Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Rishab Aiyer Ghosh

Die große Welt der vielen Kleinen

Können Menschen mit Open-Source-Produkten tatsächlich ihren Lebensunterhalt verdienen? Wird das Modell nicht immer auf eine klassische Marktwirtschaft im Hintergrund angewiesen bleiben, oder auf öffentliche Fördergelder?

Nun, Menschen warden immer essen müssen und Geld benötigen, um es für Dinge auszugeben. Es gibt hier zwei Fragen: Wie viel Geld brauchen sie? Und wie viel von diesem Geld müssen sie mit freier und Open-Source-Software verdienen?

Im Software-Bereich trägt sich das Open-Source-Modell mittlerweile ökonomisch selbst. Es erhält kaum öffentliche Fördergelder. Die Leute arbeiten oft in Tagesjobs, aber fast die Hälfte der Entwickler von freier Software verdient ihr Geld heute mit der Arbeit an freier Software. Und das gilt insbesondere für den kleinen Anteil, der den Grossteil seiner Arbeitszeit auf freie Software verwendet.

Denn es ist so, dass die meisten Leute bei dieser Art von Zusammenarbeit gar nicht viel beitragen. Bei freier Software steuern die meisten weniger als zwei Stunden Arbeit pro Woche bei. Für zwei Stunden in der Woche muss man nicht viel Geld verdienen. Noch braucht man besonders starke Motive, um etwas zwei Stunden in der Woche zu tun.

Wenn man sich ein typisches Freie-Software-Projekt anschaut, wird etwa 70 Prozent der Software von einer kleinen Gruppe von Leuten geschrieben, die 30 bis 40 Stunden in der Woche mitarbeiten, und diese Leute haben in der Regel sehr gute Gründe. Sei es, dass sie Studierende an einer Universität sind – dann müssen sie sich keine Gedanken übers Geldverdienen machen, sie machen das als Lernerfahrung, oder um Erfahrung für ihre spätere Arbeit zu sammeln, denn es hilft einem, einen Job zu finden, wenn man nachweisen kann, dass man an Open-Source-Projekten mitgewirkt hat. Sei es, dass sie in Unternehmen sitzen und [mit ihrer Teinlahme] am Geschäft ihres Unternehmens arbeiten, sei es, dass sie unabhängige Berater sind, oder was auch immer.

Aber diese 70 Prozent sind noch nicht das Endprodukt. Um erfolgreich zu sein, braucht man die anderen 90 Prozent der Menschen in der Community, um die übrigen kleinen Softwareteile zu schreiben. Und die werden von Menschen geschrieben, die nur sehr kleine Mengen an Zeit beitragen.

Interview und Übersetzung aus dem Englischen: Sebastian Deterding

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