Dossier Frauenbewegung

8.9.2008 | Von:
Dr. Corinne Bouillot

Auferstanden aus Ruinen

Die Frauenbewegung in der DDR

Der DFD sollte die Frauen in erster Linie von der Richtigkeit der Frauenpolitik von Partei und Staat überzeugen. Von Anfang an zielte diese auf die Einbeziehung der Frauen in die Berufsarbeit, die als Voraussetzung für ihre Emanzipation galt. Im Kontext der Errichtung der sozialistischen Planwirtschaft hatte die Mobilisierung der Frauen für den Eintritt in die "gesellschaftliche Produktion" – die der DFD u. a. durch die Schaffung von "Hausfrauenbrigaden" unterstützte – absoluten Vorrang. Hinzu kamen, vor allem ab Anfang der 1960er Jahre, Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung der erwerbstätigen Frauen, die am Ende der DDR-Zeit tatsächlich einen hohen Stand erreicht hatte.

In der "Honecker-Ära" (ab 1971) wurden die berufstätigen Mütter zu den Hauptadressatinnen der sozialpolitischen Maßnahmen, durch welche die Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft verwirklicht werden sollte. Damit wurde aber auch das herrschende Frauenleitbild der DDR konsolidiert, nach dem die Frauen ihre "Doppelbelastung" meisterhaft beherrschten und sich darüber hinaus noch politisch engagierten. Verbesserung des Mutterschutzes, bezahltes Babyjahr und Ausbau der Kindereinrichtungen zählten zwar zu den Bestimmungen, die von den Frauen begrüßt wurden, aber gleichzeitig wurde Frauenpolitik auf Familienpolitik (mit pronatalistischen Zielen), ja auf "Muttipolitik" reduziert. Dies blockierte jede Reflexion und Diskussion über die Geschlechterrollen – z. B. über Vereinbarkeit von Berufsarbeit und Elternschaft oder Arbeitsteilung im Haushalt. Selbst das "Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft" vom 9. März 1972, das die Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch einführte und damit eine bedeutende Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts der Frauen beseitigte, wurde lediglich als "Frauentagsgeschenk" präsentiert – auch vom DFD selbst, der sich immer mehr zum "Akklamationsorgan" entwickelte.

Grenzen der Frauenemanzipation und Instrumentalisierung des DFD

Die "aufoktroyierte" Emanzipation verhinderte, zumindest auf offizieller Seite, das Hinterfragen der realen Geschlechterverhältnisse und der patriarchalischen Herrschaftsstrukturen in der DDR. Feminismus wurde von der männerdominierten Machtspitze als "Frauenrechtelei" abgetan, denn grundsätzlich habe "die Frau" an der Seite "des Mannes" ihre Emanzipation erkämpft bzw. erlangt. In der Praxis blieben die Frauen im Partei- und Staatsapparat unterrepräsentiert. Ihr Anteil an mittleren politischen Positionen war zwar relativ hoch, beispielsweise in den Parlamenten der DDR, wo auch der DFD eigene Fraktionen hatte. Aber charakteristisch ist, dass bis zur Wende nie eine Frau Vollmitglied des Politbüros der SED, des eigentlichen Entscheidungsorgans, wurde.

Einer der Hauptbereiche der Arbeit des DFD, der "Kampf um den Frieden", zeigt exemplarisch den Zusammenhang zwischen der Unterordnung der Fraueninteressen unter die allgemeinen politischen Ziele der DDR und den spezifischen Aufgaben, die den Frauen und ihrer Organisation zugeteilt wurden: Als (potenzielle) Mütter, die dazu berufen seien, das Leben zu schützen, sollten sich die DDR-Frauen an der Seite der Sowjetbürgerinnen und Frauen aus anderen "friedliebenden" Ländern in die Front gegen den westlichen "Imperialismus" einreihen. Diese Argumentation, die gleichzeitig von der Instrumentalisierung der "Frauenbewegung" zeugt, zieht sich wie ein roter Faden durch die DDR-Geschichte, von den frühen 1950er Jahren, als der ostdeutsche Staat den Abschluss eines Friedensvertrags mit ganz Deutschland forderte und die Westalliierten für die Spaltung verantwortlich machte, bis hin zu den 1980er Jahren, als die "Hochrüstungspolitik" der USA angeprangert werden sollte.

Dieser offizielle Friedensdiskurs, mit Hilfe dessen aufkeimende reale "pazifistische Auffassungen entkräftet werden"[2] sollten, ließ die Frage der wachsenden Militarisierung der DDR und der ostdeutschen Gesellschaft völlig außer Acht. Diese wurde erst Thema der informellen Frauengruppen, die zu Beginn der 1980er Jahre entstanden. Als es zur Herausbildung dieser "neuen Frauenbewegung" kam, hatten sich die meisten jüngeren DDR-Frauen schon lange vom DFD abgewandt, den sie immer mehr als "Häkelklub", als "Beratungszentrum für rationelle Haushaltsführung" sowie als "Anhängsel der SED"[3]betrachteten – und nicht mehr als Ort, wo über Frauenprobleme diskutiert werden konnte.

Fußnoten

2.
Geschichte des Demokratischen Frauenbunds, hg. vom Bundesvorstand des DFD, Leipzig, 1989, S. 329.
3.
H. Kuhrig: "'Mit den Frauen’ – 'Für die Frauen’. Frauenpolitik und Frauenbewegung in der DDR", in Hervé, Florence, Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Köln, 1998, S. 223–224.
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