Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Rishab Aiyer Ghosh

Die große Welt der vielen Kleinen

In den späten 1990ern haben sie ein ökonomisches Modell entwickelt, das erklärt, warum Menschen davon profitieren, an Open-Source-Projekten teilzunehmen.

Ich nenne es das "Kochtopfmodell". Der Grund dafür ist, dass es einen hypothetischen Stammes-Kochtopf zum Vorbild nimmt: Wenn ich Fische habe und du hast Kartoffeln, erkennen wir beide, dass wir beide mehr Wert erhalten, wenn wir Fisch und Kartoffeln in einen gemeinsamen Kochtopf tun und einen Eintopf machen.

Der Grund, warum das bei realen Stammes-Kochtöpfen nicht so häufig geschieht, ist, dass wir anschließend immer noch entscheiden müssen, wie wir den Eintopf aufteilen. Hast du mehr hineingetan? Habe ich mehr hineingetan? Wenn du zum Beispiel immer mehr hineintust als ich, aber wir beide immer gleich viel herausnehmen, scheint das unfair.

All diese Probleme verschwinden jedoch, wenn man sich Informationen und Wissensgüter ansieht, so wie Software im Internet oder Textbücher. Denn hier kann der ganze Topf für jeden kopiert werden. Wir müssen ihn nicht aufteilen: Ich bekomme den ganzen Topf, und du bekommst den ganzen Topf. Und das erlaubt jedem, das Gefühl zu haben, dass er mehr herausholt, als er hineingibt. Ich tue nur Fisch hinein, aber ich bekomme Fisch und Kartoffeln, und du tust nur Kartoffeln hinein, aber du bekommst auch Fisch und Kartoffeln. Und du bekommst exakt genau so viel Fisch und Kartoffeln wie ich.

Warum sollte ich als Konsument auf ein Open-Source-Produkt umsteigen, wenn ich proprietäre Produkte habe, mit denen ich gut arbeite?

Als reiner Konsument ist man nur am Produkt interessiert; so etwas wie eine Wahl zwischen freier und proprietärer Software gibt es da einfach nicht. Man wählt lediglich zwischen einem Produkt und einem anderen. Genau so, wie man einen Apple Macintosh oder einen Windows PC wählen kann, kann man OpenOffice wählen.

Einer der Hauptgründe für viele Endnutzer ist natürlich der Preis. Obwohl sich das Wort "frei" hier auf "Freiheit" bezieht, ist es doch so, das freie Software auch mehr oder weniger ohne jede Zahlung erhältlich ist. Man kann die Software also für wesentlich weniger Geld bekommen.

Noch wichtiger ist vielleicht die Freiheit von irgendeiner Kontrolle. Bei proprietärrer Software besitzt man das, was man mit deer Software herstellt, nicht wirklich, denn die Firma, die die Software herstellt, wird darauf bestehen, dass man damit "Softwarepiraterie" begeht, und dann muss man noch mehr Geld bezahlen. Oder sie ändern die Art, wie Dokumente abgespeichert werden. Wenn man ein Dokument öffnen will, das man von zehn Jahren mit einer proprietären Textverarbeitung abgespeichert hat, hat man womöglich große Schwierigkeiten, es wieder zu öffnen. Während freie Software immer weiter unterstützt wird, weil es keine einzelne Firma gibt, die sie kontrolliert.

Das ist enorm wichtig für Konsumenten, die Organisationen sind. Für individuelle Endnutzer macht das nicht so viel aus. Aber Organisationen, insbesondere Regierungen, Schulen und öffentliche Einrichtungen müssen ihre Unabhängigkeit von einzelnen Unternehmen bewahren. Sie werden in der Lage sein wollen, ihre Software frei zu wählen. Wenn man proprietäre Software verwendet, hat man diese Wahl nicht mehr. Denn sobald man anfängt, sie zu benutzen, wird es sehr schwer, zu wechseln, da man sicherstellen muss, dass alle eigenen Gewohnheiten und Praktiken gut mit der neuen Software funktionieren.

Als großes Unternehmen ist es also eine große Veränderung, von proprietären Software-Plattformen auf freie umzusteigen, aber dieser Wandel muss nur einmal geschehen. Und sobald man das einmal getan hat, ist man wirklich frei von der Kontrolle der lizensierenden Unternehmen.



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