg auch gegen den Iran und dessen Stellvertreterkräfte und nicht nur gegen die Hamas geführt.

Von Kriegsbeginn an verurteilte die US-Regierung unter Joe Biden die Hamas und sah den israelischen Gegenangriff als berechtigt an. Biden besuchte Israel am 18. Oktober 2023. Er versprach, Israels militärischen Bedarf vollständig zu decken, verlegte umfangreiche Verbände der US-Marine und -Luftwaffe ins östliche Mittelmeer und warnte den Iran vor einer Einmischung in den Krieg. Diese Unterstützung war für Israel in den ersten Kriegsmonaten von entscheidender Bedeutung. Allerdings schlug der Iran die Warnungen in den Wind, und alle von ihm gelenkten Stellvertretergruppen, an erster Stelle die libanesische Hisbollah, nahmen israelische Ortschaften und Städte unter Beschuss, bis im November 2024 eine Waffenruhe vereinbart wurde.

Während des Krieges war in den USA der Präsidentschaftswahlkampf 2024 in vollem Gange. Der Demokrat Biden und der Republikaner Trump traten gegeneinander an. Musliminnen und Muslime sowie progressive Kreise der Demokratischen Partei kritisierten Biden für seine Unterstützung Israels und drohten sogar, für seinen Gegner zu stimmen. Biden war wegen der humanitären Katastrophe in Gaza besorgt. Er übte Druck auf Ministerpräsident Netanjahu aus, mehr humanitäre Hilfe für Gaza zuzulassen und bestimmte Militäroperationen zu unterlassen, etwa die Besetzung des Rafah-Korridors zwischen Gaza und Ägypten. Biden verhängte zudem einen Lieferstopp für bestimmte Munitionsarten. Trump kritisierte Biden und machte die Lieferbeschränkungen nach seiner Wahl rückgängig. Allerdings zwang er Netanjahu im Januar 2025 eine Waffenruhe auf, die die Freilassung mehrerer israelischer Geiseln ermöglichte.

Zwischen Trump und Netanjahu kam es auch zu Auseinandersetzungen über zentrale Fragen. Zu diesen gehörten eine Beendigung des Kriegs in Gaza, die Verhandlungen mit dem Iran über dessen Atomprogramm, ein Waffenstillstand zwischen den USA und den Huthis sowie die Erfüllung der saudi-arabischen Bedingungen für eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Im Mai 2025 besuchte Trump die Region, um Geschäftsvereinbarungen mit vermögenden Golfstaaten zu treffen und de facto eine proamerikanische Regionalallianz auf den Weg zu bringen, doch Israel ließ er bei seinem Besuch aus.

Schatten

Drei zentrale Entwicklungen gefährden derzeit die strategische Interessenbasis der besonderen Beziehungen: die amerikanische Abkehr vom Nahen Osten, die Aushöhlung von Grundwerten in Israel und demografische Trends in den USA in den kommenden 25 Jahren. Die strategischen Interessen der USA im Nahen Osten verändern sich. Erstens hängt die Erdölversorgung der Vereinigten Staaten und ihrer europäischen Verbündeten nicht mehr von der Belieferung durch arabische Staaten ab. Zweitens haben drei aufeinanderfolgende US-Präsidenten – Obama, Trump und Biden – Asien als die wichtigste Region für die amerikanische Außenpolitik definiert – und China als den bedeutendsten Rivalen im Kräftemessen um Macht und Einfluss. Israel hat bisher nicht klargestellt, wie es die USA im Ringen mit China unterstützen kann.

Drittens hat der Krieg an führenden amerikanischen Hochschulen zahlreiche gewalttätige Demonstrationen gegen Israel sowie gegen Jüdinnen und Juden ausgelöst. Viele jüdische Studierende wurden von einem propalästinensischen und linksradikalen Mob beschimpft, bedroht, eingeschüchtert und angegriffen – nur weil sie Jüdinnen und Juden waren. In ihren Jahresberichten für 2023 und 2024 stellte die Liga gegen Verleumdung (Anti-Defamation League) einen enormen Anstieg antisemitischer Vorfälle in den USA während dieser Jahre fest, großenteils wegen des Krieges.

Das Bröckeln der wertebasierten Politik in den besonderen Beziehungen wirft einen Schatten auf die Zukunft der engen Verbundenheit der USA und Israels. Wohlgemerkt legen zwei Drittel der amerikanischen Öffentlichkeit, wie Umfragen seit Beginn des 21. Jahrhunderts belegen, eine positive Haltung gegenüber Israel an den Tag. Eine Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner unterstützt Israels Standpunkt im Konflikt mit den Palästinenserinnen und Palästinensern. Indessen ließen der Krieg zwischen Israel und der Hamas sowie die gewaltsamen Demonstrationen gegen Israel an den Universitäten und in Großstädten die öffentliche Unterstützung für Israel sinken.

Dieser Rückgang ist insbesondere bei jungen Menschen sowie bei Minderheiten wie bei Menschen lateinamerikanischer Herkunft und Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern ausgeprägt. Diese Bevölkerungsgruppen, deren Bevölkerungsanteil in den USA wächst, zeigen wenig Interesse an Israel. Zudem musste Israel Einbußen beim parteiübergreifenden Rückhalt im US-Kongress hinnehmen. Dafür verantwortlich sind eine erstarkende Linkstendenz in der Demokratischen Partei, Netanjahus Unterstützung für republikanische Präsidentschaftskandidaten sowie der Konflikt mit Obama um das iranische Atomprogramm und die israelische Politik gegenüber den Palästinenserinnen und Palästinensern.

In Verbindung mit der zunehmenden religiösen und rechtsgerichteten Radikalisierung der israelischen Politik hat diese Entwicklung auch die Haltung vieler amerikanischer Jüdinnen und Juden negativ beeinflusst. Diese Bevölkerungsgruppe vertritt mehrheitlich eine liberale Ideologie und unterstützt die Demokratische Partei.

In Zukunft dürften drei Hauptfaktoren die Qualität der besonderen amerikanisch-israelischen Beziehungen bestimmen. Es sind die Förderung gemeinsamer strategischer Interessen, die Wiederherstellung gemeinsamer Werte und parteiübergreifender Unterstützung für Israel sowie die Vorstellung eines Konzepts zur nachhaltigen Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Weiterführende Literatur

Weitere Inhalte

ist Professor für Kommunikation an der Externer Link: Reichman-Universität und Experte für die amerikanisch-israelischen Beziehungen. Er war der Gründungsleiter der School of Communication und des Center for International Communication an der Bar-Ilan-Universität und Gastprofessor an mehreren amerikanischen und europäischen Spitzenuniversitäten. Er hat 15 Bücher und zahlreiche Artikel veröffentlicht, schreibt häufig Meinungsartikel für Zeitungen und ist ein bekannter Kommentator in Fernseh- und Radiosendungen.