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Juliane Schiemenz am 24.11.2014

Smart Grids & Smart Meter - Die Synapsen im Internet der Dinge

Stromnetze, die Energieverbrauch und Zufuhr intelligent im Sinne der Allgemeinheit steuern. Digitale Zähler, die uns mitteilen, wann der Strom am günstigsten ist und den Versorgern unser Nutzungsverhalten offenbaren. Das ist die Vision vom Smart Grid, unterstützt von den Smart Metern. Noch ist das aber nicht Realität.

Ein sogenanntes "Smart Energy Kit" mit digitalem Stromzähler.Ein sogenanntes "Smart Energy Kit" mit digitalem Stromzähler. Lizenz: cc by/2.0/de (CC, DigitpedieaCom)

Im Internet der Dinge könnten sogenannte Smart Meter, digitale Stromzähler, zukünftig wichtige Schnittstellen werden. Ein Smart Meter sammelt alle Informationen über den Stromverbrauch in einem Haus oder einer Wohnung und funkt sie an den Energieversorger. Er ist der zentrale Punkt im Smart Home, dem intelligenten Zuhause, in dem verschiedene Geräte miteinander korrespondieren.

Mehr Transparenz für mehr Effizienz

Hauptargument der Befürworter dieser neuen Technologie: Intelligente Stromzähler helfen dem Verbraucher, Strom zu sparen. Wer genau sieht, wann er wieviel verbraucht und welche Geräte besonders viel schlucken, der ändert sein Verhalten. Stromversorger wiederum können durch die detailgenauen Messdaten ihre Produktion und die Tarife an den Bedarf anpassen. So wird ein Smart Grid geschaffen, ein intelligentes Stromnetz, in dem alle mit allen korrespondieren.

In den USA entsteht momentan ein flächendeckendes Netzwerk aus Smart Meter. Circa 50 Millionen Geräte sollen bereits installiert sein, das ist fast die Hälfte der US-amerikanischen Haushalte.
Städte sollen klüger werden und mit ihnen die Energieversorgung. Weg von großen, zentralisierten Netzen, hin zu kleinen, selbstständigen und flexibleren 'Grids'. Doch auch die smarten Netze sind nicht perfekt: Vor allem in Sachen Datenschutz gibt es noch große Bedenken. Über die Vor- und Nachteile von Smart Grids haben wir mit Dr. Frank Wolter vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel gesprochen.

Wo ein Wille ist, ist bisher kein Weg

Etwas ähnliches ist auch in Europa geplant: Bis 2020 soll es einen Smart-Meter-Rollout von 80 Prozent geben - so lautet eine EU-Direktive. In einigen europäischen Ländern wie beispielsweise Spanien oder Großbritannien sind die Geräte bereits eingeführt. In Deutschland gab es Pilotprojekte. Jedoch zeigte eine Untersuchung des Unternehmens Ernst & Young im Jahr 2013: Bisher sind die Geräte für die Verbraucher unrentabel.

Doch die Industrie drängt auf den flächendeckenden Einbau. Der millionenfache Austausch intakter analoger Zähler gegen neue digitale ist ein Riesengeschäft für die Hersteller. Und auch die gesammelten Daten könnten ein Riesengeschäft bedeuten. Wer sie hat, weiß fast alles über einen Verbraucher: Wie sind die Essgewohnheiten (Wird häufig mit dem Herd gekocht oder eher die Mikrowelle benutzt?), wann sind wie viele Familienmitglieder zu Hause, wie oft schaltet jemand den Fernseher ein? Sogar was im Fernsehen geschaut wird, lässt sich analysieren.

Das Wissen darüber, wann jemand zuhause ist, kann beispielsweise Werbeanrufern bei der Arbeit helfen. Die Information, in welcher Küche ein uralter Kühlschrank steht, erleichtert dem Elektromarkt das Verteilen von Werbeprospekten. Die Weitervergabe solcher Daten an Dritte wird von offizieller Seite meist verneint, aber sogar die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young sehen in ihr eine Möglichkeit, den unlukrativen Smart Meter-Einbau zu refinanzieren. "Andere Marktteilnehmer" könnten auf diese Weise "Produkte und Mehrwertdienstleistungen leichter vermarkten."

Das kommt bei Verbrauchern nicht gut an, deshalb solle der Datenverkauf "in der Phase der Einführung vermieden werden", empfiehlt die Studie von Ernst & Young.

Datenschützer unter Strom

Datenschützer weltweit kämpfen gegen den Einbau der Geräte. Ausgehend von den USA wächst eine Anti-Smart-Meter-Bewegung, die neben der Datenschutz-Kontroverse auch die Manipulierbarkeit eines intelligenten Stromnetzes debattiert. Ein Netz aus Smart Meter wäre ein perfektes Angriffsziel für Terroristen, ganzen Landstrichen könnte der Strom abgestellt werden. Je größer die Vernetzung, desto größer auch die Verletzbarkeit. Jeder einzelne Smart Meter, so fürchten die Gegner, könnte im Prinzip die Angriffststelle für einen Hacker werden.

Welche Gefahren drohen, war Anfang 2014 auf Malta zu beobachten, wo korrupte Mitarbeiter des Energieversorgers Enemalta Smart Meter so manipulierten, dass sie Strom im Wert von 30 Millionen Euro abzweigen konnten.


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