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Tobias Lenartz am 16.12.2014

Smart City Life: Grüße aus der Stadt von übermorgen

Wir schreiben das Jahr 2070. IT-Riesen diktieren den Metropolen ihre Wünsche oder drohen mit dem Totalausfall der Systeme. Das Tagebuch aus der Zukunft erzählt vom Alltag in der smarten Stadt.

Masdar City, Norman Foster, Smart CityWas aussieht wie ein misslungener Crossover aus Futurama und Aladdin ist in Wirklichkeit ein Rendering des bekannten Architekten Norman Foster für die Smart City Masdar. Lizenz: cc by/2.0/de (CC)

Im Klamottenladen schleusen mich die iBeacons, kleine Sensoren, die mein persönliches Shopping-Profil über mein Smartphone auslesen, auf direktem Weg zu den Sonderangeboten. Zu dem quasi geschenkten Hemd — meldet mir meine Smart Watch — passt eine Hose, die ich im unteren Stockwerk finden kann. Vom letzten Einkauf kennt die Datenbank noch meine Kleidergröße. Deshalb kann mein Smartphone schon einmal ausrechnen, wie ich in den Sachen aussehe. Passt: Die Sensoren in der Ladentür kassieren automatisch ab.

Draußen spiegelt sich die Sonne auf den Solarkollektoren der klimaneutralen Wolkenkratzer. An der Ecke leert ein Müllroboter eine Tonne. Die hat ihm offenbar eben gefunkt, dass sie voll ist. Dass der Mann neben mir an der Ampel blind ist, bemerke ich nur am Klopfsignal seines Smartphones. Das lotst ihn sicher durch die Straßenschluchten, Sensoren sei Dank. In Laternen, Fassaden, Ampeln und unterm Asphalt registrieren diese nämlich Temperatur, Energieverbrauch und Verkehrsaufkommen und senden die Daten ans zentrale Rechenzentrum der Stadt. Im "City-Brain" werden diese in Echtzeit verarbeitet. Finanziert, entwickelt und betrieben von einem der drei großen IT-Anbieter.

Klar. Die Public-Private-Partnership zwischen der Stadt und diesen Unternehmen ist nicht immer ganz harmonisch. New York konnte vor zwei Jahren fast dichtmachen. Im Streit über die Konditionen der Vertragsverlängerungen hat einer der IT-Dienstleister die Systeme heruntergefahren. Nach drei Tagen ohne Strom, Busse und Müllabfuhr hat der Bürgermeister ihre Forderungen abgenickt. Seitdem darf das Unternehmen auch die Bewegungsprofile der Bürger/-innen des Big Apple weiterverwerten. Wenn die Kommunen kein Geld haben, um die Städte selbst smarter zu machen, müssen sie eben Kompromisse eingehen.

In den Urban-Gardening Arealen, den Eckpfeilern des innerstädtischen Gartenbaus, ist ziemlich viel los. An den Verwaltungsterminals, die an jeder Ecke stehen, eher weniger. Außer um mal schnell mit digitalem Fingerabdruck eine Meldebescheinigung zu bestellen, werden die Stationen kaum genutzt. Dabei könnte man damit Onlineinitiativen für das eigene Viertel starten und die Datenbank mit eigenen Daten beispielsweise zu neuen Schlaglöchern füllen. Aber die meisten Menschen scheinen wohl immer noch nicht so smart zu sein wie ihre Stadt.

Eine Straßenecke weiter überholt eine Gruppe Touristen in Elektrocarsharing-Autos ein E-Werbefahrrad. Das Display wirbt für den neuen Megastore einer hochpreisigen Möbelkette. In den weniger vernetzten Problembezirken wird die digitale Werbetafel automatisch umgeschaltet — auf die Geiz-ist-Geil-Slogans der Elektronikketten.


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