Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Stefan Mentschel

Iran

Schlüsselspieler mit Bundesliga-Erfahrung

Zu den Schlüsselspielern gehören auch drei Bundesliga-Profis. Ali Karimi (27) ist seit Sommer 2005 beim FC Bayern München unter Vertrag. Die internationale Fußballbühne betrat der offensive Mittelfeldspieler jedoch schon 1998 bei den Asien-Spielen, wo er mit Schnelligkeit, Instinkt und dem entscheidenden Tor im Endspiel gegen Kuwait wesentlichen Anteil am iranischen Sieg hatte. Erfolge feierte Karimi auch mit seinen Clubs Persepolis Teheran und Al-Ahli Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein Hattrick im Viertelfinale des Asien-Pokals 2004 gegen Südkorea machte den "Zauberer von Teheran" in seiner Heimat dann endgültig zum Superstar. Im selben Jahr ernannte der Asiatische Fußballverband Karimi zum "Spieler des Jahres". Mit den Bayern will er sich nun sportlich in Europa durchsetzen.

Seinem Team-Kollegen Vahid Hashemian (29) hatte 2004 der Wechsel nach München kein Glück gebracht. Nach nur einer Saison kehrte er den Bayern enttäuscht den Rücken, denn gegen die starke Konkurrenz konnte er sich nicht durchsetzen. Erfolgreicher war Hashemian mit der Nationalmannschaft. Im WM-Qualifikationsspiel gegen Japan erzielte er im März 2005 vor mehr als 100.000 Fans im Teheraner Azadi-Stadion beide Treffer beim wichtigen 2:1-Sieg. Vor seiner Zeit beim FC Bayern war Hashemian drei Jahre beim VfL Bochum auf Torjagd gegangen und hatte in der Saison 2003/2004 unter Trainer Peter Neururer immerhin 16 Bundesligatreffer erzielt. Mittlerweile ist der Stürmer wieder in Neururers Obhut – bei Hannover 96. Auf die WM-Chancen der Iraner angesprochen, sagte Hashemian dieser Tage: Die Mannschaft sei sehr gut besetzt, doch in Taktik und Zusammenspiel gebe es noch Defizite. Daher müsse man von Spiel zu Spiel schauen, "aber wir haben auf jeden Fall das Potenzial weiterzukommen".

Mehdi Mahdavikia (28) vom Hamburger SV ist der Mittelfeldstratege der Iraner, der vor allem mit seinen Flanken gegnerische Abwehrreihen in Bedrängnis bringen kann. So hatte er unter anderem im Qualifikationsspiel gegen Japan, in dem er von Beobachtern zum besten Spieler auf dem Platz ernannt worden war, Hashemian das 1:0 aufgelegt. Doch der Familienvater, der nach zahlreichen Verletzungen inzwischen wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat, kann auch Tore schießen. Bei der Weltmeisterschaft 1998 erzielte er im historischen Aufeinandertreffen gegen die USA den entscheidenden zweiten Treffer. Das Spiel bezeichnet Mahdavikia bis heute als das "wichtigste" seiner Laufbahn.

Ob ein vierter Bundesliga-Profi eine tragende Rolle im Kader von Trainer Branko Ivankovic werden kann, ist noch offen. Gleichwohl hat Ferydoon Zandi (27), der nach Stationen in Meppen, Freiburg und Lübeck seit 2004 beim 1. FC Kaiserslautern spielt, das Potenzial dazu. Der im ostfriesischen Emden geborene Sohn einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters hat sich erst vor anderthalb Jahren entschieden, für die iranische Nationalmannschaft aufzulaufen. Das Votum für Iran sei ihm nicht leicht gefallen, bekannte der Mittelfeldspieler in einem Interview. Schließlich habe er zuvor bereits fünf Mal für die deutsche U21-Auswahl gespielt. "Von Herzen war ich immer voll dafür. Aber ich wusste nicht, ob es moralisch der richtige Entschluss ist."

Für Ali Daei (37) haben sich solche Fragen nie gestellt. Der Altmeister des iranischen Fußballs ist Mannschaftskapitän von Team Melli und in seinem Land eine lebende Legende. Ein Grund dafür: Der zweimalige "Welttorjäger des Jahres" – 1996 und 2004 – hat mit 109 Treffern in 147 Spielen die meisten Länderspieltore weltweit erzielt – vor dem Ungarn Ferenc Puskas mit 84 Toren und Pele, der für Brasilien 77-mal traf. Auch in der Qualifikation für die WM in Deutschland ist er mit neun Treffern wieder der Toptorschütze Asiens. Trotz dieses Erfolgs ist Daei bescheiden geblieben: "Ehrlich gesagt bin ich ein ganz normaler Spieler. Tore schießen ist meine Aufgabe. Wir haben eine sehr gute Mannschaft und ich habe fantastische Unterstützung. Das muss man immer bedenken, wenn man darüber spricht, warum ich in den Jahren so viele Tore erzielen konnte." Zwischen 1997 und 2002 stürmte Daei in der Bundesliga. In 107 Spielen für Arminia Bielfeld, Bayern München und Hertha BSC Berlin erzielt er 19 Tore. Inzwischen ist Daei bei Saba Batry Teheran aktiv, dem Vierten der iranischen Meisterschaft.

Irans "Spieler des Jahres" indes wird nicht mit nach Deutschland reisen. Der 23-jährige Mojtaba Jabari von Meister Esteqlal Tehran sollte der neue Star des Teams werden, verletzte sich aber kurz vor der WM im Schweizer Trainingslager. Die iranischen Medien bezeichneten den Ausfall des talentierten Spielmachers als "großes Unglück".