Dossier Frauenbewegung

13.1.2009 | Von:
Dr. Mechthilde Vahsen

Louise Otto-Peters

Mit der Heirat 1858 und einem Umzug nach Leipzig bekam Louise Otto-Peters endlich die Gelegenheit, zusammen mit ihrem Mann zu arbeiten. Die beiden gehörten zur Redaktion der "Mitteldeutschen Volks-Zeitung", sie selbst betreute das Feuilleton und schrieb Beiträge zu Frauenthemen. Die Zusammenarbeit währte allerdings nicht lange, denn bereits 1864 verstarb August Peters.

Die Frauenbewegung organisiert sich

1865 begann ein neuer Lebensabschnitt für die tatkräftige Frauenrechtlerin. Sie hatte sich bereits in den 1840er Jahren für die Belange und Rechte von Frauen eingesetzt, sich in zahlreichen Journalen und Zeitschriften für Gleichberechtigung ausgesprochen. Seit dieser Zeit stand sie in Kontakt mit vielen gleichgesinnten Streiterinnen und war ausgesprochen breit vernetzt. Dieses Engagement führte sie nun fort, indem sie 1865 mit ihrer Freundin Auguste Schmidt den "Leipziger Frauenbildungsverein" gründete. Im gleichen Jahr organisierte sie die erste deutsche Frauenkonferenz, auf der der Allgemeine Deutsche Frauenverein (ADF) ins Leben gerufen wurde, mit Louise Otto-Peters als Vorsitzender. Dieses Amt hatte sie dreißig Jahre inne und prägte mit ihren Ideen, ihren Vorstellungen und ihrer Person die Arbeit des ADF entscheidend mit.

Gleichzeitig gab sie mit Auguste Schmidt die Vereinszeitung "Neue Bahnen" heraus. Auch hier nutzte sie das Medium Zeitung, um aufzuklären, über aktuelle Aktionen zu berichten, Informationen zu vernetzen und sich für die Rechte von Frauen einzusetzen. Die Gründung des ADF wirkte als Initialzündung. Im ganzen deutschen Reich wurden ebenfalls Frauenbildungsvereine gegründet, die sich dem ADF als Dachorganisation anschlossen. Durch diesen Schritt war die organisatorische Stufe der bürgerlichen Frauenbewegung erreicht.

1866 veröffentlichte Louise Otto-Peters die wichtige Streitschrift "Das Recht der Frauen auf Erwerb", mit der sie ihre Position innerhalb der Diskussion um Frauen und Erwerbsarbeit darlegte.

"Wir sehen alles mit Freuden geschehen, was geschieht, um die Frauenfrage ihrer Lösung immer näherzuführen. An der Überzeugung aber halten wir fest, daß ihre wirkliche Lösung nur gefunden werden kann durch die Frauen selbst, durch ihren eigenen Willen und ihre eigene Kraft, daß jede andere Lösung nichts ist als ein Präservativ, das nur auf kurze Zeit helfen kann, dann aber doch wieder als unnütz beiseite geworfen werden muß. " (Otto-Peters, Das Recht der Frauen auf Erwerb, 1997, S. 99; Hervorhebung im Original)

Als Vertreterin der Ergänzungs-Ideologie war Louise Otto-Peters der Meinung, dass eine Frau in ihrer Funktion als gebildetes weibliches Wesen den rationalen Mann ergänze. Entsprechend kämpfte sie für die Erhöhung des weiblichen Bildungsniveaus, für das Recht auf Arbeit und den Zugang zu Berufen. Ihr Engagement machte sie zur Führerin des gemäßigten Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung, ihre Positionen grenzte sie jedoch deutlich gegen andere Frauen wie beispielsweise Louise Aston oder Clara Zetkin ab, die eine rigorose Gleichsetzung von Mann und Frau forderten. Bis zu ihrem Tod widmete sie sich neben der zeitaufwändigen Vereinstätigkeit und der Frauenbewegung der literarischen und journalistischen Arbeit. Ihr Interesse für Geschichte mündete nicht nur in Sachbücher zu dem Thema, sondern sie tradierte zudem historisch wichtige Frauengestalten, um Vorbilder aufzuzeigen. Auch ihre zahlreichen Romane und Novellen waren geprägt von emanzipativen Frauenfiguren. Louise Otto-Peters starb am 13. März 1895 in Leipzig.

"Das Recht der freien Selbstbestimmung ist das heiligste und unveräußerlichste jedes vernunftbegabten Wesens. Wer sich dasselbe rauben läßt, wer freiwillig darauf verzichtet, der versündigt sich an seiner eigenen Menschenwürde, und es bewahrt sie nur, wer freudig seine Kraft einsetzt, jenes Recht zu bewahren oder sich zu erringen, wo man es ihm noch nicht gegeben oder wo man es ihm genommen hat." (Otto-Peters, Das Recht der Frauen auf Erwerb, 1997, S. 99; Hervorhebung im Original)

Der Nachlass befindet sich in Mikrofilmkopie im Helene-Lange-Archiv des Landesarchivs Berlin. Seit 1993 kümmert sich der Leipziger Louise Otto-Peters-Verein mit Tagungen und Publikationen um die Bekanntmachung von Leben und Wirken der Frauenrechtlerin: www.louiseottopeters-gesellschaft.de

Literatur

Ruth-Ellen Boetcher Joeres (Hg.): Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung: Louise Otto-Peters. Frankf./M. 1983.

Louise Otto-Peters: Ihr literarisches und publizistisches Werk. Hg. im Auftrag der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V. von Johanna Ludwig und Rita Jorek. Leipziger Universitätsverlag 1995.

Louise Otto-Peters: Schloss und Fabrik. lkg Verlag Leipzig 1996.

Louise Otto-Peters: Das Recht der Frauen auf Erwerb. Leipziger Universitätsverlag 1997.

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